Bützow : „Wer nicht kämpft, hat schon verloren“

Teilnehmer der Mut-Tour und Mitglieder der Bützower Selbsthilfegruppe „Leben mit Depression“ trafen gestern vor dem Rathaus zusammen. Eine der Tourteilnehmerinnen versteckt ihre Identität hinter einer Smiley-Maske, weil sie unter anderem berufliche Nachteile befürchten muss.
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Teilnehmer der Mut-Tour und Mitglieder der Bützower Selbsthilfegruppe „Leben mit Depression“ trafen gestern vor dem Rathaus zusammen. Eine der Tourteilnehmerinnen versteckt ihre Identität hinter einer Smiley-Maske, weil sie unter anderem berufliche Nachteile befürchten muss.

Mut-Tour: Teilnehmer mit und ohne Depression von Selbsthilfegruppe begrüßt

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16. August 2016, 05:00 Uhr

Hier könne sie offen darüber sprechen, in Heidelberg, wo sie arbeitet, nicht, erzählt Claudia Richter. Sie ist Teilnehmerin der bundesweiten Radtour von Menschen mit und ohne Depressionserfahrung. Es gibt mehrere Gruppen. Ihre sei am Mittwoch in Berlin gestartet, so die Heidelbergerin, die selbst seit 21 Jahren mit der Krankheit lebt. „Jeden Tag legen wir zwischen 50 und 60 Kilometer zurück“, sagt Richter. Auf dem Weg nach Kiel, dort wollen die drei Tandem-Teams am Sonnabend eintreffen, machten sie gestern einen Zwischenstopp in Bützow.

Erwartet wurden die sechs Frauen und Männer von Mitgliedern der Bützower Selbsthilfegruppe „Leben mit Depression“. Schnell entwickelte sich ein reges Gespräch über die Erfahrungen im Umgang mit der Diagnose „Depression“. Sie sei seit einem Jahr in der Bützower Selbsthilfegruppe, erzählt Ilona Mundt. „Ich bin froh darüber. Man ist nicht mehr alleine.“

Es sei wichtig, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, Hilfe zu holen, aber auch gemeinsam einfach etwas zu unternehmen, sind sich alle einig. „Die Gruppe gibt es seit 2010. Wir treffen uns jeden Donnerstag um 14 Uhr in der Pfaffenstraße 11“, erzählt Christine Slomma. Die Erkrankung sei immer gegenwärtig, der Betroffene müsse lernen, mit ihr umzugehen. „Unser Motto ist: Wer nicht kämpft, hat schon verloren“, sagt Slomma. Hannelore Wegener bestätigt: „Meine Tochter hat festgestellt, dass es mir besser geht, seit ich in der Gruppe bin.“ Wichtig sei für Betroffene, dass sie Rückhalt in der Familie finden, ergänzt Gisela Knoth. Sie weiß aber auch: „Medikamente sind die eine Seite, zu 50 Prozent muss man auch selbst wollen.“ Und dafür die Kraft und das Verständnis zu finden, da helfe die Gruppe Gleichgesinnter. „Denn die Menschen, die nicht betroffen sind, sind nicht richtig aufgeklärt über die Krankheit“, sagt Christine Slomma.

Das zu ändern, das ist ein Anliegen der Mut-Tour 2016. Betroffene sollen mutig sein, zu ihrer Krankheit zu stehen, und Nicht-Betroffene sollen lernen, auf Erkrankte zuzugehen, sagt Tour-Initiator Sebastian Burger.

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