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Bützow : Wenn aus historischen Fakten Kunst wird

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Um Verständnis für Migranten zu wecken, erinnert Daniela Melzig mit ihrer Ausstellung „Flucht und Zuflucht“ an diverse Flüchtlingswellen der Geschichte

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erstellt am 10.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Das Haus in der Kirchenstraße 36 gleicht einer Ruine. Von den Wänden bröckelt der Putz, die Tapeten sind halb von der Wand gerissen, es staubt. In dieser Atmosphäre bereitet die Künstlerin Daniela Melzig gerade ihre Ausstellung zum Thema Flucht und Zuflucht vor, die am Freitag eröffnet wird.

Die Ausstellung hat Daniela Melzig unter dem Namen „Operation Kuckuck“ schon zu anderen Gelegenheiten gezeigt, unter anderem in deutschen und belgischen Grenzhäusern. Angefangen hat alles 2015, dann habe sich die Lage so zugespitzt, dass die Erarbeitung der Ausstellung sich immer mehr ausweitete. „Ich habe noch nie so aktuell gearbeitet“, sagt Daniela Melzig, die von 1991 bis 2008 selbst in einem alten Grenzhaus gewohnt hat. „Ich habe in Belgien gewohnt, in den Niederlanden studiert. Das war ein unmöglicher Finanzaufwand, es gab ständig Kontrollen, ich hatte immer drei Währungen und drei Pässe dabei. Es gab auch die ständige Passpflicht, selbst beim Einkaufen konnte es passieren, dass man rausgezogen und gefilzt wurde“, erzählt die Künstlerin. Als Deutsche habe sie das zwar belächelt, aber teilweise sei sie sehr grob behandelt worden. „Das ist natürlich nicht vergleichbar mit den Erlebnissen der Flüchtlinge, aber es hat schon bleibenden Eindruck hinterlassen.“

Mit ihren Werken wolle sie bei den Betrachtern Empathie wecken, sagt Melzig. Dazu hat sie sich mit verschiedenen Flüchtlingswellen der Geschichte befasst. „Im 19. Jahrhundert sind viele Menschen aus wirtschaftlichen Gründen nach Amerika gegangen, die zweite große Welle gab es im Zweiten Weltkrieg. Aber ich habe mich auch mit der ehemaligen DDR und der Zeit danach befasst“, erzählt die Künstlerin. Mit der Frage danach, wie es ihren Vorfahren erging, wolle sie bei den Menschen Verständnis erzeugen für die Flüchtlinge, die heute nach Europa kommen.

Die von ihren Recherchen inspirierten Kunstwerke zieren jedoch keine Leinwände, sondern Glas. Schon jetzt prangen an den Fensterscheiben des Eckhauses einige Motive, die Teil der Ausstellung sind. Angebracht sind sie durch eine spezielle Drucktechnik, Daniela Melzigs künstlerischem Markenzeichen. In dem Haus erwarten die Besucher der Ausstellung zudem an die Wand angebrachte Scheiben, die die Künstlerin ebenfalls so bearbeitet hat.

Den Grundstein für ihre Arbeitsweise hat Daniela Melzig schon mit ihrer Diplomarbeit gelegt. „Ich habe Bildhauerei mit weichen Materialien studiert und mich in der Arbeit mit dem Thema Transparenz befasst. In diesem Zuge habe ich viel herumexperimentiert und schon damals meine ersten Glasdrucke angefertigt“, erzählt die 48-Jährige. Nach dem Studium habe sie sich immer weiter ausprobiert. „Dadurch bin ich über die Jahre zu einer sehr philosophischen Konzeptkünstlerin geworden.“ Letztlich mache sie Kunst, um damit etwas zu bewirken.

Mit diesem Ansatz ist sie besonders geeignet dafür, auf das Eckhaus aufmerksam zu machen. Denn das lokale Bündnis „Eine Blume für Bützow“ möchte aus dem verfallenen Gebäude ein interkulturelles Zentrum machen. Asylbewerber, anerkannte Zuwanderer und Bützower sollen dort zusammenkommen und Kontakte knüpfen. Mit der Ausstellung von Daniela Melzig soll die Öffentlichkeit auf das Haus und vor allem dessen Sanierungsbedarf aufmerksam gemacht werden.

Für die Künstlerin ist die baufällige Umgebung, in der sie ihre transparenten Objekte präsentiert, nicht weiter störend. „Ich bin es gewohnt, an ungewöhnlichen Orten auszustellen.“ Sie habe die Drucke an den Fenstern auch extra an das Haus angepasst, damit etwas Individuelles entsteht. „Ich finde es gut, wenn die Exponate nicht nur für sich stehen, sondern mit der Umgebung zusammenfließen“, sagt Daniela Melzig.

Die Ausstellung wird am Freitag um 15 Uhr eröffnet.

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