Tarnow : Windparks als Auslaufmodell

Diese Windräder bei Langen Trechow gehören zu den ersten, die in der Region aufgestellt wurden. Der Abstand zum Dorf entspricht nicht mehr den heutigen Rahmenbedingungen. Deswegen sollen sie auf lange Sicht verschwinden.
Diese Windräder bei Langen Trechow gehören zu den ersten, die in der Region aufgestellt wurden. Der Abstand zum Dorf entspricht nicht mehr den heutigen Rahmenbedingungen. Deswegen sollen sie auf lange Sicht verschwinden.

Die Windkraftanlagen bei Kurzen Trechow und Tarnow könnten in einigen Jahren verschwinden

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18. November 2015, 17:30 Uhr

Gute Nachrichten für Menschen in der Region, die sich von der Vielzahl an Windenergieanlagen „eingekreist“ fühlen. Auf der jüngsten Sitzung des Planungsverbandes Region Rostock, wurde das Aus für geplante Eignungsgebiete bekanntgegeben. Betroffen sind davon auch die ins Auge gefassten Flächen bei Groß Gischow, Reinstorf und Klein Belitz. Dort werden keine Windräder entstehen. Doch mittlerweile steht auch fest, dass es wohl für einige bestehende Windparks keine Zukunft mehr gibt. Dazu gehören auch die bei Langen Trechow und bei Tarnow.

Diese Windenergieanlagen sind im Grunde genommen die der ersten Generation. Gerd Schäde, Leiter der Geschäftsstelle des Planungsverbandes, verweist auf das erste Raumordnungsprogramm (heute Raumentwicklungsprogramm) von 1994, das im Bezug auf die Windenergie 1999 fortgeschrieben wurde. Darin festgehalten sind 18 Windeignungsgebiete, die sich auf insgesamt 1100 Hektar verteilten. „Damals galten noch andere Abstandsregelungen: 500 Meter zu geschlossenen Bebauungen und 300 Meter zu Einzelgehöften“, so Schäde. Denn auch die Anlagen selbst waren noch nicht so groß, nicht so hoch, nicht so leistungsfähig wie heute.

Doch die Entwicklung ist weitergegangen. Mittlerweile befindet man sich mitten im dritten Beteiligungsverfahren im Bezug auf die Windkraftanlagen. Zwei Anhörungsrunden gab es bereits. Mit dem Ergebnis, wie eingangs erwähnt, dass bestimmte Eignungsgebiete nicht realisiert werden. Aber im Zuge dieses Verfahrens, das der Plangsverband gerade verlängert hat, rücken auch die ersten Windparks in den Fokus.

„Denn mittlerweile gibt es immer wieder Repowering-Anträge von Windanlagenbetreibern“, erklärt Gerd Schäde. Das heißt, ältere Anlagen sollen erneuert und damit auch leistungsfähiger gemacht werden. Doch auch dann entsprechen sie nicht mehr den heutigen Rahmenbedingungen. „Zum Beispiel ist die Abstandsregelung auf 1000 Meter bzw. 800 Meter erweitert worden“, erläutert der Geschäftsführer. Man habe alle 18 Eignungsgebiete unter die Lupe genommen. „Aus heutiger Sicht werden wohl nur acht übrig bleiben“, so Schäde. Noch läuft das Anhörungs- und Beteiligungsverfahren. So lange werden die Repowering-Anträge zurückgestellt. „Die alten Windparks haben natürlich Bestandsschutz. Die Spargel können stehen bleiben, bis sie umkippen“, so Schäde. Sprich, bis sie zurückgebaut werden.

Eines dieser Eignungsgebiete ist das bei Tarnow. „Wir sind darüber sehr froh. Wir wollen das so“, sagt Tarnows Bürgermeister Ingo Sander. Die Windanlagen seien viel zu dicht an den Ort gebaut worden. „Außerdem liegen sie genau in der Hauptwindrichtung“, so Sander. Das mache den Unterschied zum neuen Windpark, der ebenfalls bei Tarnow geplant ist.

In den Unterlagen des Raumentwicklungsprogramms wird dieser Windpark als „Tarnow Ost“ bezeichnet. Und es gibt noch einen Unterschied. Beim bestehenden Windpark hätten in den zurückliegenden Jahren immer mal wieder die Eigentümer gewechselt, wie Ingo Sander erzählt. Das war auch alles.

Nun möchten Gemeinden wie Tarnow, Dreetz und auch Bützow von dem Kuchen Windenergie selbst ein Stück abbekommen, sind deshalb einer Kommunalen GmbH beigetreten. So wollen die Gemeinden mit davon profitieren, wenn dort Windanlagen geplant und gebaut werden. Eine Möglichkeit neue Einnahmen für die ständig klammen Haushaltskassen zu aquierieren. Auch einzelne Bürger könnten sich, wenn sie dann wollten, daran beteiligen. Die Landesregierung hatte in diesem Jahr den Weg für kommunale Beteiligungen frei gemacht. Ingo Sander sieht in diesem Weg auch ein Schritt hin zu mehr Akzeptanz für solche Anlagen. „Natürlich wird es auch immer Gegner von Windparks geben“, so Tarnows Bürgermeister.

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