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Bützower Zeitung

22. November 2017 | 12:17 Uhr

Bützow : Wird es der Wirbel?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Bildungs- und Sozialausschuss hat Favoriten für Tornado-Denkmal auserkoren. Stadtvertretung entscheidet abschließend

svz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 11:55 Uhr

Niemand in Bützow denkt gern an den 5. Mai 2015 zurück – der Tag, an dem ein Tornado über die Warnowstadt hinwegzog und eine Schneise der Verwüstung hinterließ. Viel hat sich seither getan. Die Menschen rückten enger zusammen, baulich ist die Stadt schöner als zuvor. Um den Tag nie in Vergessenheit geraten zu lassen, schlug der Bildungs- und Sozialausschuss der Stadt Bützow vor, ein Denkmal zu errichten. Dafür wurde ein Ideenwettbewerb ins Leben gerufen. Nun wurde der Favorit aus drei Entwürfen gewählt.

Eckhard Knoll saß vor Wochenfrist dem Bildungsausschuss vor. Dieser hatte alle drei Vorschläge auf dem Tisch. „Wir haben einen Favoriten“, sagte Knoll. Welcher das aber ist, wollte er nicht sagen. „Das soll ein Geheimnis bleiben.“ Der Ausschuss will den Favoriten als Empfehlung an die Stadtvertretung herantragen, die in einer der zukünftigen Sitzungen zur konkreten Auswahl das letzte Wort hat. Wenngleich Eckhard Knoll ein Geheimnis aus dem Favoriten machte, so erfuhr die Bützower Zeitung, dass Variante 1 sieben Ja-Stimmen erhielt. Ein Entwurf erhielt keine Stimme, ein weiterer eine.

Beim favorisierten Entwurf handelt es sich um einen von Michael Braun, einem 31-jährigen Studenten, der Produktdesign im Masterstudiengang an der Bauhaus-Universität Weimar studiert. Seine Wurzeln hat er aber in Mecklenburg. „Ich wurde in Pasewalk geboren“, sagt Michael Braun. Aufgewachsen ist er in Jatznick, wo der Großteil seiner Familie noch heute lebt.

Während eines Heimatbesuchs bei seiner Großmutter machte ein Freund aus Satow den 31-Jährigen auf einen Artikel der Bützower Zeitung aufmerksam, in dem über den Aufruf zum Ideenwettbewerb für ein Tornado-Denkmal berichtet wurde. Braun nahm Kontakt zu Bürgermeister Christian Grüschow (parteilos) auf. Denn ursprünglich galt der Aufruf Schülern der Region. Doch eine Rückmeldung aus den Schulen gab es nicht, sodass der Wettbewerb ausgeweitet wurde (SVZ berichtete).

 

Während seines Bachelorstudiums in Dresden führte Michael Braun Untersuchungen und Strömungsstudien mit Schwerpunkt auf Wirbel durch. „Strömungslehre und wie man sie sinnvoll darstellen kann“, erklärt der 31-Jährige. „Wie so vieles im Studium landeten die Entwürfe in der Schublade.“ An dieser Stelle kam der Freund aus Satow ins Spiel. Nach Kontaktaufnahme zur Stadt Bützow verfeinerte Braun, der ursprünglich als Koch und Hotelkaufmann weltweit ins Arbeitsleben startete, sein Leben nun aber dem Design widmen möchte, seine Entwürfe und passte sie an. Das Ergebnis überzeugte nun fast einstimmig den Bildungsausschuss.

Seinem Entwurf nach soll das Denkmal eine verwirbelte Stahlkonstruktion werden. „Marmor oder Gold wäre maßlos und übertrieben“, sagt Michael Braun. Der Stahl soll absichtlich nicht behandelt werden, um das Denkmal „bewusst einer Oxidation auszusetzen“. Die Oberfläche würde so unregelmäßig werden und die rötliche Rostfarbe annehmen. „Das soll eine Brücke schlagen.“ Die Obsoleszenz des Materials solle als Metapher für die Vergänglichkeit dienen und gleichzeitig den Bezug zum Hintergrund des Denkmals herstellen. „Es soll ein Ort der Ruhe und Erinnerung werden, aber auch einer der Bewusstmachung.“ Jedem Betrachter soll die gewaltige Macht der Natur vor Augen geführt werden.

 

Ein Honorar möchte Michael Braun – sofern es am Ende sein Entwurf wird – nicht. „Aus Respekt vor dem Hintergrund des Vorhabens und gleichzeitig als Zeichen der Verbundenheit zu Mecklenburg“, so der Designer. Als Student würde er sich aber über jede Form der Erkenntlichkeit freuen. Er betont jedoch, dass ihm das nicht wichtiger als die Aussicht auf Realisierung sei. „Es wäre schön, in der Heimat Spuren zu hinterlassen.“

Da das Designen seine Spezialität ist, nicht aber das Ausplanen, können noch keine Angaben zu eventuellen Kosten getätigt werden. Braun wolle lediglich den Entwurf zur Verfügung stellen. Ein Ingenieur oder ein Architekt müsste hinzugezogen werden. Brauns Hoffnung ist es, dass im Fall der Fälle alle Arbeiten, vom Architekten bis zum Stahlbauer, von Menschen vor Ort ausgeführt würden. „Es wäre großartig, wenn das in regionaler Hand bleiben würde.“

Ob es letztlich der Entwurf von Michael Braun wird, der in Bützow an den verheerenden Tornado erinnern wird, steht noch nicht fest. Zumindest wird der Bildungsausschuss eine Empfehlung aussprechen. „Es muss aber noch der Weg zur Realisierung geklärt werden, bevor ein Beschluss gefasst werden kann“, erklärt Bürgermeister Grüschow.

>> Einen Rückblick auf den Tornado in Bützow finden Sie hier.

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