Gemeindevertretung plant den Rückzug aus Schulträgerschaft : Ziesendorfer Eltern auf den Barrikaden

<strong>Jasna Dornblüth (6, l.) besucht bald </strong>die Warnowschule. Nachbarsjunge Till Stielow (8) zeigt dem Mädchen und ihrer Mama Anja Dornblüth-Rörhdanz schon mal sein Hausaufgabenheft. Er ist nämlich schon in der 2. Klasse und geht gern in Papendorf zur Schule. Foto: Clla
Jasna Dornblüth (6, l.) besucht bald die Warnowschule. Nachbarsjunge Till Stielow (8) zeigt dem Mädchen und ihrer Mama Anja Dornblüth-Rörhdanz schon mal sein Hausaufgabenheft. Er ist nämlich schon in der 2. Klasse und geht gern in Papendorf zur Schule. Foto: Clla

Von Feiertagsstimmung ist in Ziesendorf kurz vor Ostern nichts zu spüren. Stattdessen regt sich in der Gemeinde der Protest. Die Gemeindevertretung plant eine Veränderung bei der Schulträgerschaft.

svz.de von
27. März 2013, 07:26 Uhr

Schwaan/Papendorf | Von Feiertagsstimmung ist in Ziesendorf kurz vor Ostern nichts zu spüren. Stattdessen regt sich in der ganzen Gemeinde der Protest. Die Eltern mit schulpflichtigen Kindern sind empört über die Pläne von Bürgermeister Harri Bauer. Aus der Zeitung mussten sie erfahren, dass die Gemeindevertretung eine Veränderung bei der Schulträgerschaft plant. Bisher ist Ziesendorf eine der fünf Trägergemeinden für die Papendorfer Warnowschule. Eine dringend notwendige Erweiterung des Gebäudes ist geplant und steht kurz vor dem Beschluss. Doch Ziesendorf schert nun aus, will den Sanierungs-Anteil in Höhe von rund 350 000 Euro nicht zahlen und sich künftig zur Schwaaner Regionalschule orientieren (SVZ berichtete).

"Von den Eltern will das aber garantiert keiner", sagt Manuela Stielow. Die Betroffenen haben eine Unterschriftensammlung gegen die Pläne gestartet. Sollte ihr Protest kein Gehör finden, bereiten sie parallel alle notwendigen Schritte für einen Bürgerentscheid vor.

Für Stielows Nachbarn war die Papendorfer Schule sogar ein entscheidender Grund, in die Gemeinde Ziesendorf zu ziehen. "Wir wohnen erst seit Dezember in Nienhusen, unsere Tochter Jasna sollte unbedingt in diese Schule, weil wir inhaltlich von deren Angebot überzeugt sind", sagt Anja Dornblüth-Röhrdanz. Argumente wie die kürzere Wegstrecke von Ziesendorf nach Schwaan lassen sie nicht gelten. "Das gilt nicht für alle Ortsteile, außerdem arbeiten viele der Eltern in Rostock - da liegt Papendorf auf dem Arbeitsweg", sagt Dornblüth-Röhrdanz.

Im zuständigen Amt Warnow-West lösten die Nachrichten aus Ziesendorf auch keine Begeisterung aus. Stellen die Pläne doch auch Bauvorhaben zur Erweiterung der Warnowschule infrage, über das seit Oktober 2011 diskutiert wird. "Die Berechnungen stützen sich ja auf die fünf Schulträger und deren Kinderzahlen", sagt Hildegard Schulz. Wenn nun eine Gemeinde mit rund 100 Schülern wegfällt, "müssen sich nicht nur die anderen Träger, sondern auch der Landkreis fragen, ob und in welcher Größe dann noch gebaut werden soll", so die leitende Verwaltungsbeamtin.

Die Sorgen der Eltern kann sie auch nicht völlig ausräumen. Zwar sollten bestehende Schulverhältnisse im Interesse der Kinder nicht gelöst werden. Das heißt, Grund- und Regionalschüler, die momentan in Papendorf lernen, könnten bis zum Ende der vierten beziehungsweise zehnten Klasse an der Warnowschule verbleiben. Allerdings reichen dort bereits heute die Platzkapazitäten nicht aus - deshalb hätte man ja auch die Erweiterung geplant. Eine Entscheidung darüber könne aber am Ende nur der Landkreis fällen.

Ziesendorfs Bürgermeister Bauer hat für den 2. April, 19 Uhr, im Gutshaus eine außerplanmäßige Gemeindevertretersitzung einberufen. Dort soll ein Beschluss über die künftige Schul-Trägerschaft gefasst werden. Bei den Ziesendorfer Eltern steht dieser Termin schon im Kalender. Denn sie geben nicht auf, "um dieses verrückte Vorhaben zu stoppen", fasst Nancy Wormser die Sicht der Betroffenen zusammen.

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