Energiewende : Windpark bei Klein Belitz vom Tisch

Im April fand in Bernitt ein Windprakfest zur Einweihung der Windkraftanlagen statt.
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Im April fand in Bernitt ein Windprakfest zur Einweihung der Windkraftanlagen statt.

Planungsverband streicht Zahl möglicher Eignungsgebiete zusammen / Keine neuen Windräder bei Groß Gischow und Reinstorf

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07. November 2015, 12:00 Uhr

Freude herrscht in Selow, Jürgenshagen und in Linstow. Mögliche Eignungsgebiete für Windkraftanlagen sind vom Tisch. In Zietlitz und Groß Bäbelin, bei Krakow, ist man dagegen entsetzt. Das dort vorgesehene Gebiet soll noch vergrößert werden.

Die Mitglieder des Planungsverbandes Region Rostock feilten in dieser Woche wieder einmal an der Fortschreibung des regionalen Raumentwicklungsprogrammes, Kapitel 6.5 – Energie einschließlich Windenergie. Von zunächst 17 möglichen Windkrafteignungsgebieten sind jetzt zwölf übrig geblieben. Rausgefallen sind unter anderem Eignungsgebiete in der Bützower Region bei Klein Belitz, Groß Gischow und Reinstorf.

Zwischen dem ersten und zweiten Beteiligungsverfahren waren rund 300 Stellungnahmen beim Planungsverband eingegangen. Heftigen Widerstand gab es unter anderem gegen eine Ausweisung weiterer Windenergie-Gebiete zwischen Bützow und Satow. Bei einer Einwohnerversammlung vor knapp einem Jahr hatten in der voll besetzten Aula der Regionalen Schule Bernitt viele aus den betroffenen Gemeinden ihren Ärger kund getan.

Einer von ihnen war Jürgen Möller aus Jürgenshagen. „Das ist sehr schön“, war die erste Reaktion, als er das Ergebnis aus der Sitzung des Planungsverbandes erfuhr. „Wir haben dieser Tage gerade bei einem Spaziergang einmal gezählt. Wir sehen von uns aus 80 Windräder. Das ist einfach genug“, so Möller. Zumal in den zurückliegenden Monaten weitere hinzugekommen sind, bei Hohen Luckow, ebenso bei Bernitt. „Am Abend sehen wir die Lichter überm Berg blinken.“ Die Freude wird ein wenig getrübt. Denn während das Eignungsgebiet Groß Gischow gestrichen ist, bleibt das bei Wokrent weiter in den Planungen. „Wir müssen sehen, wie wir damit klarkommen“, so Möller.

Bereits im Frühjahr hatte sich abgezeichnet, dass neue Standorte in der Region zwischen Bützow und der Autobahn kaum eine Chance hätten. Jetzt wurden sie von der Liste gestrichen. „Hier gibt es bereits zwei große Windparks an der A 20 und Richtung Bützow bei Bernitt“, erklärt Matthias Plehn, Regionalplaner beim Planungsverband.

„Das ist gut so. Ich habe mich sehr darüber gefreut“, sagt Friedemann Preuß, Bürgermeister der Gemeinde Klein Belitz, zu der auch Selow gehört. Schließlich sei man schon von Windrädern umzingelt. Viele Menschen würden erleichtert sein, auch wenn das vielleicht nicht alle so sehen.

„Jeder hatte die Möglichkeit, sich zu den Plänen zu äußern. Viele haben es gemacht. Wir auch, ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Aber so ist es gut“, so Preuß.

„Für uns kommt es leider zu spät“, sagt Dr. Ulrich Bauer in Kambs. Der ehemalige Bürgermeister von Vorbeck ist ebenfalls ein Gegner von zu großen Eignungsgebieten, die viel zu dicht an Wohnbebauungen stehen. Bei ihm vor dem Haus würden die ersten zwei neuen Windräder schon zur Probe laufen. „Wenn wir im Garten sitzen oder ich im Wald arbeite, hört man die Geräusche“, erzählt der Kambser. Deshalb hält er die derzeitige Abstandsregelung von 1000 Meter für zu gering. „Es ist schon eine Beinträchtigung der Lebensqualität.“ Dennoch ist er froh, dass man nun offensichtlich die Proteste der Bürger ernst genommen hat.

Für die in der Planung verbleibenden zwölf Eignungsgebiete einschließlich Hoppenrade kündigt Regionalplaner Plehn weitere Untersuchungen im nächsten Jahr an. Dabei gehe es um Belange des Artenschutzes. Bevor vielleicht Ende 2017 eine Entscheidung fallen kann, gibt es eine weitere Auslegung mit der Möglichkeit der Stellungnahme dazu, kündigt Plehn an.

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