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Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes Bützow : Wenn die Schulden drücken...

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Wer mehr hat, bei den sind auch die Schulden höher: Astrid Peters, von der Schuldnerberatung des Arbeitslosenverbandes Bützow, ist für viele die Retterin in der Not. Sie betreut fast 300 Fälle.

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erstellt am 26.Dez.2012 | 07:56 Uhr

Bützow | Nicht Geringverdiener sind diejenigen mit den höchsten Schulden, sondern im Gegenteil Gutverdiener. Diese Erfahrungen macht Astrid Peters (56) immer wieder bei ihrer Arbeit als Schuldnerberaterin des Arbeitslosenverbandes in der Neuen Bahnhofstraße 15 in Bützow. "Wer mehr hat, ist länger kreditwürdig und dann sind auch die Schulden höher", sagt sie.

Doch ob Gut- oder Geringverdiener, bei Astrid Peters geben sich Klienten aller Kategorien oftmals die Klinke in die Hand. "Früher war es eine landläufige Meinung, dass Verschuldung ein Pro blem der unteren sozialen Schichten ist, aber das ist nicht wahr. Verschuldung trifft generell alle sozialen Schichten und alle Einkommensgruppen", so die Schuldnerberaterin.

89 neue Fälle, wo die Schulden dem Betreffenden über den Kopf wuchsen und die deshalb private Insolvenz anmelden mussten, sind in diesem Jahr auf dem Schreibtisch von Astrid Peters gelandet. Hinzu hat sie sich um 150 bis 200 ältere Fälle aus früheren Jahren zu kümmern. "Die Gesamtverschuldungen unserer Klienten belaufen sich auf über eine Million Euro", stellt Astrid Peters fest. "Es braucht in der Regel drei bis vier Jahre, bis sich jemand wieder frei geschwommen hat und wieder allein laufen kann", sagt sie. Insgesamt dauere ein Verbraucher-Insolvenzverfahren bis zur völligen Schuldenbefreiung für den einzelnen sechs Jahre. "Das heißt, der Betreffende muss sechs Jahre am Existenzminimum leben, danach werden ihm die Schulden erlassen", sagt Astrid Peters.

Wer erstmal angefangen hat, schafft es meist auch

Doch wenn dies auch eine lange Zeit ist, so ist es doch kein Ding der Unmöglichkeit, dies zu schaffen, weiß sie.

"90 Prozent derjenigen, die ein Verbraucher-Insolvenzverfahren beantragen, halten es auch durch", sagt Astrid Peters. In diesem Jahr seien es an die 30 Leute gewesen, die es geschafft haben und die nun wieder schuldenfrei seien, sagt sie. Eines aber sagt die Erfahrung der Schuldnerberaterin: "Ich kriege keinen entschuldet, der es nicht will." Wer sich aber ernsthaft darum bemüht und bei der Schuldnerberatung Hilfe sucht, dem macht Astrid Peters Mut: "Das kriegen wir schon wieder hin". Diese Zuversicht versucht sie denjenigen zu geben, die zu ihr kommen und die damit zum letzten Strohhalm in ihrer vertrackten Situation greifen. Nicht wenige kommen zu ihr mit einem Karton unter dem Arm - voller wild durcheinander liegender Zahlungsaufforderungen, Mahnungen, ungeöffneter Briefe von Banken, Versandhäusern, Telefongesellschaften, Energieunternehmen… Alles das sei ihnen über den Kopf gewachsen und am Ende sei der Betreffende nicht mehr in der Lage, das Problem allein zu lösen.

Für diesen Fall ist Astrid Peters da. "Wir arbeiten mit Terminvergabe, aber jeden Dienstag und Donnerstag von 9 bis 11.30 Uhr haben wir offene Beratungszeit, da kann jeder kommen", sagt sie. Oft dient Letzteres nur der ersten Kontaktaufnahme, der sich weitere Termine anschließen. Als erstes versucht Astrid Peters stets, sich ein Bild zu machen von der finanziellen Notlage des Betreffenden. "Die Leute müssen als erstes einen Haushaltsplan machen, um überhaupt erstmal einen Überblick zu erhalten, wofür sie ihr Geld ausgeben." Dann könne man Posten für Posten durchgehen und dann sehe man weiter. Auf jeden Fall fängt für Astrid Peters die Arbeit erst richtig an, wenn der Schuldner nach der Beratung ihr Büro verlassen hat.

"Ich muss an alle Gläubiger schreiben. Im Jahr hab’ ich dadurch zu 4 000 bis 5 000 Gläubigern Kontakt", überschlägt sie. Im Durchschnitt habe jeder, der zu ihr in die Beratungsstelle kommt, rund 20 Gläubiger, mit denen sie sich dann in Verbindung setzen müsse, so die Schuldnerberaterin.

Viele übernehmen sich beim Einkaufen

Zu Weihnachten haben viele ihre Schuldensituation noch verschärft, davon ist Astrid Peters überzeugt. "Alle möchten an allem teilhaben. Und das ist für viele auch das, was sie in der Werbung sehen. Deshalb wird oft über die Verhältnisse gekauft. Im Februar/März merken sie dann, dass sie für vieles kein Geld mehr haben." Deshalb rechnet die Schuldnerberaterin dann mit noch mehr Besuchern in ihrem Büro. Während es zur Klärung mancher Fragen manchmal etwas mehr Zeit braucht, so gibt es doch auch Fälle, bei denen Eile geboten ist. "Bei akuten Miet- und Energieschulden handle ich sofort, denn da geht es ja um lebensnotwendige Bedürfnisse", so Astrid Peters.

Sie ist davon überzeugt, dass künftig die Energieschulden zunehmen werden, da die Preise dafür steigen.

Immer recht voll ist es in ihrer Sprechstunde auch, weil seit einem Jahr der Pfändungsschutz für Sozialleistungen nicht mehr automatisch läuft, sondern von der Schuldnerberatung bescheinigt werden muss. "Wir bescheinigen dem Kontoinhaber, welche Leistungen bei ihm unpfändbar sind, also wie viel er selbst behalten darf". Dies müsse in jedem Jahr neu nachgewiesen werden.

Die Beratung bei der Schuldnerberaterin ist kostenlos. Damit dies so bleiben kann, ist Astrid Peters froh über jede Spende und finanzielle Unterstützung für die Schuldnerberatung.

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