Der Hafen von Bützow : Wall einst Promenade für Studierende

<strong>Diese Postkarte aus</strong> dem Jahr 1918 zeigt den Wall mit Blick auf das Rostocker Tor. Die kleinen Türmchen vom Stadteingang sind   gut zu erkennen. <repro>Schmidtbauer</repro>
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Diese Postkarte aus dem Jahr 1918 zeigt den Wall mit Blick auf das Rostocker Tor. Die kleinen Türmchen vom Stadteingang sind gut zu erkennen. Schmidtbauer

Der Baubeginn für die Hafenpromenade ist in greifbare Nähe gerückt, und da lohnt es sich, einen Blick in die geschichtliche Entwicklung von Wall und Hafen zu werfen.

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01. Juni 2012, 05:40 Uhr

Bützow | Die Bützower Stadtbefestigung bestand aus einer Mauer bzw. aus Palisaden und einem Wassergraben, den wir uns früher wesentlich breiter und tiefer als das heutige Rinnsaal vorstellen müssen. Postkarten aus dem ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts vermitteln annähernd ein Bild des damaligen Zustandes.

Der Bützower Wall hatte die Aufgabe, das Wasser des Stadtgrabens vor dem Auslaufen in die tiefer gelegenen Wiesen zu bewahren.

Jeder wurde zur Pflege mit herangezogen

Im und nach dem Dreißigjährigen Krieg hatte Bützow als "fester Platz", wie die damalige Bezeichnung lautete, seine Verteidigungsanlagen ständig in Ordnung zu halten. 1638 war es beispielsweise erforderlich, das Fundament des Walls an der Mühle mit 40 eichenen Balken zu verstärken, damit er nicht weiter abrutschen konnte. Und in den folgenden Jahrzehnten musste viel Zeit aufgewendet werden, um die Brücken, Mauern und Palisaden sowie die sogenannte "Mittelschanze" vor dem Rostocker Tor wieder und wieder zu reparieren.

Sowohl die Bützower Bürger als auch fürstliche Untertanen aus den Ämtern Rühn, Wann und Doberan wurden zur Arbeitsleistung heran gezogen. Das war für sie eine ständige Belastung, deren Nutzen von der fortschreitenden Kriegstechnik mehr und mehr in Frage gestellt wurde.

Weidendes Vieh wurde totgeschossen

Die Bützower sahen den Wall nicht vorrangig als Teil der Befestigung an. Bereits 1603 hatte Herzog Ulrich der Stadt das Privileg erteilt, die Hölzung "so auf dem Wall stehet zu fällen". 1714 verbot jedoch der Kommandant der Garnison, Obrist v. Kohihans, jede Nutzung des Walles, und "So concedirte [erlaubte] Er auch keinem auff dem Wall zu gehen geschweige denn Holz zu fällen." Die Bürger hatten es sich angewöhnt, dort auch Vieh weiden zu lassen. Kohlhans ließ es, "so es nur den Wall berühret", totschießen und drohte, er würde "fort fahren mit solcher extremitet, dass Vieh darauffTodt zu schießen, wie Er angefangen."

Um die nach Meinung des Obersten eingerissenen Missstände einzudämmen, wurde 1718 Ulrich Eichbaum als militärischer "Constapel und Wallmeister zu Bützow" eingesetzt. Es ist allerdings nicht bekannt, wie lange und wie wirksam er tätig war und ob er später einen Nachfolger erhielt.

Es scheint jedoch, als ob die Drohung des Oberst v. Kohihans und die Aufsicht durch den Wallmeister auf Dauer wenig genutzt hätten. 1744 beschwert sich der damalige Garnisonskommandant v. Dobeneck über die "bößliche und gottlose imputationes" von Bützower Bürgern. Nicht nur, dass täglich Steine aus der Mauer wegkämen, die Bürgerschaft hätte auf dem Wall vom Rostocker Tor zum Rühner Tor, wo die Eichen stünden, auf beiden Seiten viele Weiden gesetzt.

Oberstlieutenant v. Dobenecks Beschwerde hatte einen persönlichen Hintergrund. Da wegen der Anpflanzungen weniger Gras auf dem Wall wachsen konnte, fanden Dobenecks fünf Kühe und seine Schafe, die er dort weiden ließ, zu wenig Futter.

Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts standen die drei Bützower Stadttore noch. Wenn auch Teile der Mauer eingefallen und Steine daraus heimlich entfernt und beim Bau von Häusern verwendet worden waren, umschlossen Wall und Stadtgraben unsere Stadt noch immer und boten einen gewissen Schutz vor marodierenden ehemaligen Soldaten, die es im Siebenjährigen Krieg nach Mecklenburg verschlagen hatte.

Im Jahre 1760, also noch während dieses Krieges, wurde die Universität Friedericiana in Bützow eingerichtet. Unter den Professoren war die Begeisterung über Bützow als Universitätssitz geteilt: Während Professor Mantzel die Möglichkeiten in Bützow euphorisch lobte, bezeichnete Professor Aepinus unsere Stadt als den "schlechtesten und unansehnlichsten Ort, der zu einer Verbeßerung gewis nur sehr wenig Hoffnung gebet." Um die Stadt ansehnlicher zu machen, ihr etwas vom "Flair" Rostocks zu verschaffen, schlug Professor Döderlein bereits am 8. September 1760 der herzoglichen Regierung vor, den inzwischen militärisch nutzlosen und "mit Dornen und Hecken" bewachsenen Wall zu roden und ihn mit "schattigen Bäumen" zu besetzen, wodurch eine schöne Promenade für die Studierenden entstehen würde.

Bereits am 9. Oktober forderte die Regierung einen Kostenvoranschlag an und stimmte schließlich dem Plan zu. Der Amtmann in Rühn wurde angewiesen, mit Prof Schreber wegen der Bepflanzung Rücksprache zu nehmen, jedoch stand die Ausfiihrung dieses Planes unter keinem guten Vorzeichen.

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