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Bützower Zeitung

21. November 2017 | 22:30 Uhr

Zernin : Vom Böttcher zum Alphornbauer

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Sepp Jazkowski baut sein eigenes anspruchsvoll konstruiertes Naturhorn

svz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Ein Alphorn aus Mecklenburg-Vorpommern? Das Instrument, das unabhängig des verwendeten Materials begründet mit der Technik der Tonerzeugung und dem Mundstück als Blechblasinstrument gilt, ist heutzutage nicht mehr nur in den Alpen verbreitet – und hat seinen Weg tatsächlich bis in den Norden gefunden. Eines davon sogar bis in die Werkstatt von Sepp Jazkowski.

Instrumentenbauer gibt es zwar viele, doch es gibt nur wenige, die sich an ein echtes Alphorn heranwagen. Kein Wunder: Das Holz muss makellos sein und das Aushöhlen des Rohres ist eine langwierige und ausdauernde Handarbeit. Doch Sepp Jazkowski sah in diesen Dingen eine handwerkliche Herausforderung. Zwar hat er eigentlich mal als Böttcher gearbeitet, doch konnte er einige seiner Fertigkeiten in den Bau seines ersten eigenen Alphorns einfließen lassen und hat eine ganz eigene Technik gefunden.

„Die Idee, ein Alphorn zu bauen, habe ich von Baldur Beyer aus Witzin, der schon sieben Exemplare angefertigt hat, bekommen. Auch wenn ich es nicht spielen kann, so hat mich das Instrument und seine Anfertigung so sehr fasziniert, dass ich eines bauen musste“, erzählt Sepp Jazkowski. „Früher hat man das Rohr aus einem einzigen Stamm einer Fichte gefertigt. Dadurch kam auch die unten abgebogene Form zustande, weil der Baum am Hang wuchs. Ich habe insgesamt fünf Teile, die ineinander gesteckt werden: Das Schallrohr, drei Zwischenrohre und das Mundstück. Hinzu kommen die Metallhülsen als Verbindungsstücke.“ Das aufwändigste sei hierbei das Schallrohr gewesen, das aus insgesamt 20 einzelnen Leisten bestehe. „Zuerst musste ich die Leisten, präzise zuschneiden. Durch die Rundung kommt es, dass immer nur zwei Leisten ein und dieselben Maße haben. Danach habe ich sie eine halbe Stunde aufgekocht und jeweils vier Leisten an einer Schablone fixiert“, erklärt der ehemalige Böttcher. Die kleinste Unsauberkeit beim Verfahren oder beim Holz wäre fatal gewesen.

Nun, nach rund vier Monaten, ist Sepp Jazkowski auf der Zielgeraden angekommen. Er möchte das Alphorn noch in den nächsten Tagen fertigstellen. Im Winter sei ihm sein unbeheizter Werkraum zu kalt.

Dass er das, in F gestimmte Instrument auch zu spielen lernt, hält Sepp Jazkowski aber für unwahrscheinlich. „Mein Enkel spielt Trompete. Als ich einmal versucht habe, hineinzupusten, habe ich keinen einzigen Ton herausbekommen. Vielleicht werde ich das Musikalische meinem Enkel überlassen und irgendwann ein weiteres Alphorn bauen.“

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