Radweg Berlin-Kopenhagen : Trotz schmerzendem Po geht es voran

Auf dem Drahtesel verbringen sie ihren Urlaub: Gabriele und Martin Pfiffner aus der Schweiz fahren den 620 Kilometer langen Radweg von Berlin nach Kopenhagen.  Fotos: Nicole Groth
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Auf dem Drahtesel verbringen sie ihren Urlaub: Gabriele und Martin Pfiffner aus der Schweiz fahren den 620 Kilometer langen Radweg von Berlin nach Kopenhagen. Fotos: Nicole Groth

Reisende erfreuen kommen auch durch die Region Bützow

svz.de von
02. August 2016, 05:00 Uhr

Mit dem Fahrrad ein Stück Welt erkunden – das ist die Motivation vieler Reisender auf dem Weg zwischen Berlin und Kopenhagen. Um diesen landschaftlichen Abschnitt Europas kennenzulernen, meistern die Drahtesel-Liebhaber eine Strecke von rund 620 Kilometern. Nicht mitgerechnet ist dabei die Fahrt über die Ostsee, die die Reisenden ab Rostock mit der Fähre Richtung Dänemark zurücklegen müssen.

Wer von der Bundeshauptstadt aus startet, kommt auch durch Bützow durch. Das Ehepaar Peter Heynold und Marion Friedrich machte gestern einen unfreiwilligen Stopp auf der Straße Vor dem Rostocker Tor. Ein plötzlicher Regenschauer überraschte die beiden Stuttgarter. Doch die routinierten Radfahrer waren vorbereitet. Schnell schlüpften die beiden in ihre Regenkleidung. „Unsere Taschen sind auch wetterfest. Aber sonst sind wir dem Regen ausgeliefert“, sagt Marion Friedrich. In den Taschen hat das Ehepaar unter anderem Ersatzteile dabei. „Wenn wir mal Panne haben, ist das schon nützlich“, sagt Peter Heynold. Beruflich baue er Fahrräder. „Ich sitze also an der Quelle.“ Reisenden empfiehlt er, sich ein stabiles Rad zu besorgen und auf eine etwas dickere Bereifung zu achten.

Regenkleidung gehört zur Grundausstattung

Doch es geht auch anders: Etwa halb so breit wie die Reifen von Heynolds Rad sind die zwei von Martin Pfiffner. „Wenn wir in der Schweiz in den Bergen fahren oder auf kaputten Straßen, nutzen wir unsere Mountainbikes mit dicken Rädern. Aber für die Strecke bis Kopenhagen sind die dünnen Reifen angenehmer“, sagt Pfiffner. Das Ehepaar gehört ebenfalls zu den erprobten Radfahrern. „Früher sind wir in Frankreich die Atlantikküste entlanggefahren“, sagt der Schweizer. Für dieses Jahr haben sie sich den Radweg zwischen Berlin und Kopenhagen ausgesucht. Pro Tag legen sie im Schnitt etwa 70 Kilometer zurück. Der besondere Reiz an Fahrradreisen bestehe für sie darin, viele Ort zu entdecken. „Außerdem ist es einfach schön, jeden Tag an der frischen Luft zu sein“, sagt Gabriele Pfiffner.

Mit derselben Motivation startete auch Günter Huhn aus Süd-Westfalen seine Reise. „Ich habe vorher im Internet recherchiert und mir Bilder von diesem Weg angeschaut. Ich hatte den Eindruck Brandenburg und Mecklenburg sind schöne Gegenden – und es ist so“, sagt er. Huhn bricht jeden Morgen um 9 Uhr zu seiner nächsten Etappe auf. Dabei lasse er sich von seinem Global Positioning System (GPS)-Gerät, das er am Lenkrad befestigt hat, den Weg weisen. Er habe zwar noch eine große Karte dabei, hole die aber nur heraus, wenn er wissen wolle, in welchem Ort er sich zurzeit befindet, so der Westfale. „Ich fahre am Tag etwa sechs Stunden, drei am Vormittag und die anderen drei nach einer einstündigen Mittagspause“, erzählt Huhn. Gegen Abend suche er sich eine Unterkunft. „Manchmal ist das gar nicht so einfach. Wenn ich von Hotel zu Hotel fahre, weil kein Zimmer mehr frei ist, komme ich schon irgendwann ins Schwitzen“, erzählt der Westfale. Bisher sei Huhn aber noch immer irgendwo untergekommen. „Das Personal in meinem letzten Hotel war sehr nett zu mir. Ich treffe viele nette Leute auf meinem Weg“, sagt er. Vor allem mit anderen Radfahrern komme er schnell ins Gespräch. „Wo kommst du her, wo willst du hin, sind immer die ersten Fragen, die man sich gegenseitig stellt“, so Huhn.

Das Kennenlern-Ritual Huhns bestätigte sich gestern gegen Mittag, als die zwei Freundinnen Yvonne Lewanscheck und Claudia Großlau aus Berlin auf der Straße Vor dem Rostocker Tor auf den radelnden Hanseaten Carsten Leder trafen. Sie kamen gleich ins Gespräch.

Radfahrer kommen schnell ins Gespräch

Dabei stellte sich heraus, dass Leder genau in die entgegengesetzte Richtung fuhr. „Mit meiner Frau mache ich zurzeit Campingurlaub in Schwaan. Ich radele nur ein wenig herum. Aber der Weg zwischen Berlin und Kopenhagen wäre kein Problem für mich. Im Jahr fahre ich gute 9000 Kilometer“, erzählt der Rostocker. Ganz so locker nahmen es die Berlinerinnen nicht. „Wir kommen zwar viel schneller voran, als wir dachten. Aber am Ende des Tages merkt man schon, was man geschafft hat – vor allem der Hintern tut weh“, sagt Lewanscheck. In der Hinsicht hat ihre Freundin vorgesorgt. „Ich habe eine extra Radlerhose an. Die gute Polsterung macht schon eine Menge aus“, so Großlau. Um sich den muskelzehrenden Urlaub zu verschönern, kehren die Berlinerinnen jeden Abend in ein Hotel ein. „Nach einem anstrengenden Tag muss man sich auch mal etwas gönnen“, so Lewanscheck.

Die Vorgehensweise der Berlinerinnen komme wiederum der Tourismusbranche zugute. „Die Radfahrer sind ein wichtiger Teil unseres regionalen Tourismus. Viele der Gäste, die den Radweg Berlin-Kopenhagen zurücklegen, bleiben für eine Nacht im Ort“, erzählt Karin Schneider von der Touristinformation in Bützow. Von Mai bis Oktober sei die Zeit, in der viele Fahrradfahrer durch die Warnowstadt kommen. „Unsere Strecke beginnt kurz vor Zepelin und endet in Friedrichshof“, berichtet Schneider. Dabei nehme der Bützower Abschnitt rund 15 Kilometer von den 620 zu erreichen ein. „Manchmal bleiben die Gäste auch eine Nacht länger, weil sie es bei uns so schön finden“, so Schneider. Sie empfehle den Gästen in Bützow, vor allem die Stiftskirche, das Kunsthaus, die Miniaturstadt und das Krumme Haus zu besuchen. „90 Prozent der Fahrradfahrer sind aber Tagesgäste.“ In den letzten Jahren sei der Trend zu beobachten, dass die Reisenden auf dem Weg nicht wie vorgesehen direkt nach Rostock fahren, sondern vorher noch einen Schlenker nach Wismar machen, sagt Karin Schneider.

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