Bützow : Vom JVA-Beamten zum Aktionär

Schnell sollte es mehr werden. Ohne Zutun über Nacht. Der Schuss ging nach hinten los.
Schnell sollte es mehr werden. Ohne Zutun über Nacht. Der Schuss ging nach hinten los.

Schwere Vorwürfe gegen das Ministerium. LKA soll Treffen organisiert haben.

svz.de von
22. Juli 2014, 16:59 Uhr

Merkwürdige Dinge passierten in den Jahren 2003 bis 2005 in der Justizvollzugsanstalt Bützow.  In dem Strafverfahren gegen den Justizbeamten Roland R. (49)  wegen Bestechlichkeit und Vorteilsannahme  gab gestern der Zeuge Michael M.  Einblicke über die seltsamen Aktivitäten des damals wegen schweren Betruges  in der JVA einsitzenden Norbert W.

Als Prokurist der thüringischen Anlagenfirma CMC hätte er den Gefangenen regelmäßig besucht. Norbert W. hätte von der JVA aus die Anlagenfirma geleitet.

Er habe Kunden gesucht, die ihr Geld durch Aktienkäufe schnell vermehren wollten. Norbert W. habe sich ausgekannt und festgelegt, welche Aktien gekauft werden sollten. Gewinnausschüttung sollte alle 90 Tage sein. Es sei mit einer Rendite von 15 bis 30 Prozent operiert worden. Zu den großen Gewinnern dieses Anlagengeschäftes gehörte unter anderem  Artur B., der eine Zeit lang mit Norbert W. in einer Zelle saß. 

Zu den Kunden des bekannten Betrügers gehörten aber auch etliche Angestellte der JVA. Einer von ihnen, Dirk S.(43), war gestern als Zeuge geladen. Auf dem Flügel A der JVA habe  Norbert W.  kennengelernt.

Insgesamt habe er über 20 000 Euro eingezahlt, die er einem Mitarbeiter der Firma auf einem Parkplatz übergab. 10 000 Euro hätte er selbst beigesteuert,  das restliche Geld kam von zwei Kollegen aus der JVA. Ihnen sei eine Rendite von 100 Prozent versprochen worden.

Doch schon nach sechs Wochen sei er auf die Nase gefallen, weil eine Auszahlung der ersten Rendite durch einen ungedeckten Scheck platzte. Er hätte auch nicht nur das Geld von Kollegen eingezahlt, berichtete Dirk S., sondern auch seine Mutter und seinen Bruder animiert, sich mit 5000 Euro bzw. 4000 Euro an diesem Geschäft zu beteiligen.

Aber es kam gestern noch schöner: Der Justizbeamte berichtete über vier Treffen des Norbert W. mit Artur B. und Mitarbeitern des CMC in bekannten Warnemünder Hotels, die angeblich auf Weisung des LKA stattgefunden haben  und von Dirk S. begleitet wurden. Und weil das so gewesen ist, habe er sich auch nichts dabei gedacht, für Norbert W. zwei Handys in  die JVA zu schleusen. Dieser hätte ja im Zeugenschutzprogramm des LKA gestanden.

„Hat es sie nicht gewundert, dass gegen sie kein Disziplinarverfahren wegen der Nähe zu einem Häftling und des Einschleusens der Handys eingeleitet wurde“,  fragte der Vorsitzende Richter. „Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die ganze Sache vom Ministerium unter den Teppich gekehrt wurde!“

Der Angeklagte Roland R. wird beschuldigt, in den Jahren 2002/2003 über Mittelsmänner von dem bekannten Rostocker Rotlichtkönig Arthur B. Bestechungsgelder für das Einschleusen von Nachrichten, Handys und SIM-Karten in die JVA Bützow entgegengenommen zu haben. Die Anklage spricht von 15 000 Euro. Roland R. bestreitet den Vorwurf. Die 15 000 Euro würden aus einer Geldanlage beim CMC resultieren.

Der Prozess wird am 8. August mit der Zeugenbefragung von Tordis M., der Geldbotin und ehemaligen Verteidigerin von Artur B., fortgesetzt.

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