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Bützower Zeitung

21. Oktober 2017 | 19:48 Uhr

Bützow : Zahl der älteren Schuldner steigt

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Beraterin Astrid Peters hat im vergangenen Jahr 83 neue Fälle aufgenommen. Die Schulden belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro

von
erstellt am 04.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Die Wirtschaftsdaten für Deutschland sind sehr gut. Die Zahl der Arbeitslosen wird weiter sinken, prognostizierte erst am Dienstag Thorsten Nappe, stellvertretender Leiter der Rostocker Arbeitsagentur. „Doch das ändert nichts an der Einkommenssituation der Menschen und an ihrem Einkaufsverhalten“, sagt Astrid Peters. Die Bützower Schuldnerberaterin des Arbeitslosenverbandes hat im vergangenen Jahr 83 neue Fälle auf den Tisch bekommen. Die Gesamtschulden dieser Menschen belaufen sich auf rund zwei Millionen Euro, so Peters.

Ein Grund für die Verschuldung seien die niedrigen Einkommen. „Von den 83 Neukunden liegt bei 25 Klienten das Einkommen unter 715 Euro. Zehn weitere haben ein Einkommen zwischen 710 und 920 Euro“, so Astrid Peters. Nur drei der 83 liegen über dem pfändbaren Einkommen. Das liegt bei einer Einzelperson bei 1073 Euro. „Ist er noch für eine Familie mit verantwortlich, steigt diese Grenze“, sagt Peters.

Die Gründe für die Verschuldung sind vielschichtig. An erster Stelle stehen Bankschulden. „Nach wie vor sind viele Geldinstitute sehr großzügig, reichen Kredite aus“, sagt Astrid Peters. Wenn jemand dann zum Beispiel arbeitslos wird, kann er in die Situation kommen, dass er die Kredite nicht mehr bedienen kann. Zunehmend spielen auch Erkrankungen eine Rolle, die dazu führen können, dass das Einkommen niedriger wird. Mietschulden seien ein zweiter großer Bereich, vor allem aus Altmietverträgen. „Da sind die Menschen schon sensibler geworden und sehen zu, dass sie zumindest die aktuelle Miete aufbringen“, so die Expertin. Weniger Probleme machen nichtbezahlte Energierechnungen aus. Da scheinen die Energieunternehmen einen Weg gefunden zu haben, damit die Kunden zahlen. Nichts verändert hat sich bei Handyschulden. Es sind immer wieder Jugendliche und junge Erwachsene, die hier nicht Maß halten. Im vergangenen Jahr waren es zwölf Fälle mit insgesamt 12 600 Euro nicht bezahlter Rechnungen.

Was Astrid Peters aber besonders traurig stimmt, ist, dass die Zahl der Schuldner über 65 Jahren steigt. „Es ist eine Generation der gebrochenen Erwerbsbiografien“, sagt Astrid Peters. Menschen, die nach der Wende den angestammten Beruf aufgeben mussten, in einen neuen einstiegen, zwischen Arbeit, ABM und Arbeitslosigkeit hin- und hergerissen waren. „Viele haben über 40 Jahre gearbeitet, aber heute reicht die Rente nicht zum Leben“, so Peters.

Wenn ein Vergleich mit den Gläubigern nicht mehr möglich ist, geht die Schuldnerberaterin mit den Kunden in die Privatinsolvenz. Ein langes Verfahren, das gut vorbereitet werden muss. Dabei sei es wichtig, dass der Klient einen genauen Überblick über seine tatsächliche finanzielle Lage hat. Doch genau da liege oftmals das Problem. Schuldner würden Briefe gar nicht mehr öffnen, wüssten oftmals nicht, wie tief sie tatsächlich in der Kreide stehen. In einem aktuellen Fall habe ein Mann einen Schuldenberg von knapp 103 000 Euro angesammelt. Diese Summe verteile sich auf rund 100 Gläubiger. 75 von diesen blieben bei ihren Forderungen, die anderen hätten das Geld schon abgeschrieben.

Für 47 der Neukunden des vergangenen Jahres eröffnete Astrid Peters das Insolvenzverfahren. Und sie hat die Erfahrung gemacht, dass 95 Prozent dieses auch beenden. Das sind immerhin sechs Jahre, in denen die Betroffenen keine neuen Schulden machen dürfen.

Es gibt aber auch immer wieder Schuldner, die nicht bereit seien, aktiv mitzuarbeiten, um aus der finanziellen Schieflage herauszukommen. „Dann müssen wir auch sagen, dass wir an dieser Stelle die Hilfe beenden“, so Astrid Peters. Im Vorjahr traf das auf 14 Fälle zu.

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