Gerichtsbericht : Wohnung zum Cannabis-Anbau genutzt

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Mit Cannabis-Plantagen in Tarnow, Gnemern und Marlow soll ein 41-jähriger Vietnamese kräftige Gewinne erzielt haben. Dabei hat er ein ganzes Haus unter Wasser gesetzt.

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24. Oktober 2011, 09:24 Uhr

Tarnow | Beihilfe zum unerlaubten Handel mit Betäubungsmitteln wirft die Rostocker Staatsanwaltschaft dem 41-jährigen Vietnamesen mit deutschem Pass Ngoc Tuan N. vor. Er soll mit seinem Landsmann in Tarnow, Gnemern und Marlow Indoorplantagen zur Aufzucht von Cannabispflanzen betrieben haben. Laut Anklage wurden von Januar 2009 bis Oktober 2010 in angemieteten Häusern nicht nur Cannabis-Plantagen angelegt, sondern daraus auch kräftige Gewinne erzielt. So wurden in dem ehemaligen Marlower Landschulheim, in Wohnhäusern in Gnemern und Tarnow auf mehreren Etagen über 1000 Cannabispflanzen gefunden. Insgesamt seien im Tatzeitraum weit über 50 Kilogramm Marihuana gewonnen und Gewinn bringend veräußert worden.

Einer der Tatorte ist auch ein Haus in Tarnow für das Ngoc Tuan N. am 5. November 2008 in Güstrow meinen Mietvertrag unterschrieben hatte. Er lautete über ein Haus mit sechs Zimmern, Garage und Grundstück für vier Personen in Tarnow, Hauptstraße. Eine monatliche Warmmiete von 950 Euro wurde gefordert. Vermieter war ein Hausbesitzer aus der Gemeinde Ulrichshusen. Der Hauswirt kam dem neuen Mieter entgegen, indem er bis Januar 2009 sogar mietfrei wohnen konnte. Der Angeklagte verpflichtete sich mit seiner Unterschrift, das Haus nur für Wohnzwecke zu benutzen und keine Werbung zu betreiben. Der neue Mieter gab an, seit 1996 als Informatiker mit einem monatlichen Einkommen von 3300 Euro Netto tätig zu sein. Für diese Angaben verbürgte sich ein Immobilienunternehmen, das den Vertrag in die Wege geleitet hatte.

Zeuge erkennt den Angeklagten wieder

Reinhard O. (61), Eigentümer des besagten Einfamilienhauses, musste nun erneut in den Zeugenstand. Diesmal saß ihm der 41-jährige Ngoc Tuan N. gegenüber . Der Angeklagte, den der Zeuge auf Anhieb wieder erkannte, sei zur ersten Hausbesichtigung im eleganten weißen Anzug erschienen. Er fuhr einen ebenso weißen tiefer gelegten Golf. Bei der zweiten Besichtigung wäre auch die Familie des Angeklagten dabei gewesen, darunter eine Tochter und ein Sohn. Der mutmaßliche Hauptangeklagter Le Coung H.(48) sei ihm als Schwager seines Mieters vorgestellt worden. Der nahm an mehreren Treffen teil. Ihm habe er auch alle Hausschlüssel übergeben, erklärte Reinhard O.

Tapeten von den Wänden und Teppichboden rausgerissen

Des öfteren habe er mit dem Mieter telefoniert und sogar dabei geholfen, den Rasen zu mähen und die Sträucher zu schneiden. Im Februar 2010 teilte Ngoc Tuan N. ihm einen Wasserrohrbruch mit. Er hätte sich selber davon überzeugt, dass vier Heizkörper eingefroren und Rohre geplatzt waren. "Das ganze Haus stand unter Wasser, vor allem war es im Fußboden", so der Zeuge. Merkwürdig sei ihm schon einiges vorgekommen. Vor allem, dass die Rollläden ständig runter gezogen waren und überall Holz herum lag. Nach dem Wassereinbruch sei er im Haus gewesen. "Es sah schrecklich aus", sagte Reinhard O. Die Tapeten hätten sich von den Wänden gelöst und hingen runter, die Teppiche seien rausgerissen gewesen und die Wände mit weißer Farbe unsachgemäß überstrichen worden. Auf die Idee, dass in seinem Haus Hanf angebaut wird, sei er nicht gekommen, versicherte O.

Das Einfamilienhaus, das 1995 erbaut wurde, ist inzwischen von Grund auf renoviert und wieder vermietet. Ihm sei eine Schaden von 7000 Euro entstanden, sagte der 61-Jährige Besitzer. Der Angeklagte bot einen Vergleich von 5000 Euro an, zu zahlen in monatlichen Raten von 500 Euro.

Die Hauptverhandlung endete mit einer Missstimmung zwischen Gericht und Verteidigung. Der Rechtsbeistand unterstellte dem Vorsitzenden Richter Voreingenommenheit, weil er ihm bei einer Fragestellung ins Wort fiel. "Mein Mandant hat den Eindruck, dass das Urteil gegen ihn schon geschrieben ist", sagte er, was den Vorsitzenden Richter und den Vertreter der Staatsanwaltschaft zu heftigem Widerspruch veranlasste. Der Prozess geht am 9.November weiter.

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