Bützow : Zum Abschied Karotten für Bella

Mit diesem Besuch rechnete wahrlich niemand. Pony Bella stattete dem Pastor einen Besuch in der Kirche ab.
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Mit diesem Besuch rechnete wahrlich niemand. Pony Bella stattete dem Pastor einen Besuch in der Kirche ab.

Zahlreiche Gäste kamen gestern zum Gottesdienst mit Pastor Karl-Martin Schabow, der ab 1. Dezember in Ruhestand geht

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09. November 2015, 10:02 Uhr

Die Menschen strömten gestern nur so in die Stiftskirche, um am Abschieds-Gottesdienst mit Pastor Karl-Martin Schabow teilzunehmen. Vor elf Jahren, zwei Monaten und heute sechs Tagen kam der Pastor nach Bützow – Mathias Röse vom Kirchengemeinderat hatte extra nachgerechnet. Am 1. Dezember geht Schabow nun in den verdienten Ruhestand.

Er habe es verstanden Historisches und fast Vergessenes mit der Moderne zu verbinden, so Bürgermeister Christian Grüschow in seinem Grußwort. Schabow habe Glanz und Ausstrahlung in die Kirche gebracht und das vor allem durch menschliche Wärme. „Sie waren immer für Dinge zu haben, wenn es darum ging Menschen glücklich zu machen“, fügte er an und erinnerte unter anderem daran, als Schabow in die Rolle des Weihnachtsmanns schlüpfte. Viele Gäste nutzten die Gelegenheit, dem Pastor noch einige Worte mit auf den Weg zu geben.

Kein Redner konnte jedoch Bella das Wasser reichen. Und die sagte während ihres Besuches in der Kirche kein Wort. Der Kirchengemeinderat hatte sich gemeinsam mit Institutionen Bützows etwas Besonderes ausgedacht. Sie hielten keine lange Rede, sondern überreichten eine kleine Geschenkbox. Der Inhalt war allerdings gar nicht für den Pastor, sondern einen Ehrengast, der nur für ihn angereist war und mit dieser Ansage die Kirche betrat. Neugierig blickten die Zuschauer in den Gang, einige mussten lachen. So etwas hat es in der Stiftskirche wohl noch nicht gegeben. „Bella!“, entfuhr es Schabow. Ein schwarzes Pony schritt gemütlich durch den Gang Richtung Altar, wo Pastor Schabow schon eine frische Karotte in der Hand hielt – aus der Geschenkbox.

Das Pony Bella hatte nun das eigentliche Geschenk dabei: Ein Herz zum Anhängen mit lieben Worten darauf und ein Fernglas, damit der Pastor auch ohne Brille alles im Blick hat.

Als er nach Bützow kam, habe er gewusst, „das ist kein leichtes Pflaster“. Ausgetreten und wackelig sei es gewesen, fand Schabow eine passende Metapher. Als er dann gemeinsam mit Architekt Hartmut Böhnke, beladen mit Zeichnungen und Ideen, ins Rathaus gestolpert sei, habe er nicht damit gerechnet, es sicheren Fußes wieder zu verlassen. Die belebten das Projekt der Kirchenrestaurierung erfolgreich wieder. Die Tür zum Rathaus habe ihnen dabei immer offen gestanden.

Diese Offenheit sei für ihn über die Jahre zum Leitbild geworden.

„Heute schaue ich mit großer Dankbarkeit zurück“, sagte er weiter und kam schließlich auf den Tornado zu sprechen. Als der Schock ihm noch im Gesicht stand, sagte ihm eine 90-Jährige Bützowerin etwas, das ihm im Gedächtnis blieb: In jedem Ende liegt auch irgendwie ein neuer Anfang. „Nun freue ich mich auf einen neuen Abschnitt in meinem Leben.“

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