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Güstrow/Bützow : „Weltmeister unter den Plakatkünstlern“

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: Gunter Rambow, Güstrower Grafikdesigner und Fotograf

svz.de von
erstellt am 07.Sep.2014 | 15:26 Uhr

Wer wissen will, welche Inszenierungen aktuell auf dem Spielplan der Frankfurter Oper stehen, braucht nur die Plakate auf dem Grundstück am Güstrower Domplatz 16 zu betrachten. Er erfährt dort etwa, dass die Uraufführung von Rolf Riehms Oper „Sirenen“ für den 14. September und die Wiederaufnahme von Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ für den 12. Oktober vorgesehen sind.

Seit zwei Jahren entwirft der Güstrower Grafikdesigner und Fotograf Gunter Rambow alle Plakate für Uraufführungen, Premieren und Wiederaufnahmen an der renommierten Bühne. Sein Anspruch an die zumeist mit fotografischen Mitteln gestalteten Plakate ist zweifach. „Einmal will ich informieren und für die jeweilige Aufführung werben. Andererseits soll ein Plakat auch zum Nachdenken anregen und Botschaften vermitteln“, sagt Rambow. Damit wird das Plakat zum Kunstwerk, das der 76-Jährige aber nicht überschätzt. „In der Welt der Oper mit seinen großartigen Komponisten, Regisseuren, Musikern und Darstellern ist der Grafiker lediglich ein Sandkorn“, gibt er sich bescheiden.

Als Künstler ist Gunter Rambow Kosmopolit. Seine Plakate werden weltweit in Galerien und Ausstellungen gezeigt und sind in bedeutenden Museumssammlungen vertreten. So unter anderem im Stedelijk Museum Amsterdam, im Plakatmuseum Wilanow bei Warschau oder im Modern Art New York Museum. Bei internationalen Plakatwettbewerben hortete Rambow Gold-, Silber- und Bronzemedaillen. „Ich habe eine ganze Kiste voll davon“, schmunzelt er. Aktuell hat Rambow Arbeiten für einen Plakatwettbewerb nach Moskau geschickt. Geplant ist die Teilnahme an Wettbewerben in Lahti/Finnland, Chaumont/Frankreich, und im japanischen Toyama.

Überhaupt Japan. Im Land der aufgehenden Sonne ist der Deutsche sehr populär. Eine japanische Fachzeitschrift bezeichnete ihn als „Weltmeister unter den Plakatkünstlern“. Die renommierte New Yorker Fachzeitschrift „Graphis“ wird 2015 eine Publikation herausgeben, in der Rambow zu den fünf bedeutendsten Graphikdesignern des 20. Jahrhunderts gezählt wird. Parallel dazu lehrte Rambow als Professor an Hochschulen und Universitäten. Aktuell ist er Honorarprofessor an der Hochschule der Bildenden Künste Saar sowie Ehren- und Honorarprofessor an zwei chinesischen Universitäten.

Vor zwölf Jahren bezog Gunter Rambow mit seiner Familie das ehemalige Stadtpalais des Grafen von der Lühe am Güstrower Domplatz, in dem Wallenstein während seiner Regentschaft das Hofgericht untergebracht hatte. Mit dem Umzug von Frankfurt/Main kehrte Rambow, der 1938 in Neustrelitz geboren wurde, zu den Wurzeln seiner Kindheits- und Jugendzeit zurück.

Zunächst in Bützow lebend – sein Vater war Justizoberinspektor –, kam Gunter Rambow nach dem Tod seiner Eltern nach Güstrow. In der damaligen Kerstingschule absolvierte er die Grundschule bis zur 8. Klasse. „Am 4. Juli 1954, als Deutschland in Bern Fußballweltmeister wurde, verbrachte ich meinen letzten Tag in Güstrow“, erinnert er sich. Danach übersiedelte er nach Hessen, wo sein als Vormund eingesetzter Bruder lebte.

Im ehemaligen Stadtpalais arbeitet der Künstler seit 2002 gemeinsam mit seiner Frau Angelika Eschbach-Rambow. 2009 gründete Rambow das Institut für Visuelle Kommunikation und betreibt im Erdgeschoss seines Hauses eine Plakatgalerie.



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