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Bützower Zeitung

11. Dezember 2017 | 06:27 Uhr

Denkmalschutz in MV : Was wird aus Markt 30?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Kreisstadt will das Haus des hier geborenen Kaschubenforschers Dr. Friedrich Lorentz retten.

svz.de von
erstellt am 03.Sep.2014 | 18:33 Uhr

Das Feuer am 14. August brannte das Haus Nummer 29 am Markt nieder, auch das Haus Nummer 30 wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Noch ist die Brandursache nicht geklärt, vermutet wird Absicht.

In der benachbarten Nummer 30, aus der sich eine Familie mit knapper Not retten konnte, besteht Einsturzgefahr. Dem im Grundbuch noch eingetragenen Eigentümer hat die Bauaufsicht angeordnet, die Standfestigkeit des Hauses durch Sachverständige prüfen zu lassen; vorher darf niemand die Brandruine betreten. Doch während die Nummer 29 bereits abgetragen ist und komplett neu gebaut werden muss, versucht die Stadt vom Nachbargebäude wenigstens die Fassade zu retten.

Drei Jahre erst ist es her, dass der inzwischen gestorbene Denkmalexperte Jürgen Höhnke die Klassikfassade unter den zehn wertvollsten der am stärksten gefährdeten historischen Häuser in der Güstrower Innenstadt einordnete. Ein Modernisierungsgebot der Stadt dem Eigentümer gegenüber vor einiger Zeit hatte nicht die erhoffte Wirkung, das Äußere des Gebäudes erscheint seit Jahren als Schandfleck im Komplex rund um die Pfarrkirche. Als dann vor kurzem der Eigentümer wechseln sollte, legte die Stadt ihr Veto ein, um vom Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen. Der dadurch ausgelöste Rechtsstreit sei inzwischen beigelegt, informiert 1. Stadtrat Andreas Brunotte auf SVZ-Nachfrage. Nun warte man nur noch auf die Ausfertigung des endgültigen Beschlusses durch das Verwaltungsgericht. „Die wunderschöne Fassade hat uns bewogen, dieses Haus anzukaufen“, erklärt Brunotte das Ansinnen der Kommune. Auch jetzt, nach dem Brand, sei die Stadt „gewillt, alles zu tun, um das Gebäude, zumindest aber die Fassade, zu erhalten“, sagt der Stellvertreter des Bürgermeisters. Spät – und unter leider unglücklichen Umständen – könnte dann auch ein ganz besonderer Güstrower die geeignete Würdigung erfahren. Das Haus Nummer 30, damals die Nummer 82, war nämlich das Geburtshaus von Friedrich Lorentz.


Glanzlose Fassade eines wertvollen Hauses


Am 28. Dezember 1870 hier zur Welt gekommen, wirkte der Sprachforscher vorwiegend in der Umgebung von Danzig. Die Sprache und Gemeinschaft der Kaschuben waren sein Metier. Er verfasste Rechtschreibregeln, referierte über die Grammatik, fasste die Geschichte der kaschubischen Sprache in Buchform. Mit seiner Arbeit hat sich der Güstrower bei den Kaschuben ins Geschichtsbuch geschrieben und genießt hohe Anerkennung, wie die SVZ vor neun Jahren (29. 7. 2005) darlegte.

Der Kulturbund hatte damals die Sanierung der Fassade am Geburtshaus von Friedrich Lorentz gefordert, um den 70. Todestag des Güstrower Forschers würdigen zu können. Am 29. März 1937 starb Lorentz in Zoppot. Doch eine Gedenktafel etwa, wie an verschiedenen Häusern in der Innenstadt zu sehen, hatten die Initiatoren bei dem bisherigen Zustand des Fassade abgelehnt.

Jetzt also gibt es neue Hoffnung. Vielleicht gibt es ja zum 80. Todestag des berühmten Güstrowers eine neue Chance zu angemessener Würdigung. „Für uns Kaschuben ist er ein hervorragender Patron gutnachbarschaftlicher Kontakte zwischen Polen und Deutschen“, sagte die polnische Slawistik-Professorin Hanna Taborska auf einer wissenschaftlichen Tagung der Universität Gdansk vor Jahren, die sich dem Leben und Wirken des Güstrowers widmete.

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