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aus dem bauausschuss : Warnow bleibt ein Streitthema

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Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Bützower beklagen zunehmende Verschlammung des Flusses und des Hafens./ Experten sehen Fließgewässer in einem guten Zustand.

svz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 18:16 Uhr

Wenn zwei von der gleichen Sache sprechen, meinen sie nicht immer das gleiche. Beim Thema „Zustandsbericht über die Warnow“ wird das deutlich. Eingeladen dazu waren Dr. Ricarda Börner und Oliver Ohde vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu MM) in den Bauausschuss. Doch wer eine klare Aussage erwartete, wie der zunehmenden Verschlammung der Warnow entgegengewirkt werden kann, der wurde enttäuscht.

Bereits seit Jahren beklagen Bützower, insbesondere Anlieger entlang des Altarmes der Warnow zwischen Fritz-Reuter-Straße und Mühle, dass die Warnow immer mehr verschlammt. Eine Tendenz, die sich vermeintlich verstärkt und auch im Bützower Hafen sichtbar wurde. „Ich habe dieses Jahr dort des Öfteren gebadet“, erzählte Stadtvertreter Burkhard Beck (SPD) bereits im Sommer. Beck hat in der Nähe ein Grundstück, und nutzt die Möglichkeit, in der Warnow zu schwimmen. „Doch teilweise betrug die Wassertiefe nur noch 75 Zentimeter“, so Beck. Hinzu kam, dass nach dem Tornado im Bützower Hafen wochenlang der Bauschutt lagerte, und Teile davon sicherlich auch in der Warnow gelandet sind.

„Der Fluss ist nicht tot“

Zunächst schildert e Dr. Ricarda Börner den Ausschussmitgliedern, wie umfangreich und regelmäßig die Warnow zwischen Rostock und Bützow sowie im weiteren Verlauf bis nach Eickhof untersucht wird. Grundlage sei dabei die Europäische Wasserrahmenrichtlinie. Und anhand dieser Kontrollen könne man einschätzen, dass die Warnow „kein toter Fluss ist“, die Wasserqualität in Ordnung und der Durchfluss gegeben sei. Damit meinen die Experten, dass Fische im Fluss leben und auch wandern können.

Und genau da setzt Bürgermeister Christian Grüschow an. „Wenn wir vom Wasserzustand sprechen, sehen Sie die Warnow als Lebensraum“, wendet er sich an Börner und Ohde. „Unsere Perspektive ist eine andere.“ Die Bützower hätten das Gefühl, dass sich der Fluss mehr und mehr sich selbst überlassen wird. Jörg Krone (UBB) wird deutlicher: Es werde immer nur geschaut, dass es dem Fluss und den Tieren darin gut gehe. „Keiner fragt, wie geht es den Menschen an der Warnow. Das ist uns ein Dorn im Auge.“

Norbert Hinrichsen (Die Linke) beklagt, dass die „Aktivitäten am Fluss“, wie zum Beispiel die regelmäßige Entkrautung und Beräumung der Ufer nicht mehr so umfangreich betrieben wird. Dem widerspricht Oliver Ohde, als Dezernent für die Gewässerunterhaltung zuständig. „Im Juli erfolgt die erste Mahd und im Herbst die Sol- und die Böschungskrautung.“ Das sei auch in diesem Jahr so gewesen. Und dabei seien auch Schadstoffe, die durch den Tornado in der Warnow landeten, an Land geholt worden. Das könnte man auch bei den Arbeiten 2016 noch einmal genauer ins Auge fassen

Vorschlag: Wehrtafeln an der Mühle heben

Doch das alles ist keine Lösung für zunehmende Verschlammung der Warnow. Die steht im engen Zusammenhang mit dem Neubau des neuen Wehres Anfang der 1970er-Jahre. Damit seien die Fließverhältnisse verändert worden, im Interesse des Hochwasserschutzes. Es komme zu wenig Wasser durch den Altarm bis zur Mühle, sehen die Bützower die gravierendste Ursache. Dass der Wehrbau zu „überdimensioniert“ war, räumt auch Ricarda Börner ein, lässt aber keinen Zweifel daran, dass es unabdingbar für den Hochwasserschutz war. Andererseits sei dem mit dem Neubau der neuen Mühlenschleuse etwas entgegensetzt worden. Das wird in Bützow bezweifelt. Man habe das in den zurückliegenden Jahren sehr genau aufgezeichnet, erklärt Börner. Die entsprechenden Zahlen könne sie zur Verfügung stellen.

Am Ende gab es aber noch einen kleinen Lichtblick. Warum lässt man an der Mühle das Wasser über die Schleusentore laufen anstatt die Schleusentore zu heben, fragt Norbert Hinrichsen. Denn dadurch könne doch das Wasser mit einem ganz anderen Druck in den Hafen laufen und somit Ablagerungen wegtransportieren? Eine Antwort gab es nicht. Doch Oliver Ohde nahm diesen Hinweis mit, wolle das prüfen lassen.

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