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Bahnhof Bützow : Zu viele Reisende für Fördermittel des Bundes

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Behindertenbeirat des Landkreises setzte sich für Bützow ein. Vorstoß bleibt ohne Erfolg

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Barrierefreiheit muss wichtiger werden. Das sagte der Bürgerbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Crone, am Montag im Zusammenhang mit seinem aktuellen Jahresbericht über die Eingaben, die Einwohner des Landes 2015 an ihn gerichtet haben.

Allein 148 Eingaben, also fast jede zehnte, bezogen sich auf Anliegen von Menschen mit Behinderung. Eine Petition kam unter anderem vom Behindertenbeirat des Landkreises Rostock, in dem auch Hans-Joachim Lang, Bürgermeister der Gemeinde Kassow, Mitglied ist. Denn auch in dieser Interessenvertretung spielt das Thema barrierefreier Bahnhof Bützow eine Rolle.

Anlass war ein neues Förderprogramm, das Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im vergangenen Jahr aufgelegt hat. Über das Zukunfsinvestitionsprogramm (ZIP) sollen Bahnstationen im ländlichen Raum modernisiert werden. Dafür stellt der Bund 50 Millionen Euro zur Verfügung und fördert damit bis zu 50 Prozent der Baukosten, um die Stationen barrierefrei zu machen, und zwar bis 2018.

Die Mitglieder des Behindertenbeirates des Landkreises Rostock sahen darin eine Chance für Bützow. Bekanntlich kämpft Bützow seit 2009 um Aufzüge, damit Menschen mit Behinderung die Bahnsteige 2 und 3 erreichen können. Auch für alleinreisende Eltern mit Kinderwagen und ältere Menschen mit schwerem Gepäck wäre das wichtig. Doch immer wieder verschob die Bahn Investitionen. Die Folge: Wollen Rollstuhlfahrer mit der Bahn verreisen, müssen sie mindestens 24 Stunden vorher den Mobilitätsservice der Bahn bestellen. Spontane Reisen sind so unmöglich.

Nun also der Vorstoß des Beirates über den Bürgerbeauftragten des Landes, in dieses Förderprogramm zu kommen. Doch dafür sei der Bahnhof Bützow zu stark frequentiert. „Nach erfolgter Rücksprache mit dem Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung kommt eine Förderung nur für kleine Verkehrsstationen, die weniger als 1000 Ein- und Aussteiger pro Tag aufweisen, in Betracht“, heißt es in der Antwort von Matthias Crone und weiter: „Der Bahnhof Bützow habe mittlerweile täglich über 1000 Reisende zu verzeichnen.“ Damit fehlen dem Bahnhof Bützow die „formalen Fördervoraussetzungen“, so der Bürgerbeauftragte.

Den Vorstoß des Behindertenbeirates hat Mathias Wolschon mit Interesse aufgenommen. Der Bützower Stadtpräsident ist auch Vorsitzender des Sozialausschusses des Kreistages des Landkreises Rostock. Vor Jahren sei der Bützower Bahnhof noch als Umsteigebahnhof in Frage gestellt worden. Nun seien hier so viel Reisende unterwegs, dass der Bahnhof bei einem solchen Förderprogramm auf einmal zu groß sei, zeigt sich Wolschon verwundert.

Matthias Crone konnte in diesem Zusammenhang leider nur auf das „übliche Investitionsprogramm“ der Bahn verweisen. Und auf Nachfrage seines Büros hieß es im Frühjahr 2015 bei der Bahn AG „voraussichtlich 2018“. Keine vier Monate später, im August nannte die Bahn bekanntlich dann gegenüber Bützows Bürgermeister Christian Grüschow schon das Jahr 2019 als möglichen Umsetzungstermin für den Bau von Aufzügen.

Bützow sei kein Einzelfall, sagt Crones Sprecherin Ina Latendorf. Das treffe auch auf andere Bahnhöfe zu. Und immer wieder betone die Bahn bei der Nennung von Daten, dass es sich um „voraussichtliche“ Termine handelt. „Wir können immer nur wieder versuchen, am Thema dranzubleiben“, so Latendorf.

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