Eickhof : Wie bedroht ist die Warnow?

Eine von vielen Schaumkronen auf der Warnow in Eickhof. Brit Abeln vom Naturdorf beobachtet das Phänomen seit einem Jahr.
Eine von vielen Schaumkronen auf der Warnow in Eickhof. Brit Abeln vom Naturdorf beobachtet das Phänomen seit einem Jahr.

Seit einem Jahr Schaumkronen zu beobachten: Für die einen ein natürliches Phänomen, für die anderen ein akutes Warnsignal

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06. April 2017, 05:00 Uhr

Mit seiner Lage direkt an der Warnow und der Nähe zum Durchbruchstal ist das kleine Örtchen Eickhof jedes Jahr Anziehungspunkt für tausende Paddler und Touristen. Betrachtet Brit Abeln, die Betreiberin des Naturdorfs Eickhof, den Fluss jedoch, sieht sie nicht nur Idylle, sondern ein gefährdetes Ökosystem. Der Grund: Schaumkronen. „Ich beobachte das jetzt schon seit einem Jahr, sie sind sehr groß und durchgängig vorhanden“, berichtet Brit Abeln.

Die Schaumkronen selbst sind an sich nicht gefährlich, sagt Dietmar Mehl, Diplom-Hydrologe und Geschäftsführer von Biota. Das privat finanzierte Institut mit Sitz in Bützow beschäftigt sich mit ökologischen Fragestellungen. Phänomene wie die Schaumkronen auf der Warnow sind den Mitarbeitern bekannt. „Das gibt es sehr häufig. Prinzipiell gilt: Wenn es nicht komisch riecht oder eine seltsame Farbe wie violett aufweist, dann besteht wahrscheinlich keine große Gefahr.“

Laut Mehl sind höchstwahrscheinlich Eiweißverbindungen die Ursache für die Bildung der Schaumkronen. Diese Erklärung liefert auch das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern. Demnach würde das Phänomen durch zerschlagenes Eiweiß gebildet, dessen Hauptquelle das Phytoplankton, also Algen, seien. Diese würden aus dem Sternberger See ausgetragen, heißt es. Die hohen Turbulenzen auf der Fischaufstiegsanlage schäumen die im Wasser vorhandenen Stoffe dann auf. Das Ausmaß der Schaumkronen varriiere je nach Durchfluss und Gehalt an organischen Stoffen, so Ministeriumssprecherin Eva Klaußner-Ziebarth.

Auch die Jahreszeit spielt nach Angabe des Ministeriums eine Rolle. So bilde der Sternberger See derzeit vermutlich eine Frühjahrsblüte der Algen, wodurch viel Algenbiomasse in die Warnow gelangt. Eine weitere Stoffquelle könnten zudem Abwassereinleitungen sein, die oberhalb in die Warnow gelangen.

Diese Erklärungen sind für Brit Abeln vom Naturdorf nicht befriedigend. Dass die Schaumkronen ein Nährstoffprodukt ist, sei klar, doch genau da müsse weiter nachgehakt werden, sagt sie. „Das Phytoplankton wächst nur in dem Ausmaß, weil es Nahrung bekommt. Es sind zu viele Nährstoffe vorhanden. Das ist nicht nur hier, sondern überall in ganz Meckenburg der Fall. Für das Ökosystem Wasser ist das definitiv nicht gut.“

Brit Abeln will das Naturdorf in den nächsten Jahren weiterentwickeln.
Sabine Herforth
Brit Abeln will das Naturdorf in den nächsten Jahren weiterentwickeln.

Eine tiefergehende Erklärung liefert der Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) Deutschland. Geschäftsführerin Dr. Rica Münchberger räumt ein, dass Schaumbildung auf Gewässern nicht immer ein Zeugnis von Gift ist. Dennoch seien die Schaumkronen ein Zeichen dafür, dass etwas mit dem Ökosystem nicht stimmt. „Die Eutrophierung, also die zunehmende Anreicherung mit Nährstoffen, der Gewässer nimmt zu, das ist keine Frage.“ Die Ursache dafür sieht Rica Münchberger in der Landwirtschaft. „Es wird immer mehr Dünger auf die Felder gebracht. Die Pflanzen nehmen ihn auf, um zu wachsen. Regnet es, wird der Stickstoff, der ein wesentlicher Bestandteil von Eiweiß ist, ausgewaschen, sickert in den Boden und läuft in offene Gewässer“, erklärt Rica Münchberger. In bewegten Gewässern könne sich dann verstärkt Schaum bilden, in Stillgewässern wie Seen gebe es hingegen sehr viele Algen. Das sei ein klares Zeichen dafür, dass zu viele Nährstoffe vorhanden sind, was wiederum fatale Auswirkungen haben kann.

„Die Algen verbrauchen Sauerstoff, der anderen Organismen dann nicht mehr zur Verfügung steht. Das führt zu einer Verschiebung der Artenverteilung“, so Münchberger. Besondere Arten, die auf nährstoffärmere Gewässer angewiesen sind, würden dann verschwinden. Das betreffe zum Beispiel die Flussmuschel und verschiedene Fischarten.

Das große Problem dahinter ist laut Münchberger die Landwirtschaftspolitik, die „nicht regional, sondern in Brüssel bestimmt wird“. Direkt vor Ort könne man nur auf die Probleme aufmerksam machen oder die Behörden auf Trab halten. Die Politik werde zwar aktiv, aber nur sehr langsam, so Münchberger.

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