Laage : Vorrangig dem Gewissen verpflichtet

Seit 1990 ist Karin Schmidt Mitglied des Kreistages. Eine weitere Legislaturperiode will sie gern anhängen.
Seit 1990 ist Karin Schmidt Mitglied des Kreistages. Eine weitere Legislaturperiode will sie gern anhängen.

Starke Frauen – heute: Frauen in der Politik – Karin Schmidt aus Laage mischt seit 1990 mit

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04. März 2019, 21:36 Uhr

Nach fast 30 Jahren in der Kommunalpolitik – zwischenzeitlich auch in der Landespolitik – hat Karin Schmidt (Die Linke) vielleicht kurz überlegt, ob sie bei den Kommunalwahlen im Mai wieder antritt. Ihre Entscheidung: Sie wird wieder für den Kreistag und die Stadtvertretung Laage kandidieren. Die 63-jährige Laagerin gehört zu den starken Frauen in der Politik. Sie war Kreistagspräsidentin, Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag und in der Laager Stadtvertretung. „Der weibliche Blick auf die Dinge, der ein bisschen anders ist als der von Männern, ist in der Politik unverzichtbar“, formuliert Karin Schmidt.


Anstrengende Jahre nach der Wende

Für sie war es nie wirklich eine Frage sich politisch zu engagieren. 1990 habe sie kandidiert, weil sie sich mit ihrer DDR-Vergangenheit „nicht klein machen wollte“, auch ihrer Sicht nicht alles so verkehrt gewesen sein konnte. Ihrer SED-Mitgliedschaft folgten die PDS und Die Linke. „Bis heute ist es für mich der Einsatz für eine friedliche und gerechte Gesellschaft, die für alle zugänglich ist“, sagt die Lehrerin am Recknitz-Campus Laage. Sie erinnert sich an sehr anstrengende Jahre zu Beginn. „Als PDS-Fraktion waren wir erstmal an allem Schuld“, erklärt sie. Und relativ schnell habe sie sich auch in dem Klischee gesehen, als Frau dreimal so viel wie die Männer leisten zu müssen, um Anerkennung zu erlangen.

In den beiden Legislaturperioden als Kreistagspräsidentin habe sie viel, viel Zeit investiert, um für alles gewappnet zu sein. Und natürlich sei es nicht einfach gewesen als Mutter von drei Kindern, die am Wochenende nach Greifswald fuhr, um als Lehrerin ihr Fach Staatsbürgerkunde durch Geographie ersetzen zu können. „Ich hatte oft ein schlechtes Gewissen“, sagt Karin Schmidt.


Kommunal besser ohne Parteipolitik

Positiv erinnert sie sich daran zurück, dass in den 1990er-Jahren noch echte Meinungsbildung im Kreistag stattfand. Später sei Parteipolitik in den Vordergrund gerückt. Das mache den Kreistag in seinen Entscheidungen vorhersehbar. Die Chancen eines Antrages hängen weniger von seinem Inhalt ab, sondern mehr davon, welche Fraktion ihn eingebracht hat, erklärt Schmidt. Horcht sie in sich hinein, könne sie nicht ohne Stolz sich selbst bescheinigen, dass sie immer ihrem Gewissen gefolgt sei. Erinnert sei daran, dass sie im Landtag in einer rot-roten Regierungszeit gegen die Kreisgebietsreform 2011 gestritten und gestimmt hat. Damit war sie für ihre Partei auf Landesebene erledigt. „Ich propagiere schon lange für einen Verzicht von Parteipolitik auf kommunaler Ebene. Jeder Politiker sollte seinem Gewissen verpflichtet sein, so wie es im Grundgesetz steht“, betont die 63-Jährige. In vielen Gemeinden mit Wählergemeinschaften und Einzelkandidaten würden wohltuend Themen bearbeitet.

Die Übermacht der Männer in der Politik könne Frauen durchaus abschrecken, denkt Schmidt. „Kinder und Job, dann im Landkreis noch die Fahrerei – da geht Lebenszeit drauf, die für die Familie fehlt“, sieht Schmidt einen weitere Grund für die politische Abstinenz von Frauen. Viel praktischer und konkreter sei dagegen das Engagement im sozialen Bereich, gleich ob Arbeiterwohlfahrt oder Volkssolidarität vor Ort. Dort würden Frauen mehr Anerkennung bekommen, was in der Politik unvergleichlich schwieriger sei. „In der Politik gibt es immer eine Gruppe, die Entscheidungen für schwachsinnig hält. Das muss man aushalten und das ist für Frauen anstrengend“, erklärt Schmidt, die, in Hoyerswerder geboren, mit dem Flugplatz, auf dem ihr damaliger Mann tätig war, 1984 nach Laage kam. Dennoch möchte sie ermuntern. Langfristig gesehen könne man in der Kommunalpolitik das Leben mitgestalten, Entscheidungen treffen, die eine Region lebenswert machen – als Mann und als Frau.

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