Debatte : Wie viele Wölfe verträgt das Land?

entwicklung
2 von 2

In Märchen ist er der böse Isegrimm. In Abenteuerfilmen wird er als böse Bestie dargestellt. In Mitteleuropa war er lange nicht zu sehen. Nun soll der Wolf auch hier wieder heimisch werden, ist deshalb streng geschützt. Ein Thema das die Menschen spaltet.

von
06. Juni 2015, 16:00 Uhr

Der Konflikt zwischen Mensch und Wolf begann schon in der Steinzeit. Wölfe waren Nahrungskonkurrenten, wurden als gezähmtes Wildtier zum Hund und Helfer des Menschen. An der Kultur des Menschen haben Wölfe erheblichen Anteil.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckte sich über ganz Europa, den größten Teil Asiens und Nordamerikas. Mit Ausbreitung des Menschen verringerte sich der Lebensraum der Wölfe. Die Entwicklung effektiver Bekämpfungsmaßnahmen und die Zahlung von Prämien für getötete Wölfe führte bereits vor 200 Jahren fast zu ihrem Verschwinden in Mitteleuropa. In Osteuropa, Asien und Nordamerika gibt es nach Literaturangaben zur Zeit stabile Wolfsbestände von insgesamt etwa 80 000 Exemplaren.


Seit 1975 Deklaration zum Schutz der Wölfe


Nach Deutschland wanderten aus den östlichen Nachbarländern stets Wölfe ein. Sowohl in der DDR als auch in der BRD wurden Wölfe geschossen. Da die Wolfsbestände weltweit abnahmen, gründete die Internationale Kommission für gefährdete Tiere und Pflanzen eine Wolfsgruppe, die 1975 eine Deklaration für den Wolfsschutz veröffentlichte. Darin wird die Wiedereinbürgerung des Wolfes in biologisch geeigneten Gebieten gefordert, in denen der Wolf ausgerottet wurde.

Dieser Deklaration trat die BRD und weitere Länder der Europäischen Union bei und stellten den Wolf unter strengen Schutz. Seit 25 Jahren breiten sich die Wölfe nach Zuwanderung aus Osteuropa in unserem Land aus. Das ehemals gefürchtete Raubtier fasziniert nun die Menschen. Es gibt Befürworter, aber wegen zunehmender Probleme eine wachsende Ablehnung des strengen Schutzes. Auf Grund der hohen Vermehrungsrate scheint die Zeit gekommen zu sein, den strengen Schutz zu überdenken und für die Bewirtschaftung wissenschaftlich und wirtschaftlich begründete Regeln durch die Bundesregierung auf den Weg zu bringen.

Wie sich die Anzahl der Wölfe entwickeln könnte, habe ich aufgezeichnet (Tabelle), so wie sie für unser Bundesland ähnlich verlaufen könnte, wenn keine Grenzen gezogen werden.

Eine Wölfin bekommt laut Literatur im Mittel etwa sechs Welpen. Bei ausreichender Nahrung erreichen mindestens vier Welpen das erste Lebensjahr. Die Geschlechtsreife erreichen die Wölfinnen mit zwei Jahren, bei sehr guter Ernährung früher. Da im Wolfsrudel eine Hierarchie herrscht, kommen nicht alle geschlechtsreifen Wölfinnen zur Verpaarung. Bei Nahrungsmangel, der bei uns jedoch noch nicht besteht, bringt nur die ranghöchste Wölfin Nachwuchs. Der wirkliche Zuwachs des Bestandes hängt wesentlich vom Nahrungsangebot ab. Der natürliche Abgang durch Tod und aus weiteren Gründen (Unfälle) könnte jährlich etwa zehn Prozent des Bestandes betragen.


Bestand verdoppelt sich im ersten Jahr


Ausgangspunkt für meine Berechnung war, dass wir im Jahr 2015 in MV 40 Wölfe, davon zehn tragende Wölfinnen haben. Der Bestand würde sich zum Jahresende fast verdoppeln. Bei weiterem ungestörtem Zuwachs hätten wir dann in zehn Jahren mehr als 3000 Wölfe. Das wird aber in Realität nicht eintreten. Schon bei 500 Wölfen in MV gäbe es zwingende Gründe regulierend einzugreifen.

Der Nahrungsbedarf eines Wolfes wird in der Literatur mit täglich etwa drei Kilogramm kg Fleisch bzw. einer Tonne im Jahr angegeben. Da zunächst überwiegend Jungwild erbeutet wird, deckt das gesamte Aufkommen an Wildbret von Reh-, Dam-, Rot- und Schwarzwild nicht den Nahrungsbedarf von 3000 Wölfen. Der Bestand an Schalenwild würde rapide abnehmen und den Wölfen bliebe nur die Möglichkeit, sich von den Haustieren zu ernähren. Wölfe leiden insbesondere bei hohen Beständen an Krankheiten und Parasiten, z. B. an Tollwut, Reude, Läusen, Haarlingen und Würmern. Mit der Übertragbarkeit auf Menschen und Haustiere ist zu rechnen.

Der natürliche Feind des Wolfes ist, außer den Krankheiten, der nur in Sibirien vorkommende Tiger. Insgesamt betrachtet ist der zur Zeit geltende strenge Schutz des Wolfes und damit seine ungestörte Bestandsentwicklung auf Dauer in unserer Kulturlandschaft nicht aufrecht zu erhalten. Das ist auch die Ansicht aller renommierten Wildbiologen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Bundesregierung und die Länder die politischen Entscheidungen für die Regulierung der Wolfsbestände treffen müssen.

Die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht wird von der Jägerschaft kritisch bewertet. Es gibt die Befürchtung, den Jägern dann auch den Ersatz von Schäden durch Wolfsrisse in den Haustierbeständen aufzuerlegen. Bisher leistet die Staatskasse Ersatz und finanziert Schutzmaßnahmen. Bei den Jägern ist die Motivation für den Abschuss von Wölfen nur solange vorhanden, wie noch bejagbare Schalwildbestände im Revier vorhanden sind. Aus einigen Gebieten in Brandenburg, Sachsen, und Sachsen-Anhalt, in denen die Wildbestände durch die Präsens des Wolfes bereits erheblich abgenommen haben, sind Bemühungen einiger Jäger vorhanden, aus den laufenden Jagdpachtverträgen auszuscheiden. Ohne die Chance auf Beute gibt es keine Jäger, das ist bei allen Beutegreifern so.


Mensch hat immer eingegriffen


In früheren Zeiten ist in die Wolfsbestände von der Bevölkerung ohne Einsatz von Schusswaffen erheblich eingegriffen worden. In der Literatur ist die Tötung der Welpen in den Höhlen, das Fangen und Erschlagen in Fallgruben und an Luderplätzen sowie das Stellen von Schlingen und Fallen beschrieben. Auch Gift wurde verwendet. Alle diese Maßnahmen sind mit den geltenden Regeln des Tierschutzes unvereinbar.

Von der Politik zu fordern ist: unter Einbeziehung aller betroffenen im ländlichen Raum Wolfsgebiete abzugrenzen, die tragbaren Bestandsgrößen festzulegen und die Regeln für die Bestandsregulierung zu erstellen. Alle durch die Ausbreitung des Wolfes betroffenen, insbesondere die Landwirte mit Tierhaltung, die Landeigentümer, den laut Gesetz das Jagdrecht zusteht, die Jägerschaft, die Kleintierhalter, Tourismusverbände und alle sich im ländlichen Raum bewegenden Menschen benötigen Planungssicherheit.

Ich erwarte für meine Darlegungen nicht ungeteilte Zustimmung und von denen, die vom Wolf fasziniert sind, auch Widerspruch. Eine öffentlich geführte Diskussion auf wissenschaftlicher Grundlage bei Beachtung der Erhaltung der Artenvielfalt und Findung wirtschaftlich vertretbarer Lösungen sollte letztendlich zum Konsens führen.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen