Bützow : Wahrzeichen will Stimme zurück

Zum fünften Mal spielte Andreas Pasternack mit seiner Band in der Stiftskirche. Knapp 2000 Euro kamen dabei zusammen, die der Förderverein der Stiftskirche benötigt, um neue Glocken für Bützows Wahrzeichen anzuschaffen.
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Zum fünften Mal spielte Andreas Pasternack mit seiner Band in der Stiftskirche. Knapp 2000 Euro kamen dabei zusammen, die der Förderverein der Stiftskirche benötigt, um neue Glocken für Bützows Wahrzeichen anzuschaffen.

Förderverein Stiftskirche Bützow plant Anschaffung drei neuer Glocken und ist auf Spenden angewiesen. Konzert brachte 2000 Euro

svz.de von
10. Januar 2018, 12:00 Uhr

Er komme immer wieder gern nach Bützow in die Stiftskirche, sagte Andreas Pasternack. Vor allem, weil die Kirche von Mal zu Mal schöner werde. Der Entertainer, Saxophonist und Sänger begeisterte zum fünften Mal die Besucher beim Neujahrskonzert. Pasternack hat also zumindest über fünf Jahre die Fortschritte während der Sanierungsarbeiten in der Stiftskirche verfolgen können. Diese dauern aber bereits mehr als 20 Jahre an. Aber nicht nur das Erscheinungsbild der Stiftskirche wird auf Vordermann gebracht. Der Förderverein der Stiftskirche möchte außerdem neue Glocken beschaffen. Das Wahrzeichen Bützows will seine Stimme zurück.

Wenn die Sanierung abgeschlossen ist, „wird sich das wichtigste Denkmal der Stadt wieder würdig präsentieren und allen Besuchern als Ort des Glaubens und der lebendigen Geschichte offen stehen“, heißt es in einem Flyer, der für die Konzertgänger am Sonntag bereit lag. „Aber etwas wird fehlen – ein vollständiges und klangvolles Geläut.“ Lebendige Geschichte heißt nämlich auch, dass selbige Folgen hatte, die sich noch heute auswirken. Die Kriege im vorigen Jahrhundert haben der Stiftskirche die Stimme geraubt. Drei von vier Glocken wurden eingeschmolzen und der Kriegsmaschinerie zugeführt. In Zeiten ohne Internet und Smartphones signalisierten die Glocken den Menschen, dass Gottesdienste stattfinden, sie warnten aber auch vor Feuer und Gefahren.

Nach den Kriegen verblieb von den vier Glocken nur noch die Wächterglocke. Sie stammt aus dem Jahr 1486 und wurde von einem unbekannten Gießer hergestellt, der namentlich nicht bekannt ist, lediglich sein Gießerzeichen hinterließ.

Der geschichtsträchigen, unter Denkmalschutz stehenden Wächterglocke stehen seit 1955 Ersatzglocken zur Seite. Klanglich haben diese mit den Originalen nichts zu tun.

Und genau das will der Förderverein Stiftskirche ändern. Doch es fehlt an Geld. Mit 120 000 Euro wird kalkuliert, die für drei neue Glocken samt Einbau und Elektrik nötig werden. „Der Metallpreis schwankt aber“, sagt Rainer Bold vom Förderverein. Die Glocken aus sogenanntem Glockenbronze setzen sich aus 78 Prozent Kupfer und 22 Prozent Zinn zusammen, Metallen die wie alle anderen preislichen Schwankungen unterliegen. Der Verein hätte das Metall bereits kaufen können. Da die Preisentwicklungen jedoch zu spekulativ sind, sah der Verein davon ab, erklärt Boldt. Das Material und das Anfertigen der Glocken mache in etwa ein Drittel oder die Hälfte der Kosten aus, erklärt Boldt. Der Rest ist für den Einbau und die Technik. Für den Glockengießer ließ sich der Förderverein Empfehlungen der Landeskirche geben. „Es geht neben dem Gießen ja auch um den Einbau und die Stimmung der Glocken“, so Boldt.

Die Gestaltung der neuen Glocken hat der Förderverein nicht selbst in der Hand. Denn die Kirchengemeinde wird Eigentümer. Und wie sollen sie aussehen? Den genauen Fahrplan wolle man im Februar besprechen, sagt Matthias Röse, 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderats der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bützow. Es sollen aber die Mitglieder der Kirchengemeinde einbezogen werden. Auch wenn noch nichts Konkretes feststehe, verrät Röse so viel: „Auf jeden Fall wird es einen sakralen Bezug geben. Und vielleicht auch ein Gedenken an den Tornado.“

Bis sich um die Gestaltung Gedanken gemacht werden können, ist es allerdings noch ein weiter Weg. Etwa 50 000 Euro sind bereits in der Spendenkasse. Laut Rainer Boldt gebe es eine breite Spendenbereitschaft. Es gebe Privatleute, die das Anliegen teilweise mit 1000 Euro unterstützen, aber auch Menschen, die das abgeben, was sie können und wollen. Von einem „tollen Ergebnis“ bislang spricht Boldt. Allein nach dem Neujahrskonzert mit Andreas Pasternack kamen weitere 2000 Euro aus Spenden, Glühweinverkäufen und Überschüssen des Kartenverkaufs auf das Konto.

Da die Glocken anders als die Sanierungsarbeiten nicht förderfähig sind, werden aber noch weitere Spenden – ganz egal ob große oder kleine – benötigt. „Nun ist es an der Zeit, der Stiftskirche ihre ursprüngliche Stimme zurückzugeben!“, heißt es auf dem Flyer zu den Glocken weiter.

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