Niendorf : Zu Besuch beim „Teigmonster“

An der Nudelmaschine: Marion Beier aus Bützow trennt mit einem Schaber den Teig.
1 von 4
An der Nudelmaschine: Marion Beier aus Bützow trennt mit einem Schaber den Teig.

Die SVZ hat in die Pastamanufaktur der Firma Realfood eingeladen.

svz.de von
09. Juli 2018, 21:00 Uhr

Gleich hinter den Plastiktüren, im Reinbereich der Pastamanufaktur in Niendorf, stellt Sabrina Meier, die Chefin der Firma Realfood, den SVZ-Lesern beim Auftakt der Sommertour das „Teigmonster“ vor. So hat ihr Mann, Patrick Grümmert, die Knetmaschine genannt und beschriftet. „Das ist das Baby meines Mannes“, sagt Sabrina Meier mit einem Lachen. Das Schätzchen aus dem Jahr 1964 hat eine Edelstahlwanne und kann 200 Kilogramm Nudelteig auf einmal verarbeiten.

Keine Elektronik, kein Plastik: Das mögen die beiden Chefs. Ihr Mann schlage gern bei Ebay zu, wenn ein robustes Gerät zu haben sei, erzählt die Chefin. Gegen das Monster sei die Nudelmaschine geradezu zart, führt sie die Gäste weiter in die Produktion ein. Dieses Gerät arbeitet wie ein Fleischwolf. Mit sechs Bar wird der Nudelteig durch eine kleine, bronzene Matrize gedrückt. „Bronze ist sehr weich. Das ergibt eine raue Nudel-Oberfläche. Diese kann die Soße besser aufnehmen“, erläutert die Expertin.

Die Niendorfer setzen auf regionale Produkte und auf Handarbeit. Das fängt beim Teig an und hört bei den Rezepten auf. Anne Machann, seit drei Jahren dabei und eine von drei Mitarbeitern bei Realfood, schneidet sozusagen die Nudeln mit einem Schaber an der Matrize ab. Dann probieren es die SVZ-Leser Marion Beier aus Bützow und Ulrich Maaß aus Niendorf. Gar nicht so schwer, finden sie heraus. Acht Bronze-Formen ergeben so auch die eher unbekannten I Rustici, Casarecce oder Campanelle.

Die meisten Produkte stellen die Niendorfer mit Eiern her. Das sei nur auf dem deutschen Markt beliebt, berichtet Sabrina Meier. Die Nudelmaschine bringt den Teig auf 78 Grad, das bedeutet eine Sterilisierung und es macht die Nudel zugleich stabil. „An der kalten Luft verkapselt sie sich“, erläutert Sabrina Meier. Allerdings müsse der Auffangbehälter gerüttelt werden, damit es keine Klumpen gibt. Für Linguini, Spaghetti und Tagliatelle kann ein dazu gehörendes Messer vor die Matrize geschwenkt werden, damit sie die richtige Länge erhalten.

Auch die vielseitig einsetzbare Kuttermaschine versieht ihren Dienst bereits seit mehr als 18 Jahren. Diese Produktionsstätte sei ja wie ein Museum, hat einmal ein Besucher gesagt. Das stört Sabrina Meier nicht, denn das Ergebnis spricht für sich. Diese Maschine sei nicht nur schick, sondern habe auch einen Sechs-Kilowatt-Motor. Da könnten moderne Geräte nicht mithalten, sagt sie.

Moderne Profigeräte sind aber in der weiteren Produktion zu finden. Der große Nudelkocher etwa bekommt fünf Kilogramm Nudeln auf einmal in ein bis zwei Minuten gar. „Auch ein großer Kostenfaktor“ bemerkt Sabrina Meier. Und in einem neuen Kessel können 200 Liter Soße auf einmal im Wasserbad hergestellt werden. Dauert etwas länger, Anbrennen ist aber unmöglich.

Wichtig ist der Chefin auch die Gewürz-Ecke. Ihr Mann ist gelernter Koch, alle Rezepturen sind Eigenkreationen. Es werde viel ausprobiert, auch auf Märkten gebe es einen ständigen Austausch mit Kunden, so Sabrina Meier. Dennoch beschränkt sich die Firma auf acht Pestos – darunter das neueste mit Kürbis, Chili und Orangen.

Die SVZ-Leser durften übrigens ausnahmsweise „unvermummt“ in den sonst hygienisch reinen Raum, weil nach dem arbeitsreichen Wochenende an diesem Montag nicht produziert werde, erklärt Sabrina Meier. Ihr Mann und sie kommen aus der Hotellerie und Gastronomie, haben sich vor einigen Jahren in das 4000 Quadratmeter große Grundstück verliebt. Außerdem meldete sich ein Töchterchen an. Mit einer „ganz starken Familie im Hintergrund“ machten sie den Resthof zu ihrem Heim. Der ehemalige Gänsestall wurde als Standort der Manufaktur ausgeguckt und mühevoll umgebaut.

„Warum die Nudel? Das Leben ist wahnsinnig schnell geworden. Dann wenigstens vernünftig essen“, erklärt Sabrina Meier. Margit Schingen aus Bützow wollte wissen: „Soll man Nudeln abeschriecken oder nicht?“ Antwort: „Wir machen das auch.“ Man könne auch etwas Budelwasser, Öl oder Pesto dazugeben und umrühren.

Und, schmeckt`s? Die SVZ-Leser durfen nach dem Rundgang Nudeln, Pestos und Chutneys ausgiebig probieren. Alle teilen Klaus Lindners Meinung: „Alles ist lecker.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen