zur Navigation springen

Vorwurf der Tierquälerei in Güstrow-Klueß : Von der "Nerzfarm" zur "Nerzhölle"?

vom

Seit Jahren kämpfen Tierschützer für die Schließung der Nerzfarm in Güstrow-Klueß. Immer wieder gab es Proteste vor der Anlage sowie Strafanzeigen gegen die Betreiber von Seiten der Aktivisten.

svz.de von
erstellt am 25.Sep.2013 | 04:50 Uhr

Güstrow | Seit Jahren kämpfen Tierschützer für die Schließung der Nerzfarm in Güstrow-Klueß. Immer wieder gab es Proteste vor der Anlage sowie Strafanzeigen gegen die Betreiber von Seiten der Aktivisten. Der Vorwurf ist immer gleich: Tierquälerei. Jetzt der neueste Coup der Tierschützer, um sich wieder in Erinnerung zu rufen: Das Deutsche Tierschutzbüro mit Sitz in Köln fordert, die Bushaltestelle am Ortsausgang von Güstrow-Klueß an der Bundestraße 104 von "Nerzfarm" in "Nerzhölle" umzubenennen.

"Übersehen kann man diese Farm kaum, denn direkt davor befindet sich eine Bushaltestelle mit dem Namen ,Nerzfarm’. Das muss sich ändern", regt sich Stefan Klippstein, Sprecher des Deutschen Tierschutzbüros, auf. Und er wird noch konkreter: "Auf dieser Farm müssen tausende Nerze unter erbärmlichsten Umständen dahinvegetieren. Die Haltung ist nicht nur tierschutzwidrig, sondern auch illegal. Trotzdem machen die Betreiber einfach weiter und versuchen mit Rechtsmitteln, die Schließung ihrer Farm so lange wie möglich zu verschleppen, damit sie noch möglichst viel Geld auf Kosten der leidenden Tiere verdienen können. Es ist ein Skandal, dass ein solcher Betrieb auch noch eine eigene, nach ihm benannte Bushaltestelle hat."

Das Deutsche Tierschutzbüro appelliert deshalb an die Busgesellschaft "rebus" in Güstrow, ein Zeichen für den Tierschutz zu setzen. "Umfragen belegen, dass die Mehrheit der Bevölkerung echten Pelz entschieden ablehnt", so Klippstein, "daher ist die Umbenennung der Station Nerzfarm in Nerzhölle angemessen."

"Nerzfarm" oder "Nerzhölle"? Der Marketing-Leiter von "rebus", Thomas Nienkerk, bleibt gelassen. "Ich kenne das Anliegen der Tierschützer. Aber natürlich werden wir die Bushaltestelle nicht in ,Nerzhölle’ umbenennen", sagte er gestern auf SVZ-Nachfrage. Schon immer habe diese Haltestelle "Nerzfarm" geheißen, eben nach den örtlichen Begebenheiten. "Haltestellen sollen immer einen konkreten Bezug zum Ausstiegsort haben", erläutert Nienkerk. Dennoch: "Wir könnten uns vorstellen, die Haltestelle eventuell umzubenennen, um aus unserer Sicht einen neutralen Zustand herzustellen und die Neutralität unseres Unternehmens hervorzuheben", kommt er den Tierschützern einen Schritt entgegen.

Für Jürgen Brokamp, Präsident des Zentralverbandes Deutscher Pelztierzüchter, ist die Aktion des Deutschen Tierschutzbüros reine "Propaganda". "Totaler Quatsch", war gestern seine erste Reaktion. Naturgemäß weist er die Vorwürfe der Tierschützer gegen die Nerzfarm in Güstrow-Klueß kategorisch zurück. "Die Haltung der Nerze ist weder tierschutzwidrig, noch illegal. Sonst hätten die Behörden die Nerzfarm ja schon lange geschlossen. Allein dieses Jahr wurde die Güstrower Farm bereits dreimal vom Veterinäramt kontrolliert", sagt der Pelztierzüchter im Namen des Nerzfarm-Betreibers, eines Unternehmers aus Holland. Der klagt noch immer gegen die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die größere Käfige für die Nerze vorsieht. Noch seinen die Käfige in Güstrow nicht vergrößert worden, zunächst müsse das Gericht klären, ob ein Umbau der Käfige überhaupt notwendig sei, so Brokamp. "Das geht den normalen Rechtsweg und der dauert eben lange in Deutschland", sagt er. Brokamp lehnt die neue Verordnung ab, will die alten Käfiggrößen beibehalten. Er ist der Meinung, dass ein Umbau der Käfige den Tieren schade.

Immer wieder habe es bisher Strafanzeigen von Seiten der Tierschützer gegen die Güstrower Nerzfarm gegeben, zuletzt auch wegen Umweltverschmutzung. "Herausgekommen ist dabei bisher nichts", unterstreicht Brokamp. Die Zahl der Nerzfarm ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. In Mecklenburg-Vorpommern existieren nur noch zwei: in Güstrow und Wesenberg bei Mirow.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen