Handwerker aus Schwaan : Wie ticken die Uhren in Russland?

Der Uhrmachermeister Helmut Langner führt seinen Meisterbetrieb in einer Werkstatt in Schwaan.
Der Uhrmachermeister Helmut Langner führt seinen Meisterbetrieb in einer Werkstatt in Schwaan.

Sein Handwerk lässt Helmut Langner fremde Kulturen entdecken

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28. September 2017, 11:55 Uhr

„Uhren reparieren? Ich kann mir nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu machen“, so beschreibt der Uhrmachermeister Helmut Langner seinen Berufsalltag. Dabei war es eher der Zufall, der ihn zum Uhrenhandwerk brachte. „Ich bin damals ohne richtige Vorstellungen zur Berufsberatung gegangen. Dort haben sie mir gesagt, dass in Güstrow eine Lehrstelle frei ist. Die habe ich dann wahrgenommen und festgestellt, dass es genau das richtige für mich ist.“

Mittlerweile ist der 59-Jährige seit 1988 mit seinem Meisterbetrieb selbstständig und besitzt eine Fachwerkstatt für Uhren und Schmuck auf der Mühlenstraße in Schwaan. Aber sein Beruf bringt ihn auch in andere Länder. Helmut Langner ist Mitglied des Fachkreises Historische Uhren Schloss Raesfeld. Die Vereinigung von Fachleuten hat sich zum Ziel gesetzt, das Kulturgut historischer Uhren zu erhalten und sich über aktuelle Kenntnisse und Arbeitstechniken auszutauschen.

Der Verein arbeitet für verschiedene Museen. So zum Beispiel auch für das Museum Peterhof bei St. Petersburg. Die Palastanlage war einst die Sommerresidenz von Peter I. Zusammen mit zwei Kollegen aus Duisburg und Seehausen ist Helmut Langner gestern für zwei Wochen nach Russland gereist, um sich der Restaurierung historischer Uhren zu widmen. Das gesamte Engagement ist ehrenamtlich, aber für die Verpflegung und Unterkunft ist gesorgt. „Es ist auch ein wenig Urlaub für mich, nicht nur harte Arbeit. Ich freue mich darauf, mit meinen Kollegen zusammen zu sein und die Kultur in Russland zu erleben.“, erzählt Helmut Langner. Seit 2000 kommen die Uhrmacher regelmäßig zu ihrer Werkstatt am Peterhof, aber auch das Palastmuseum des Maharadscha von Jodhpur in Indien war schon zweimal Station von Helmut Langner und seiner Frau.

Da es sich bei den meisten Uhrenrestaurationen um Denkmalpflege handelt, muss jeder Arbeitsschritt wohl überdacht und dokumentiert werden. „Die Grundsubstanz muss bewahrt werden und wenn man etwas macht, muss es auch wieder umkehrbar sein. Da gibt es strenge Richtlinien“, erklärt der Uhrmachermeister. „Die wertvollste Uhr, die wir repariert haben war eine Flötenuhr. Diese hatte eine Statue in der ein aufwendiges Flötenwerk verbaut war. Da geht man natürlich mit viel Vorsicht und Geduld heran. Das sind aber generell wichtige Tugenden in unserem Handwerk, genauso wie ein gewisses technisches Verständnis von den Mechaniken.“

Bei den ganzen Reparaturen und Restaurationen vermisst Helmut Langner schon fast das Herstellen der Uhren. Deshalb hat er sich vor sieben Jahren mit neun Kollegen zusammengeschlossen, um eigene mechanische Präzisionsuhren zu konstruieren. „Ich hatte einfach den Anspruch, selbst mal eine Uhr zu bauen“, führt er aus. Das ganze sei aber sehr zeitintensiv. Nach nun sieben Jahren möchte er seine Uhr Ende des Jahres fertigstellen.

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