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Bützower Zeitung

21. August 2017 | 04:28 Uhr

Landwirtschaft : Warten auf Sonnenstrahlen

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

In der Agrarhöfe Göllin/Laase GbR in Baumgarten hat die Getreideernte begonnen / Regen zwang nach einigen Tagen zur Pause

Skeptisch blickt Günter Wegner in den Himmel. Der immer noch heftige Wind treibt Wolken vor sich her. Zwischen ihnen lässt sich zwar auch die Sonne blicken, doch die Mähdrescher können noch nicht wieder aufs Feld. „Nach dem letzten Regen ist es noch zu nass“, erklärt Günter Wegner. Gemeinsam mit Manfred Bissa betreibt er die Agrarhöfe Göllin/Laase GbR in Baumgarten. Wegner ist für die Pflanzen verantwortlich, Bissa für die Tiere.

„Wir haben bereits am 1. Juli mit der Ernte der Wintergerste begonnen, so früh, wie nie zuvor“, so Günter Wegner. Vor 1990 habe man erst um den 20. Juli begonnen zu ernten, in den vergangenen etwa sieben Jahren um den 5. bis 10. Juli. „Der immer frühere Erntebeginn ist auch auf den Klimawandel zurückzuführen. So dauerte die Vegetationsphase im vergangenen Jahr bis in den Dezember, so dass die Pflanzen auf dem Feld nicht aufhörten, zu wachsen“, blickt Günter Wegner zurück. Eine Folge: Das Getreide ist im folgenden Sommer früher erntereif.

Eigene Mähdrescher haben Günter Wegner und Manfred Bissa nicht. „Wir lassen dreschen“, sagt Wegner. Die drei Mähdrescher dafür kommen aus der Agrar-Produktionsgenossenschaft Klein Sien.

Insgesamt haben Wegner und Bissa 740 Hektar (ha) landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 520 ha Ackerland. Der Rest ist Weideland. Auf 80 ha ist Wintergerste angebaut. Auf nicht ganz einem Drittel davon war bis Mitte dieser Woche die Ernte eingebracht. Dann musste man das Dreschen unterbrechen. Günter Wegner: „Das Getreide hat derzeit eine Feuchtigkeit von 17 bis 18 Prozent. Erst bei 14,5 Prozent Feuchtigkeit des Korns kann geerntet werden.“ Hintergrund auch: Bei einer zu feuchten Lagerung des Korns droht Pilzbefall. „Wir brauchen jetzt Sonne“, sagt Günter Wegner. So nutzt er die Pause auch, um draußen auf dem schon abgeernteten Feld nach den dort zwischengelagerten Strohballen zu sehen. Die werden später eingemietet. Das Stroh wird dann im Stall als Einstreu für den Boden oder Futter für die Rinder verwendet, die Manfred Bissa und Günter Wegner in ihrem Landwirtschaftsbetrieb halten.

Die Erträge bei Wintergerste werden in diesem Jahr bei 48 Dezitonnen (dt) pro Hektar und damit unter dem Durchschnitt der letzten drei Jahre (über 70 dt) liegen. Günter Wegner: „Nach der langen Vegetationsperiode im Dezember hatten wir dann im Januar einen plötzlichen Temperatursturz auf bis zu minus 15 Grad Celsius. Weil die Getreidepflanze praktisch keine Zeit hatte, sich auf den Frost vorzubereiten, sind viele Triebe erfroren. Dazu kam eine Trockenperiode von März bis Mai, in der monatlich nur rund 30 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gefallen sind, normal wären 60 bis 70 Liter gewesen. Das alles trägt dazu bei, dass die Erträge niedriger ausfallen.“

Für die Landwirte keine zufrieden stellende Situation, zumal es derzeit auf dem Markt für eine Dezitonne Wintergerste nur 12,50 Euro gibt. 2015 waren es noch 16 Euro. „Diese Entwicklung ist im Moment nicht nachvollziehbar“, so Günter Wegner. Sagt’s und schaut auf das gegenüberliegende Maisfeld.

Denn neben Getreide baut der Betrieb auch Winterraps, Lupine und Silomais an. „Der Mais steht in diesem Jahr gut“, so Wegner und blickt erneut zu den Wolken, zwischen denen jetzt immer öfter die Sonne zu sehen ist.

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erstellt am 07.Jul.2016 | 21:00 Uhr

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