Schwaan : Über Geschichte stolpern

Ein Stolperstein ist Rüdiger Zöllig und den Mitgliedern des Schwaaner Kulturfördervereins zu wenig. Drei weitere erinnern bald an die jüdische Vergangenheit in der Warnowstadt.
Ein Stolperstein ist Rüdiger Zöllig und den Mitgliedern des Schwaaner Kulturfördervereins zu wenig. Drei weitere erinnern bald an die jüdische Vergangenheit in der Warnowstadt.

Weitere Gedenksteine für deportierte Juden.

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11. Oktober 2019, 05:00 Uhr

Geschichte ist etwas, das in den Köpfen stattfindet. Doch manchmal muss man auch auf sie aufmerksam gemacht werden, sozusagen drüber stolpern. Deswegen gibt es Stolpersteine. Sie erinnern an die Geschichte von Juden, die während dunkler Stunden Deutschlands ums Leben kamen. Am Haus Pferdemarkt 7 in Schwaan gibt es einen solchen Stolperstein bereits. Durch die Initiative des Schwaaner Kulturfördervereins werden nun drei weitere gelegt.

Seit März 2014 erinnert am Pferdemarkt 7 ein Stolperstein an den jüdischen Arzt Dr. Paul Marcus, geboren. 1887 in Schwaan. Marcus hat 1936 seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. Er war sich der Konsequenzen der Nürnberger Gesetzte für ihn als Arzt und Jude gewiss sicher. Im September 1938 wurde den letzten in Mecklenburg praktizierenden jüdischen Ärzten die Approbation entzogen. Der Stolperstein wurde von Dr. Marcus’ damaligen Bekannten gespendet.

In diesem Haus lebten aber auch sein Bruder, der Kaufmann und letzte Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Willi Marcus (geboren 1888 in Schwaan), dessen Ehefrau Paula, geborene Levy, 1893 in Bad Sülze) und Willi Marcus’ Schwester Alice Marcus, 1898 in Schwaan. Diese drei Schwaaner Bürger wurden am 10. Juli 1942 über das Durchgangslager Ludwigslust am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Der Schwaaner Kulturförderverein hat sich die Erinnerungskultur auf die Fahne geschrieben, brachte das Vorhaben in die Stadtvertretung ein. Diese stimmte zu. So wurde aus der Idee mehr. Und nun ist geplant, am 20. Februar 2020 um 9 Uhr drei weitere Stolpersteine vor dem Haus Pferdemarkt 7 einzulassen.

„Partner unseres Projekts sind Lehrer und Schüler der Schwaaner Prof.-Franz- Bunke-Schule“, erklärt Hella Ehlers vom Verein. „Mit ihnen wird die Einweihung der Stolpersteine sowie eine nachfolgende Veranstaltung in der Schule zum Thema ‘Heutiges Gedenken an Verfolgung und Vernichtung jüdischer deutscher Bürger durch den Nationalsozialismus’ vorbereitet. Wir wollen, dass der Tag insbesondere für die jüngere Generation Eindrücklichkeit erhält.“ Zum Gedenk-Tag lädt der Verein Verwandte und Nachkommen der Familie Marcus aus Dänemark und der Schweiz ein.

„Die Stolpersteine sind ein Projekt, das von allen Bürgern der Stadt mitgetragen werden sollte“, meint Hella Ehlers und bittet daher um Spenden. Diese können auf dieses Konto eingezahlt werden: Schwaaner Kulturförderverein; IBAN DE 17 1305 0000 0715 0009 18. „Wir bedanken uns und stellen auf Wunsch eine Spendenbescheinigung aus.“

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