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Bützow : Verschollene Bilder tauchen wieder auf

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

SVZ-Serie: Geschichten aus dem Schuhkarton – Teil 110 / Erinnerungen an den Mal- und Zeichenzirkel und besondere „Auftragswerke“

„Wo mögen bloß unsere Bilder geblieben sein“, fragten bis vor wenigen Wochen regelmäßig Werner Zießnitz und Matthias Vorbeck in illustrer Runde bei Kaffee und Kuchen oder einem Gläschen Sekt nach Ausstellungseröffnungen im Kunsthaus, wenn sie auf alte Zeiten zu sprechen kamen. Zeiten, die schon vierzig Jahre zurück liegen.

Das volkskünstlerische Schaffen als Massenkultur wurde damals auf breitester Ebene gefördert. Chöre, Volkstanzgruppen, Zirkel schreibender Arbeiter, Laienspieler, Rezitatoren , Akrobaten oder junge Schlagertalente fanden sich unter dem Dach ihres Betriebes, im Gewerkschaftshaus, im Jugendclubhaus, im Club der Volkssolidarität oder in vom Kreiskabinett für Kultur angemieteten Räumen zusammen. Auch einen überbetrieblichen Mal- und Zeichenzirkel gab es.

Karin Zießnitz und Matthias Vorbeck haben in den vergangenen Wochen ihre Alben und losen Sammlungen zu jener Zeit, als sie dem Zirkel angehörten, durchforstet. Anfangs im engen ehemaligen Ladenraum neben Uhrmacher Pöhls in der Langen Straße, zuletzt in einem Atelier in der Alten Molkerei in der Neuen Bahnhofstraße trafen sich regelmäßig sowohl vorbelastete Kunsterzieher wie Fritz Brockmann und Werner Zießnitz mit ihren Frauen und der Absolvent der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, Matthias Vorbeck, als auch mehrere interessierte Laien aus allen Bereichen der „Produktion“, wie Regina Sinhuber, Rainer Wittenburg oder Oscar Prade. Unter der strengen Leitung von Fritz Brockmann wurden verschiedenste Themen aus der Literatur, der materiellen Produktion oder die vielfältigsten Erscheinungen des Wassers und der Landschaft künstlerisch in der Öl- und Aquarellmalerei umgesetzt. Mehrmals im Jahr fuhren sie in die Natur hinaus nach Rosenow, Warnow und Moisall. Besonders angetan hatte den Freiluftmalern der weite Blick von der Mühle in Moisall auf die reizvolle mecklenburgische Landschaft.

Als anstrengend empfanden die Zirkelmitglieder ein Praktikum im Kreiskulturhaus Steinhagen. Sie sollten nach Studien im Kreisbetrieb für Landtechnik die Arbeit der Schlosser und Schweißer an Traktoren und Landmaschinen real darstellen. Besonders gut in Erinnerung geblieben, sind ihnen die Exkursionen, bei denen das fröhliche, ausgelassene Miteinander nicht zu kurz kam. So ging es auf die Insel Rügen und in das weit entfernte polnische Olsztyn (Allenstein) an der Allensteiner Seenplatte.

In ihrem Streben nach höherer Qualität der Bilder und der handwerklichen Vollkommenheit wurden die Künstler durch anerkennende Kritiken der Betrachter in öffentlichen Ausstellungen ermuntert. Besonders stolz waren sie, als ihre besten Exponate sogar in den Schaufenstern des Fernsehturms in Berlin einem breiten Publikum vorgestellt wurden. Überrascht und herausgefordert waren sie, als ihr Förderer Udo Gadinger, Ratsmitglied für Kultur des Kreises, „der jahrelang eine enge Zusammenarbeit mit Fritz Brockmann pflegte und ein gutes Händchen für die Kultur hatte“, so Werner Zießnitz, mit einem Auftrag kam.

Der Rat der Stadt Bützow unter Bürgermeister Lutz Müller wollte den Rathaussaal mit seinen bunten Tapeten, karierten Vorhängen und dunkel gehaltenen Türen und Decken in einen hellen, schlichten Raum umgestalten. Dominant sollten die einmaligen neogotischen Fenster und die prächtige Deckenkonstruktion bleiben, ein weißer Wandanstrich sollte einen neutralen Hintergrund für farbenfrohe Bilder schaffen. Die Herausforderung bestand in dem von Udo Gadinger vorgegebenen Thema: Darstellung der Stadt Bützow und der landwirtschaftlich geprägten Umgebung.

Was so einfach daherkam, sollte Fritz Brockmann, Werner Zießnitz und Matthias Vorbeck, die die Aufgabe übernahmen, noch etliche schlaflose Nächte bereiten. Mit welchen typischen Themensplittern würden sie auf vier Bildern weitestgehend Bützow und Umgebung abbilden können? Und wie sollten sie den sozialistischen Realismus, die Darstellung des Arbeitslebens und der Technik des sozialistischen Alltags, einfließen lassen? Immer wieder wurden Entwürfe gefertigt und verworfen.

Letztlich einigten sich die Akteure: Brockmann mit zwei Bildern Landwirtschaft und Umgebung, Zießnitz mit einem Simultanbild Bützow und Vorbeck mit einem Bild mit dominierender Kirche. Vage waren die Erinnerungen nach vierzig Jahren von Werner Zießnitz, Matthias Vorbeck und Zeitzeugen an die Bilder, die 1974 anlässlich des 25. Jahrestages der DDR im Rathaussaal enthüllt wurden und irgendwann Ende der siebziger oder Anfang der achtziger Jahre wieder abgehängt wurden. „Dann haben wir ja einen echten Zießnitz“, entfährt es dem Vorsitzenden des Kanuclubs, Fritz Hoßmann, als Werner Zießnitz erzählt, dass auf seinem Bild zwei Kanuten abgebildet waren.


Verschollene Bilder wiederentdeckt


Auf Veranstaltungen im Rathaussaal hatte er es immer bewundert. 1986 hatte Hoßmann als Betriebsdirektor mit seinem BGL-Vorsitzenden Lothar Sedlaczek, ebenfalls Kanute, das Bild total verstaubt vom Boden des Rathauses für den Kulturraum des neuen Sozialgebäudes der Wäscherei geholt. Seit zehn Jahren hängt es im Klubraum der Kanuten. Nach Hinweisen von Jürgen Pettke, Mitarbeiter im Kunsthaus, wurde vor zwei Tagen ein von Fritz Brockmann gemaltes Bild im Pausenraum der Miniaturwerkstatt entdeckt.

Wo mögen das Bild mit der dominierenden Kirche von Matthias Vorbeck und das mit dem Fernsehturm von Fritz Brockmann abgeblieben sein?

























































































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