Qualitz : Vielleicht regiert Zeit die Welt

Referentin Meena Knierim regte ihre Zuhörer zum Nachdenken und Reflektieren an.
Referentin Meena Knierim regte ihre Zuhörer zum Nachdenken und Reflektieren an.

Die Teilnehmer der Vortragsreihe „Würde steht nicht im Konjunktiv“ diskutierten angeregt über Zeit- und Geldmangel

svz.de von
22. November 2015, 15:42 Uhr

Beinahe täglich begleitet Zeit- oder Geldmangel die Menschen. Meena Knierim, Heilpraktikerin für Psychotherapie, beleuchtete am Freitagabend in einem Vortrag und anschließendem Experimentierfeld verschiedenste Aspekte dieses Mangelgefühls in Zusammenhang mit dem Thema Würde. Dicht gedrängt saßen die gut 30 Teilnehmer und hörten aufmerksam zu. Es ist die zweite Veranstaltung der Reihe „Würde steht nicht im Konjunktiv“ in den Räumen des Allerhandvereins in Qualitz. Abendfüllendes Thema war dieses Mal „Fülle, Mangel und Vertrauen“ mit Blick auf den würdevollen Umgang mit Geld und Ressourcen.

Meena Knierim betrachtete dabei unter anderem den Aspekt der persönlichen Herkunft. „In Bezug auf Geld hat jede Familie und jede gesellschaftliche Gruppe tief verankerte Glaubenssätze“, erklärte sie. Diese drückten sich in Redensarten und Sprichworten aus, stellten jedoch meistens weder Zeit noch Geld als unproblematisch dar. Kritisch erörtert wurde zudem der gesellschaftliche Ansatz „Mehr ist besser“.

Es ging nicht darum, den Teilnehmern konkrete Instrumente zur Selbsthilfe mit auf den Weg zu geben. „Ich möchte, dass sie sich Zeit nehmen zu reflektieren“, sagt Knierim in einer Pause. Nicht, wie etwas besser gemacht werden könne, sondern wie jeder selbst mit Zeit und Geld umgehe, sei die Fragestellung. Jeder müsse für sich beantworten, ob der eigene Umgang auch den eigenen Werten entspricht.

„Das hier ist ein Forschungsprojekt. Es geht darum, dass die Leute sich ganz offen mit dem Thema Würde auseinandersetzen“, so die Referentin.

In Gruppen folgte der zweite Teil des Abends. Hier beschäftigten sich die Anwesenden mit Themen wie Sprichwörtern und deren Wahrheitsgehalt. Besonders negativ empfanden die Teilnehmer den Ausspruch „Geld regiert die Welt“, in dem eine gewisse Machtlosigkeit mitschwinge. In der Diskussion wurde daraus kurzerhand eine mathematische Gleichung gemacht. Wenn Zeit Geld ist und Geld die Welt regiere, erklärte Barbara Wetzel vom Allerhandverein, ließe sich daraus ableiten, dass letztlich Zeit die Welt regiere.

Einig war sich die Gruppe letztlich darin, dass Geld gewisse Bedürfnisse erfüllen müsse, um sich an etwas erfreuen zu können.

Eine neue Perspektive brachten dann zwei Syrer in die Runde, die ein arabisches Sprichwort mit den Anwesenden teilten.

Sinngemäß heiße es: „Geld und Kinder sind die Herausforderung des Lebens, aber auch das Beste darin.“

In einer anderen Gruppe wurde das Thema Zeitmangel diskutiert. „Geld erlöst nicht vom Zeitmangel“, erklärte Marlis Machmüller der Gruppe. Mitunter wurde es recht philosophisch. Denn ein Tag ist immer gleich lang, es kann also aus dieser Sicht gar nicht an Zeit mangeln. „Zeitmangel passiert im Kopf“, brachte es Hans-Peter Klein auf den Punkt.

Einig wurden sich die Gesprächspartner jedoch, dass der Umgang mit empfundenem Zeitmangel eine Entscheidungsfrage ist. „Das Mangelempfinden hat etwas mit einem selbst zu tun.“ Auch Selbstliebe und Selbstwertgefühl brachten die Teilnehmer ins Spiel. Die Wahl, Zeit in einen stressigen Beruf zu investieren, treffe jeder selbst.

Der würdige Umgang mit Geld wurde in einer weiteren Runde thematisiert, mit dem Ergebnis, dass ein Mitleidgeschenk immer ein vergiftetes Geschenk sei, so Barbara Wetzel.

Am Ende gab es mehr Fragen als Antworten. In den einzelnen Gruppen gingen die Meinungen teils deutlich auseinander. Dennoch konnten die Teilnehmer in vielen Bereichen auch einen Grundkonsens finden und spannende Gespräche auf Augenhöhe führen.

Tatsächlich gründete sich direkt eine weiterführende Arbeitsgruppe, in der sich Interessierte weiterhin zu dem Thema austauschen können.

Cornelia Behnisch kam extra aus Parchim, um die Veranstaltung zu besuchen.

„Ich finde es interessant neue Menschen zu treffen und kennenzulernen. – Auch dafür fehlt einem eigentlich die Zeit“, stellte sie fest.

Ihre Erwartungen an den Abend sah sie völlig erfüllt. „Ich gehe mit einem Gefühl, dass die Zeit, die ich hier verbracht habe, sehr wertvoll war.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen