Bützow : Wikingerboot wird aufgemöbelt

Tischlerlehrlinge vom BützowerBerufsbildungsverein passen den Mast in einen neuen Schuh am Boden des Bootes ein: Peter Koza (v. l.), Paul Grohmann, Thomas Kasnserske und Alexander Arbeit.
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Tischlerlehrlinge vom BützowerBerufsbildungsverein passen den Mast in einen neuen Schuh am Boden des Bootes ein: Peter Koza (v. l.), Paul Grohmann, Thomas Kasnserske und Alexander Arbeit.

In der Halle des Berufsbildungsvereins werkeln Tischlerlehrlinge an dem Wassergefährt

svz.de von
14. März 2016, 21:00 Uhr

Kaum war der Bützower See eisfrei, juckte es den Wikingern des Kanuclubs schon wieder in den Fingern. Endlich konnten sie den See und die Warnow wieder rudernd oder segelnd durchfurchen. Doch der Anleger am Vereinshaus ist noch verwaist. Das Wikingerboot befindet sich in der Werft in Steinhagen. In der Halle des Bützower Berufsbildungsvereins werkeln Tischlerlehrlinge des ersten und zweiten Lehrjahres um ihren Meister Rochus Richter am Boot, um einige Veränderungen vorzunehmen.

Neben Veränderungen an den Riemen und den Augen in der Bordwand, die als Halterung für die Riemen dienen, sind vor allem neue Lösungen für Mast und Ruder (Steuer) im Visier der Bootsbauer. Für den Straßentransport auf einem Trailer hatten die Konstrukteure einen herausziehbaren Mast geplant. Das hat auch beim Legen des sieben Meter hohen Mastes bei der Jungfernfahrt zum Hafenfest gut geklappt, als die Themse-Brücke vor dem Rostocker Tor passiert werden musste. Unter der Kraft des Windes beim Segeln verkeilte sich der konisch auslaufende Mastfuß aber immer mehr im Holzblock am Schiffsboden. Hinzu kam das Aufquellen durch die ständige Feuchtigkeit. Am Ende konnten zwei kräftige Männer den Mast nicht mehr ziehen und die Warnow nicht mehr erreicht werden.

Nun erhält der Mast eine neue Halterung aus Metall, aus der die Skipper ihn mit wenigen Handgriffen mühelos herausziehen können. Das Tor zum Bützower Hafen, zum Schwaaner Brückenfest oder nach Rostock wäre wieder passierbar. Und wenn in Rostock die Schleuse noch in Betrieb wäre, könnte die „Jowa“, so der Name des Bootes, auch am Leuchtturm von Warnemünde aufkreuzen.

Kopfzerbrechen bereitet dem Tüftler Rochus Richter noch die Konstruktion eines anderen Ruders. Gebaut nach historischen Zeichnungen ist es mit einer Länge von 1,20 Metern unter Wasser für den Bützower See nicht brauchbar. Die größte zum Segeln geeignete Fläche des Sees, die weite Bucht nach Parkow hin, in der die Bützower Altstadt Platz hätte, konnte aufgrund der geringen Wassertiefe nicht befahren werden. Das Ruderblatt kürzen ist offenbar keine Lösung. Bei verkleinerter Blattfläche würde das Boot sich kaum noch steuern lassen, zumal der Wendekreis des zehn Meter langen Bootes jetzt schon sehr groß ist. Und auf einem engen Wendekreis kommt es auf dem kleinen See beim Kreuzen an.

Ein vermeintlicher Experte hatte bei der Übergabe des Boots an den Kanuclub große Erwartungen auf ein sportliches Segeln gedämpft: „Kreuzen kann man damit nicht. In Ratzeburg rudern sie kilometerweit gegen den Wind und kommen segelnd zurück.“ Darüber können die Bützower Wikinger nur noch schmunzeln. Sie haben bereits auf allen Kursen, sprich vor dem Wind, halber Wind und hoch am Wind gesegelt. Vor dem Wind hat das Wikingerboot bei Windstärke 4 auf der Sommertour der Schweriner Volkszeitung eine Geschwindigkeit von 4,7 Knoten erreicht. Aber auch bei 55 Grad zum Wind macht das Boot noch mächtig Fahrt.

„Anfang April lassen wir das Boot wieder zu Wasser“, sagt Rochus Richter. Dann können auch wieder Bützower Gruppen und Besucher der Stadt das Boot beim Kanuclub am Bützower See nutzen und die Stadt von ihrer schönsten Seite betrachten.


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