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Hörgeschädigte Kinder proben in Bernitt : Zirkus mit "sprechenden" Händen

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Was wie ein ganz normales Kinderferienlager auf dem Pfarrhof Bernitt aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen als etwas besonderes. Am morgigen Sonnabend gibt es hier auf dem Pfarrhof einen "Gebärdenzirkus".

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erstellt am 27.Jun.2013 | 06:50 Uhr

Bernitt | "So Kinder, jetzt machen wir mal eine Pyramide", sagt Klaus Supp. Lisa, Leon, Joscha, Tim, Max und Rameysa toben derweil miteinander auf den Matten. Der Pädagoge wiederholt seine Aufforderung, nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit den Händen. Die Mädchen und Jungen schauen genau hin. "Ihr müsst noch dichter zusammenrücken", erklärt Klaus Supp und nimmt auch für diesen Hinweis wieder die Hände zur Hilfe. Die Kinder verstehen, nehmen ihre Position ein.

Was wie ein ganz normales Kinderferienlager auf dem Pfarrhof Bernitt aussieht, erweist sich bei näherem Hinsehen als etwas besonderes. Am morgigen Sonnabend gibt es hier auf dem Pfarrhof einen "Gebärdenzirkus". Denn die 26 Mädchen und Jungen und ihre Betreuer sind hörgeschädigt.

"Betreuer Frank ist taub. Anna und Eva sind hörgeschädigt und kommunizieren über die Sprache als auch die Gebärdensprache", erklärt Leiterin Dorothea Engelbrecht. Jeden Vor- und Nachmittag wird in fünf Gruppen für das einstündige Zirkusprogramm geübt. Zuvor wärmen sich alle Kinder bei Gemeinschaftsspielen auf.

"Ich finde, dass die Angebote für Kinder mit einer Hörschädigung sehr begrenzt sind", bemängelt die 36-Jährige Engelbrecht, die seit Sonntag zusammen mit den anderen Zirkusteilnehmern auf dem Pfarrhof gastiert. Aus der Not heraus kam ihr dann die Idee des Zirkus, bei dem auch der pädagogische Aspekt eine große Rolle spielt. Zirkus-Künste fördern die Persönlichkeitsentwicklung, das Körperempfinden und die Toleranz. Das bestätigt auch Fachmann Klaus Supp, denn er ist ausgebildeter Zirkuspädagoge. "Die Kinder lernen im Team zu arbeiten und sich gegenseitig zu vertrauen." Die Herausforderung ist groß, aber machbar. Jedes Kind hat seinen eigenen Charakter und bringt andere Voraussetzungen mit sich, was sich auch schnell im Umgang untereinander zeigt. Sie gestikulieren über Laute, Gebärdensprache oder einem Mix aus beidem miteinander.

Die große, schlanke Lisa ist sehr zutraulich und lebhaft, das bekommt auch die jüngste Teilnehmerin schnell zu spüren. Beim Spielen und Toben drückt Lisa die sechsjährige Rameysa etwas zu fest. Ein paar Tränen kullern.

"Du musst etwas mehr aufpassen, das war zu viel, Schätzchen", ruft Klaus Supp Lisa etwas bestimmter, aber trotzdem liebevoll zu, während er Rameysa tröstet. Diese findet aber auch schnell starken halt bei Leon. Wie an ein großes Kuscheltier lehnt sie sich an seinen Schulter. "Die Kinder kennen sich teilweise gar nicht, haben aber trotzdem einen tollen Umgang miteinander. Jeder bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit. Einige beherrschen beides, also Gebärdensprache sowie auch Sprache, andere wiederum nur eines davon", erzählt Dorothea Engelbrecht.

Die Zirkusteilnehmer kommen aus Gehörlosenschulen aus Güstrow, Puttbus und Hamburg. Und damit etwas Einheit geschaffen wird, findet jeden Nachmittag eine einstündige Übungsstunde für Gebärdensprache statt. "Gehörgeschädigte Kinder sind visuell sehr stark. Sie achten dabei sehr auf Körpersprache und die Lippenbewegungen des Mundes", erklärt die Pädagogin Engelbrecht.

Heute ist letzte Übungstag für den Zirkusnachwuchs. Morgen um 10 Uhr werden die Kinder ihr Programm mit Elementen aus Akrobatik und Geschicklichkeit aufführen, bevor sie dann mit den Eltern wieder die Heimreise antreten werden.

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