bützow : Wege aus der Schuldenfalle

Seit 23 Jahren ist Astrid Peters Schuldnerberaterin in Bützow. Träger ist der Arbeitslosenverband.
Seit 23 Jahren ist Astrid Peters Schuldnerberaterin in Bützow. Träger ist der Arbeitslosenverband.

Beratung des Arbeitslosenverbandes: 85 neue Klienten im vergangenen Jahr aufgenommen

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13. Januar 2016, 10:00 Uhr

Die Wirtschaftsdaten in Deutschland sind so schlecht nicht. Doch der Aufschwung kommt in Bützow nicht an. „Ich jedenfalls merken davon hier leider nichts“, sagt Astrid Peters von der Schuldnerberatung in Bützow. Sie habe den Eindruck, es würden noch mehr Menschen, die in die Schuldenfalle geraten. Bei Astrid Peters finden diese Menschen – derzeit sind es etwas mehr als 300 – einen Weg zurück in ein Leben ohne Schulden. Doch dieser ist mühsam und hart. „Das mache ich auch jedem deutlich, der zu mir kommt“, so die Finanzexpertin.

Allein im vergangenen Jahr habe sie 85 neue Klienten aufnehmen müssen. „Sie haben Schulden von insgesamt rund 1,3 Millionen Euro“, erzählt Astrid Peters. Das heißt zugleich, allein für diese Fälle musste die Schuldnerberaterin Kontakt zu 824 Gläubigern aufnehmen.

Die Gründe, warum jemand in die Schuldenfalle gerät, sind vielschichtig. Einen sieht Astrid Peter unter anderem in dem geringen Lohnniveau. „Wir leben hier in einem Flächenland. Viele, die zur Arbeit wollen, benötigen ein Auto. Doch bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro bleibt am Ende wenig oder gar kein Geld übrig“, erklärt Astrid Peters. Erst kurz vor dem Jahreswechsel sei ein junger Mann zu ihr gekommen. „Er war schon einmal vor sieben Jahren bei mir. Er hatte damals rund 5000 Euro Schulden, ließ sich beraten.“ Doch er sei nicht wieder gekommen. Er fand Arbeit, meinte, das Problem selbst in den Griff zu bekommen. Doch da irrte er sich. „Heute hat er rund 20 000 Euro Schulden. Er hat ein Gehalt von 835 Euro Netto.“

Deshalb sei ihr wichtig, dass Menschen rechtzeitig zu ihr kommen und sich professionell helfen lassen. „Ich brauche nur einmal auf den Kontoauszug schauen und erkenne das Einkaufsverhalten“, sagt Astrid Peters. Da werde Geld abgehoben und am gleichen Tag mit der EC- oder Kreditkarte der Lebensmitteleinkauf bezahlt. Den Menschen werde es zu einfach gemacht und sie haben nicht gelernt, mit Geld umzugehen, in einer Zeit der Geldkarten, Kredite und des Onlinehandels. Letztendlich seien Menschen, die in Schulden geraten, auch ein „Produkt der Gesellschaft“, sagt Peters.

Es seien nicht mehr die klassischen Schulden wie zum Beispiel Miete oder Energiekosten. Die machen zum Beispiel bei den 85 neuen Klienten des vergangenen Jahres nur zehn Prozent der gesamten Schuldensumme aus. Doch allein 440 000 der insgesamt 1,3 Millionen Euro seien Bankkreditschulden.

Doch wer den Weg zu Astrid Peters in die Beratungsstelle in der Bahnhofsstraße (ehemaliges Verwaltungsgebäude Bützow-Land) findet, der kann sicher sein, dass ihm geholfen wird. Sie zeigt ihren Klienten Wege auf, wie sie ihre Ausgaben entsprechend ihrer zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel in den Griff bekommen. So konnte Astrid Peters im vergangenen Jahr 90 Klienten aus der Betreuung entlassen, weil mit deren Gläubigern ein Vergleich ausgehandelt werden konnte. Doch das klappt nicht immer.

Bei 90 Prozent der Klienten bleibt nur den Weg in die private Insolvenz. Das heißt fünf bis sechs harte Jahre, in denen sie diszipliniert mit Geld umgehen müssen. Umso mehr freut sich Astrid Peters, die seit nunmehr 23 Jahren als Schuldnerberaterin beim Arbeitslosenverband tätig ist, dass 95 Prozent diese Zeit der Privatinsolvenz erfolgreich meistern und am Ende die Restschuldbefreiung bekommen. „Der Weg der Privatinsolvenz ist ein hartes Brot, jedoch erkennen die meisten, dass am Ende die Perspektive eines Leben ohne Schulden steht“, so Astrid Peters.

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