Grabschändung in Bützow : Wo sind Annas Schmetterlinge?

Annas Grab auf dem Bützower Friedhof. Es ist ein Ort für die Angehörigen, mit dem Verlust umzugehen und mit der Verstorbenen verbunden zu sein.
Annas Grab auf dem Bützower Friedhof. Es ist ein Ort für die Angehörigen, mit dem Verlust umzugehen und mit der Verstorbenen verbunden zu sein.

Immer wieder verschwinden auf dem Friedhof in Bützow Gegenstände von Gräbern.

svz.de von
01. Juli 2015, 17:06 Uhr

Ein Grab mit hellen Steinen eingefasst.  Es stehen frische Blumen darauf. Auch kleine Figuren. In der Mitte eine Stele mit dem Foto eines lachenden Mädchens. Sie heißt Anna und hätte vor wenigen Tagen gerade  ihren 17. Geburtstag gefeiert. Doch Anna wurde nur zwölf Jahre alt. Ertrank, als sie  einen achtjährigen Jungen retten wollte.  

Auch wenn Anna nicht mehr lebt, für ihre Familie ist das fröhliche und aufgeweckte Mädchen immer noch präsent. Fast jeden Tag kommt  Annas Mutter Kati Möller  zu ihr ans Grab.  Als sie jetzt, kurz nach Annas Geburtstag, wieder zum Friedhof kam, war sie fassungslos. Unbekannte hatten Grabschmuck, einen Blumen- und Schmetterlingsstecker sowie drei kleine silberfarbene Schmetterlinge, einfach mitgenommen.

„Erst war ich wütend, jetzt bin ich nur noch traurig“, sagt Kati Möller.  Eine Grabstätte sei etwas ganz Persönliches und Intimes, aber gleichzeitig etwas Öffentliches. Sie symbolisiere das Wesen des Verstorbenen und die Trauer der Angehörigen. „Dieser Ort kann uns Frieden geben, im anderen Moment lässt er uns verzweifeln. Hier können wir etwas tun, haben das Gefühl, wir werden gebraucht. Wir können mit Blumen, Steinen oder Mitbringseln aus dem Urlaub unsere Liebe zum Ausdruck bringen. Die Grabpflege ist eine Möglichkeit, hier mit unseren Liebsten weiterzuleben und dazu zählen auch die Verstorbenen“, erklärt die junge Mutter, die Bedeutung des Grabes für die Familie.

Deshalb würden Angehörige die letzte Ruhestätte ihrer Verstorbenen pflegen. Für sie sei es tröstlich, zu sehen, „dass Anna in vielen Herzen ist.“ So schmückt Annas Grab an ihrem Geburtstag und an ihrem Todestag ein Meer von Blumen. Dafür möchte ihre Mutti nun auch ein  Dankeschön loswerden. Umso enttäuschender und schmerzhafter sei es, wenn solche Dinge zerstört würden.

Was Kati Möller erlebte, ist kein Einzelfall. „Es nimmt mit unterschiedlichen Tendenzen leider weiter zu“, stellt Friedhofsverwalter Matthias Knappe fest. Insbesondere zu bestimmten Feiertagen sei das auffällig. „Zum Muttertag zum Beispiel verschwinden hier komplette Blumenvasen und Blumenschalen“, erzählt der Friedhofsverwalter. Erst kürzlich musste er feststellen, dass  Pflanzen von einem Grab ausgebuddelt, die Pflanzlöcher  anschließend fein säuberlich wieder geschlossen  wurden. Die Pflanzen selbst seien  dann auf ein anderes Grab gesetzt worden. „Das ist eine Vermutung. Wir können es nicht beweisen.“

Matthias Knappe steht dieser Entwicklung ziemlich machtlos gegenüber. „Wir können den Friedhof nicht videoüberwachen.“ Und man wisse  nicht, ob jemand, der etwas an einem Grab macht, ein Angehöriger des Verstorbenen ist.

Das weiß auch Kati Möller. Deshalb ist ihr Schritt in die Öffentlichkeit eher ein Appell an das Gewissen. „Nichts rechtfertigt die Zerstörung und die Mitnahme von fremdem Eigentum, auch nicht von Gräbern. Wir wären sehr dankbar, wenn Anna ihre kleinen Geschenke anlässlich ihres 17. Geburtstags zurückbekommt“, wünscht sich die Mutter.

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