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Bützower Zeitung

22. November 2017 | 02:35 Uhr

Bützow : Wo bleibt das ganze Geld?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Verfügbares Einkommen der Menschen im Landkreis seit 2006 um 4500 Euro im Jahr gestiegen – Einzelhandel merkt davon nichts

svz.de von
erstellt am 08.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Gute Nachricht für die Menschen aus dem Landkreis Rostock: Das verfügbare Einkommen ist binnen zehn Jahren um 4562 Euro gestiegen. 2006 hatten die Menschen 14 619 Euro zur Verfügung, 2016 waren es 19 181 Euro. Die Innenstädte im Landkreis sprechen hingegen eine andere Sprache, denn immer mehr Schaufenster verwaisen, immer mehr Geschäfte schließen. Der regionale Einzelhandel spürt nämlich nicht, dass mehr Geld vorhanden ist.

Danach gefragt, ob von dem Plus auf dem Konto in Schwaan etwas zu spüren ist, antwortet Elke Prehn: „Absolut nicht.“ Sie ist Vorsitzende des Gewerbestammtischs in Schwaan und weiß genau um die Lage in der Warnowstadt. Rein statistisch haben die Menschen im Amtsbereich Schwaan 18 004 Euro zur freien Verfügung (Stand 2016). Zehn Jahre zuvor gab das Portemonnaie 13 762 Euro her, also 4240 Euro weniger. „Es könnte sein, dass die Menschen mehr Geld zur Verfügung haben. Aber bei uns ist das nicht zu spüren.“ Vielmehr bleibe es im Internet. Im lokalen Gewerbe bleibe das Geld auf jeden Fall nicht. „Vor zehn Jahren hatten wir noch viel mehr Geschäfte“, sagt Elke Prehn.

Immer mehr Geschäfte schließen

Kleine Geschäfte würden eingehen, Nachfolger seien unauffindbar. „Wir versuchen bei der Stange zu bleiben. Wir zählen die Monate und Jahre bis zur Rente. Und wenn es bei mir soweit ist, werden hier noch weniger Geschäfte sein.“

In Laage sieht die Problematik ähnlich aus – und das, obwohl das Mehr beim verfügbaren Einkommen sogar um 5840 Euro auf 19 047 Euro in 2016 gestiegen ist (2006: 13 207 Euro). Dass mehr Geld verfügbar sein soll, kann Annett Stern vom Gewerbeverein Laage kaum glauben: „Wenn ich das Geschäftssterben hier so sehe...“ In der Hauptstraße würde es mittlerweile nur noch anderthalb Geschäfte geben. „Sonst ist alles tot, die Geschäftsräume stehen leer.“ In der Breesener Straße sehe die Entwicklung nicht besser aus. Mit ihrer eigenen Bäckerei habe sie sich überregional einen Namen verschafft, „sonst würde es anders aussehen“, so Annett Stern. Profiteure der scheinbaren finanziellen Verbesserung sind laut der Vorsitzenden vom Gewerbeverein Laage: „Das Internet und große Einkaufszentren.“ Es werde aber auch mehr gereist. Problematisch sei auch die Rolle des Internets. Am Beispiel ihrer eigenen Kinder sieht Annett Stern, was und wie viel alles per Post kommt. Sie selbst ist anders. „Ich bin eine Mensch, der muss alles sehen und in der Hand halten.“ Wenn es nach Annett Stern geht, dürften ruhig mehr Menschen so denken.

Karina Siebernik: „Das Geld bleibt im Internet“

Recht ähnlich sieht es auch Karina Siebernik, die Vorsitzende des Bützower Gewerbevereins. Sie weiß um das lokal-wirtschaftlich schädigende world wide web. „Das Geld bleibt im Internet.“ Sie könne das sehr gut beurteilen, da sie in ihrer Drogerie auch eine Postfiliale führe. „Was die Leute alles bestellen, das geht auf keine Kuhhaut.“ Der Trend zum Bestellen im Internet gehe durch alle Branchen.

Auch in Bützow gilt, dass die Innenstadt nichts davon merkt, dass die Menschen mehr Geld haben. 2006 betrug das verfügbare Einkommen im Amt Bützow-Land 13 654 Euro, 2016 waren es 18 036 Euro (Zuwachs um 4382 Euro). Immer mehr Geschäfte schließen, beim Schlendern durch die Langestraße stehen mittlerweile gefühlt genauso viele Läden leer wie die Anzahl der betriebenen. Karina Sieberniks eigene Bilanz ist nach eigenen Angaben seit einigen Jahren gleichbleibend. Im Namen des Gewerbevereins sagt sie „wir sind froh, wenn wir das Level halten“ und spricht damit auch für die weiteren Gewerbetreibenden.

Rostock entlockt Region die Kunden

Einen ganz anderen Gedanken äußert Axel Wulff vom Gewerbeverein Güstrow. Die Orte der Region säßen alle im selben Boot – „wir haben die Großstadt Rostock vor uns. Die Kaufkraft ist dort besser.“ Die durchschnittliche Verweildauer in der Hansestadt beträgt laut Wulff zwischen zwei und drei Stunden, in Güstrow hingegen zwischen 30 und 60 Minuten. Auch das Internet sei ein Faktor. Allerdings merke man das eher im höherwertigen Handel, wenn es zum Beispiel um den Kauf eines Fernsehers geht. Im Textilgewerbe sieht Axel Wulff es nicht so dramatisch. „Die Leute wollen noch immer anfassen und ausprobieren.“ Generell seien die veränderten Muster beim Ausgeben von Geld „branchenbezogen: Im Handwerk bleibt mehr über, aber im Dienstleistungssektor gibt es keine Besserung“, erklärt der Vorsitzende des Güstrower Gebwerbevereins.

In der Barlachstadt und dem Amt Güstrow-Land hatten die Menschen 2016 durchschnittlich 17 875 Euro zu Verfügung, 2006 waren es mit 13 240 noch 4635 Euro weniger.

Alle Daten gehen aus der „Bevölkerungsprognose 2030 Landkreis Rostock“ hervor, die der Kreis durch das Institut Wimes anfertigen ließ. Das Papier ist im Internet unter www.landkreis-rostock.de einsehbar.

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