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Bauernverband Bützow : „Wieder ein dickes Minus“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Regionale Landwirte kämpfen nach der Erntesaison mit hohen Verlusten

von
erstellt am 09.Sep.2017 | 09:00 Uhr

Die Erntearbeiten haben die Landwirte der Region hinter sich, die Konsequenzen der schlechten Bedingungen in dieser Saison sind bei ihnen jedoch allzu präsent. Denn EU-Auflagen hinsichtlich Pflanzenschutzmitteln und der viele Regen haben die Erträge minimiert und ihre Qualität verschlechtert. Nach der miserablen Ernte im vergangenen Jahr ein weiterer Rückschlag für die Bauern. „Die schlechten Erträge haben zu sehr starken finanziellen Engpässen geführt. Einige Landwirte müssen um ihre Existenz kämpfen“, sagt Martin Bissa, Vorstandsvorsitzender des Bauernverbandes Bützow.

Dass die Saison so schlecht verläuft, war für die Landwirte zunächst nicht absehbar. „Die Erwartungen waren deutlich höher. Vor der Ernte sah alles optisch gut aus“, sagt Armin Lüth, der in Bandow einen Marktfruchtbetrieb führt. Der viele Regen in den entscheidenden Wochen habe dann zu einem schwierigen Verlauf der Arbeit geführt. „Wir mussten oft warten, dass das Getreide nicht allzu feucht ist. Richtig gute Druschtage gab es wenig“, sagt Lüth.

Mit seinen Erträgen sei er aber trotz allem recht zufrieden, sagt der Landwirt. So habe er bei der Gerste 80 Doppelzentner pro Hektar ernten können, beim Weizen um die 85 Dezitonnen. „Damit bin ich zufrieden. Und auch die Qualitäten sind nach ersten Zwischenproben ganz in Ordnung.“ Beim Raps sieht es da schon ganz anders aus. „Da haben wir 31 Dezitonnen geerntet. Normal wären um die 45“, so Armin Lüth.

Deutlich schlechter erging es Martin Vorbeck aus Jabelitz. Er habe einige Schläge, die lediglich 20 Doppelzentner einbrachten, wo normalerweise das Doppelte oder mehr geerntet wird, erzählt er. Der Hauptgrund, und da ist er sich mit anderen Landwirten der Region einig, ist der Verbot des Beizmittels, das den Raps vor Schädlingen schützte (SVZ berichtete). „Die Gerste ging hinsichtlich der Erträge gerade noch so, der Weizen hat dann auch richtig enttäuscht. Der hätte am Ende noch viel mehr Sonne abbekommen müssen“, so Vorbeck.

Dadurch, dass das Getreide zu feucht ist, entstehen den Bauern enorme finanzielle Verluste. „Es gibt bei Feuchtigkeit sofort Abzüge im Preis. Da ist der Handel rigoros. Früher wurden noch Kompromisse eingegangen, aber das gibt es dieses Jahr gar nicht mehr“, sagt Martin Vorbeck. Seine Hoffnungen, die Verluste aus dem vergangenen Jahr ausgleichen zu können, wurden dadurch bitter enttäuscht. „Bei mir steht wieder ein dickes Minus.“

Die katastrophalen Rapserträge werfen die Frage auf, ob es für die Bauern Alternativen gibt, mit denen sie ihre Verluste wieder ausgleichen können. Schon während der Saison betonte Manfred Bissa, dass der Anbau der Pflanze in einigen Jahren komplett einbrechen werde, wenn die Rahmenbedingungen sich nicht ändern. Schon für nächstes Jahr sagt der Landwirt einen drastischen Rückgang des Anbaus voraus. So wird auch Martin Vorbeck erst einmal weniger anbauen. Eine Alternative zum Raps, der als Vorfrucht für den Weizen besonders gut geeignet ist, sieht der Jabelitzer für seine Flächen derzeit erstmal nicht. Ein Schlupfloch könnte dabei helfen, dass 2018 ein erfolgreicheres Rapsjahr wird. „Es gab die Möglichkeit, anderes Saatgut zu kaufen, das ursprünglich aus Polen kommt und anders gebeizt ist“, erklärt Vorbeck. Sollte das nicht funktionieren, müsste auf reinen Getreideanbau umgestiegen werden.

Die verheerende Bilanz dieses Landwirtschaftsjahres führt bei den Bauern merklich zu Resignation. Ans Aufgeben denken sie aber noch lange nicht. „Wir müssen jetzt nach vorn blicken und versuchen, optimistisch zu sein“, sagt Manfred Bissa. Dem pflichtet Martin Vorbeck bei: „Trotz allem muss man sich immer wieder selbst motivieren, wieder neu anzufangen und den Acker gut zu bestellen.“ Armin Lüth ist schon mittendrin in den Arbeiten, die Bestellung der Zwischenfrüchte steht gerade an. „Und danach geht es dann mit der Herbstbestellung weiter. Das ist eben, und das ist ja auch das Gute, ein fortlaufender Prozess“, sagt der Bandower.

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