Bützow : Wohin mit den bunten Blättern aus dem Herbst?

Die Pustohler Chaussee im Frühjahr 2017: Die Bäume fangen an zu blühen, doch am Boden liegt noch das alte Herbstkleid.
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Die Pustohler Chaussee im Frühjahr 2017: Die Bäume fangen an zu blühen, doch am Boden liegt noch das alte Herbstkleid.

Stadtvertreter streben bis Herbst Lösung für Entsorgung vom Laub der Alleebäume an

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12. Mai 2017, 21:00 Uhr

Während die Kronen der Alleebäume in der Pustohler Chaussee im satten Grün und Gelb erstrahlen, liegt ihr altes Laubkleid vom Herbst 2016 noch immer am Fuße der Bäume im Straßengraben. Das Ergebnis des noch immer schwelenden Streits um die Entsorgung der Laubabfälle. Den gibt es, seitdem der Kreistag des Landkreises Rostock beschlossen hat, für die Entsorgung Geld zu verlangen. Diese Regelung gilt seit Januar vergangenen Jahres. Und seitdem regt sich Widerstand, vor allem in den Straßen, wo viele, große Laubbäume auf öffentlichen Flächen stehen. Bis zum Herbst möchten die Bützower Stadtvertreter eine Lösung. Doch wie die aussehen könnte, da scheiden sich gegenwärtig die Geister, wie eine gemeinsame Sitzung des Finanz- und des Bauausschusses der Stadtvertretung zeigte.

Rückblende: Die Eichen in der Pustohler Chaussee sorgen in jedem Herbst für eine überdurchschnittliche Menge an Laub. Das muss laut Straßenreinigungssatzung auf Gehwegen von den Grundstückseigentümern beseitigt werden. Bis Ende 2015 hatte der Bauhof die abgefallenen Blätter in der Pustohler Chaussee entsorgt. Doch diese Sonderregelung wurde im vergangenen Jahr gekippt. Dabei hatte die Stadt einerseits die Kosten ins Feld geführt, auf der anderen Seite den Gleichbehandlungsgrundsatz. Denn auch in der Bahnhofstraße stehen riesige Bäume, die alljährlich große Mengen an Laub verursachen. Und auch da sind die anliegenden Grundstückseigentümer in der Pflicht. Und diese Entscheidung der Stadt fiel dann auch noch mit der Einführung der kostenpflichtigen Abgabe des Laubes auf den Wertstoffhöfen durch den Kreistag zusammen. Die Folge: Für die Grundstückseigentümer entstehen Mehraufwand und zusätzliche Kosten.

„Nicht jedes Laub lässt sich einfach kompostieren“, sagt Alfred Matzmohr, Vorsitzender des Finanzausschusses, auf einer gemeinsamen Sitzung mit dem Bauausschuss. Deshalb gelte es, sich in den kommenden Wochen auf eine Regelung zu einigen, um bis zum Herbst eine Lösung zu finden.

Ansätze gibt es verschiedene. Per Satzungsänderung könnte für bestimmte Bereiche eine Sonderregelung getroffen werden, nannte Norbert Hinrichsen (Linke) eine Möglichkeit. Er sieht aber auch, dass dadurch neue Diskussionen hervorgerufen werden könnten. Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos) hält dies deshalb auch nicht für den geeigneten Weg. Eckhard Knoll (CDU) fragte nach der Möglichkeit, im Stadtwald eine Fläche bereitzustellen. Das laufe dann in Richtung einer Kompostieranlage hinaus, die wiederum zusätzliches Geld kosten würde, sagte Bauamtsleiterin Doris Zich. Jörg Krone (UBB) hält das auch aus einem anderen Grund nicht für einen akzeptablen Weg. „Erst ist es Laub, dann kommt Bauschutt und am Ende landet ein altes Sofa im Wald.“

Eine andere Möglichkeit wäre die kostenlose Bereitstellung von Säcken. Doch auch darüber müssten die Stadtvertreter befinden, denn auch das kostet Geld. Ebenso, wenn im Herbst für eine bestimmte Zeit an bestimmten Standorten Container aufgestellt werden. Diese Idee brachte Doris Zich ein. Einig wurden sich die Mitglieder der beiden Ausschüsse am Ende nicht. Aber das war erstmal auch nicht das Ziel der Diskussion. Eine Lösung soll bis zum Herbst gefunden werden.

Kommentar

Kreistag muss Beschluss überdenken
Menschen sollen sich engagieren und in die Gesellschaft einbringen. Das gilt auch, wenn es darum geht, für ein schönes Wohnumfeld zu sorgen. Jahrzehnte lang haben viele Bützower mit viel Fleiß und Akribie das Laub von Alleebäumen an Kreis- und Landesstraßen zusammengetragen und in Säcke verstaut. Der Bauhof hat das Laub abgefahren, zum Kompostieren nach Rühn gebracht. Jetzt sollen die Bürger für ihre Arbeit auch noch bezahlen. Dass da der Einsatzwille gen Null geht, kann ich verstehen.

Natürlich gilt, Eigentum verpflichtet. Und auch eine Straßenreinigungssatzung, mit der dem Anlieger bestimmte Aufgaben übertragen werden, kann ich nachvollziehen. Doch wenig Verständnis habe ich für einen Beschluss, der für so viel Diskussionen sorgt, weil die bestraft werden, die sich im Besonderen für die Allgemeinheit bemühen.

Natürlich macht Kleinvieh auch Mist. Doch wenn ich erfahre, dass im vergangenen Jahr in Rühn gerade einmal 8200 Euro, in Schwaan 3500 Euro und auf allen Wertstoffhöfen des Kreises insgesamt lediglich 72 000 Euro für Laub eingenommen wurden, sind das bei einem dreistelligen Millionen-Haushalt Peanuts. Zumal der Kreis nicht einmal sagen kann, wie viel davon wirklich vom Bürger kommt und wie viel von Firmen. Deshalb wäre es an der Zeit, diesen Beschluss zu überdenken. Nicht nur des lieben Friedens willen, sondern weil es der Bürger mit Einsatz dankt.

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