Bützow : Was macht Heimat aus?

Heimat: Andrea Theis und Sara Klapp (von rechts) haben zu diesem vielschichtigen Begriff mit Gabriele Kiefert (links) auf dem Markt gestartet. Auch an den nächsten drei Dienstagen sprechen sie mit Bützowern darüber, was für sie Heimat ausmacht.
Heimat: Andrea Theis und Sara Klapp (von rechts) haben zu diesem vielschichtigen Begriff mit Gabriele Kiefert (links) auf dem Markt gestartet. Auch an den nächsten drei Dienstagen sprechen sie mit Bützowern darüber, was für sie Heimat ausmacht.

„Heimat – lost and found“: Gespräche während des Wochenmarkts.

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08. Mai 2019, 12:00 Uhr

Bützow | Auf dem weißen, runden Tisch sind mit pinkfarbenen Worten Erläuterungen des Begriffs Heimat zu lesen. Alle treffen zu, doch für den einen Menschen manche Erläuterungen mehr, für einen anderen Bützower weniger. Der Tisch steht vor dem Bützower Rathaus. Um 8 Uhr bereits, pünktlich zu Beginn des Markts, hatten ihn Andrea Theis und Sara Klapp aufgestellt.

Sara Klapp freut sich. „Rund ein Dutzend Bützower haben sich zu uns an den Tisch gesetzt und etwas zum Begriff Heimat gesagt“, zieht sie gegen Mittag Bilanz. Und Andrea Theis fügt hinzu, dass es morgens ganz schön kühl gewesen sei.

Die beiden nähern sich seit Anfang des Jahres auf künstlerische Weise dem Großprojekt „Heimat – lost and found – Geschichten vom Weggehen, Ankommen und Hierbleiben“ des Krummen Hauses. Dort bleiben sie aber nicht, sie gehen auch da hin, wo sich die Bützower begegnen – etwa auf dem Markt.

Damit ein lockerer Einstieg ins Thema gelingt, können Bützower bis zu fünf Spielkegel auf die Umschreibungen setzen, die für sie am ehesten den Begriff Heimat verdeutlichen. Gemeinschaft, Vertrautheit, Freunde oder doch eher Geborgenheit? Mehr als 30 Aspekte des Begriffs Heimat stehen zur Auswahl.

„Eine Phase im Leben“: Das findet Gabriele Kiefert passend. Denn sie hat Bützow vor der Wende erlebt, hat dann mit ihrem Mann die Ausreise beantragt und ist zwei Jahre später in den Westen gegangen. Die Zahntechnikerin und der Automechaniker kamen mit dem kalten Wasser, in dem sie sich wiederfanden, gut zurecht. Eine Zeit lang haben sie im Schwarzwald gelebt, sind dann aber wieder nach Bützow zurückgekehrt. Warum? Zum einen fühlte sich Gabriele Kiefert als Nordlicht nicht so ganz wohl, als sie von redefreudigen Süddeutschen umgeben war. Andererseits kehrten die Kieferts an denselben Ort an der Warnow zurück, weil sie hier günstig Land kaufen konnten.

Einen roten Kegel setzt die 64-Jährige auf „Verstehen und verstanden werden“. Denn die heute in Rühn wohnende Frau erinnert sich noch gut, dass sie damals oft hörte: „Jetzt ist die Grenze auf, und Ihr seid wieder da.“ Darauf habe sie geantwortet: „Nein, anders herum: Wir haben den Mund aufgemacht. Deshalb ist die Grenze jetzt offen.“

Diese Äußerungen findet Andrea Theis außerordentlich spannend. Zeigen sie doch, dass auch Zeit und Raum großen Einfluss auf das Heimatgefühl haben können.

Aufgefordert, drei Elemente des eigenen Heimatbegriffs zu nennen, antwortet Gabriele Kiefert so: „Rapsfelder, die Ostsee und der Ort, an dem die Kinder sind.“

Noch drei Mal werden sich Andrea Theis und Sara Klapp mit Bützowern im Mai an den Klapptisch auf den Marktplatz setzen, immer dienstags wenn Markttag ist von 8 bis 13 Uhr. „Die dialogische Situation regt alle an“, beschreibt Andrea Theis das bisherige Ergebnis und ergänzt: „Ich möchte erst einmal sammeln wie ein Eichhörnchen.“ Sie und ihre Kollegin schreiben wichtige Äußerungen ihrer Gesprächspartner mit und fertigen Gedächtnisprotokolle an. In einem weiteren Schritt geht es dann um die künstlerische Umsetzung.

Zunächst aber will Andrea Theis die Aktion auf dem Bützower Marktplatz den Mai über fortführen. Der Auftakt gestern war auf jeden Fall vielversprechend.

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