Bützow : „Wir haben von vorn angefangen“

Maurer Reno Ziebell kennt beinahe jeden Stein der Stiftskirche. Am Turm ist nach getaner Arbeit von den Tornado-Schäden nichts mehr zu sehen.  Fotos: Sabine herforth (3)
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Maurer Reno Ziebell kennt beinahe jeden Stein der Stiftskirche. Am Turm ist nach getaner Arbeit von den Tornado-Schäden nichts mehr zu sehen. Fotos: Sabine herforth (3)

Gerüste rund um die Stiftskirche verschwinden in der kommenden Woche. Reparaturarbeiten im Außenbereich weitestgehend abgeschlossen

svz.de von
05. November 2015, 12:00 Uhr

In 30 Metern Höhe haben die Handwerker, die nach dem Tornado Schäden an der Stiftskirche reparieren, eine wunderbare Aussicht. Bei ihrer Arbeit halten sie sich an Stellen auf, die kaum ein Bützower je betreten wird – auch weil eben nur mit den jetzigen Gerüsten ein Herankommen an die Außenwände ist.

Mit einem Aufzug kommen die Männer – vor allem aber das Material und Werkzeug – bis in 25 Meter Höhe. Von hier geht es zu Fuß weiter. „Für uns ist das Routine“, sagt Maurermeister Reno Ziebell. Gemeint ist damit nicht nur der Alltag auf den Gerüsten in luftiger Höhe, sondern auch das Arbeiten an Gotteshäusern. Seit fast 22 Jahren ist der 39-Jährige an immer anderen Kirchen zu Gange. Zuletzt arbeitete er an der Malchower Klosterkirche – viel komplizierter als die Reparaturarbeiten an der Bützower Stiftskirche, verrät er. Und diese kennt Ziebell wohl besser als jeder andere. Denn hier war er die vergangenen zehn Jahren an den Sanierungsarbeiten beteiligt. Unzählige Steine gingen durch seine Hand.


Letzte Arbeiten waren gerade erledigt


Der Tornado bleibt ihm deshalb auch in besonderer Erinnerung. „An dem Tag sind wir zwei Stunden vorher abgerückt“, berichtet er. Die Arbeiten an den Fenstern waren da gerade fertiggestellt, das Projekt aus Kostengründen zunächst stillgelegt. „Morgens um fünf Uhr klingelte dann schon das Telefon“, erzählt Ziebell. Erst später konnte er über Umwege in die Stadt gelangen und „dann habe ich das ganze Elend gesehen.“

Die Bilder von der Kirche brannten sich auch ihm ins Gedächtnis. „Dann haben wir wieder von vorn angefangen.“ Beeindruckend sei aber, dass das Gebäude der Kraft so gut standgehalten habe, mein Ziebell. Denn von unten waren längst nicht alle Schäden sichtbar, die der Tornado am Kirchturm hinterlassen hatte. Als der Turm eingerüstet war, zeigte sich das Ausmaß, an unzähligen Stellen zogen sich Risse und Löcher durch das Mauerwerk. Für den erfahrenen Maurermeister zwar ein schlimmes Bild, aber dennoch Alltag. Das größte Lob für ihn und seine Kollegen ist, dass von den Schäden gar nichts zu sehen ist.


Dacharbeiten fordern Handwerker erneut


„Das schlimmste war die Kernbohrung“, berichtet er. Um dem Turm mehr Stabilität zu geben wurden vier Bohrungen durch die Turmwände durchgeführt und die Ecken mit Eisenstangen verspannt. Nervenaufreibend für die Arbeiter waren dabei die teilweise aus Felsen bestehenden Innenwände.

Mit Schwierigkeiten kämpften wenige Meter weiter auch die Dachdecker. Für sie war das Unterfangen Kirchendach eine echte Herausforderung – schon wieder, wohlgemerkt. Denn das Tarnower Dachunternehmen Pahl hatte das Dach auch vor dem Tornado bereits neu eingedeckt. Die großen Flächen seien einfach zu bewältigen, erklärt Geschäftsführer Enrico Pahl. Über dem Chor, wo die Rundungen beachtet und viele Unebenheiten bewältigt werden müssen, ist es eine Knochenarbeit. „Es soll ja auch gut aussehen“, fügt er an. Nach genau sechs Monaten ist ihre Arbeit nun vorerst getan. In der kommenden Woche sollen die Gerüste abgebaut werden, angefangen an der Ostseite.

Weitere Information zum Tornado in Bützow lesen Sie in unserem Dossier.

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