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Bernitt : Trotz Schlaganfall fest im „Sattel“

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Heinz Hoffmann, Autofahrer aus Bernitt, ist in vielerlei Hinsicht ein spezieller Verkehrsteilnehmer

In der Gemütlichkeit des hellen Wohnzimmers, eine Tasse dampfenden schwarzen Kaffees auf dem häkeldeckengeschmückten Tisch, erzählt Heinz Hoffmann (86) die Geschichte seiner Fahrerkarriere. Auf die Idee, die besonderen Umstände seiner Fahrten zu schildern, kam der ehemalige Lehrer und gebürtige Bernitter aufgrund der SVZ-Aktion „Ältester noch gültiger Führerschein“.

Im Jahr 1956 absolvierte Heinz Hoffmann die Prüfungen der ehemaligen Klassen 1, 4 und 5 noch nach dem Prinzip „Hott for Mott“ – Pferdewagen haben Vorfahrt. Während der Studienjahre fuhr er mit einem Motorrad oder ging zu Fuß, bis dann 1968 – nach neun Jahren Wartezeit – der Trabbi auf dem Hof stand. Damals der ganze Stolz des gelernten Tischlermeisters, der zu dieser Zeit schon als Pädagoge tätig war. Nach dem Kauf des 8600-DDR-Mark-Wagens gab es dann kein Halten mehr und Hoffmann unternahm gemeinsam mit seiner Frau Rosemarie viele Ausflugsfahrten nach Nürnberg, zum Bodensee und den Brenner-Pass zwischen Österreich und Italien. Das liebste Ausflugsziel war und blieb jedoch stets Südtirol.

Im Jahr 2000 erhielt er dann die „Auszeichnung in Gold mit Eichenkranz“ für 40 Jahre unfallfreies Fahren. Das war gar nicht so einfach, denn für die Bestätigung dieser Ehrung musste Hoffmann erst in Flensburg einen Antrag auf Nachweis der Punktefreiheit stellen. Nach ordentlicher Prüfung bekam er dann feierlich die Urkunde verliehen. Ohne Dellen und Schrammen ging es weiter, bis Heinz Hoffmann 2013 einen Schlaganfall erlitt. Danach schien der gelebte Traum von der Mobilität ausgeträumt. Doch Hoffmann ließ sich davon nicht unterkriegen. „Ich pack’ das!“, entschied er und ließ sich noch während der Reha zu einem psychologischen Reaktionstest eintragen.

Im behindertengerechten Fahrschulfahrzeug und mit Hilfe eines geduldigen Fahrlehrers bestand er die praktische Prüfung nach nur zehn Fahrstunden. Der Führerschein wurde für Hoffmann zum Symbol des Sieges über den Schicksalsschlag. „Autofahren ist Lebensqualität“, findet auch Rosemarie Hoffmann, während ihr Ehemann zustimmend nickt. In Bernitt seien die Einwohner auf das Auto angewiesen, doch war es mehr der eigene Ehrgeiz, der den pensionierten Schulleiter die Anstrengung einer erneuten Fahrprüfung unternehmen ließ.

Vor wenigen Tagen fuhren Heinz und Rosemarie Hoffmann in ihrem umgebauten VW Golf Plus zu ihrem Sohn nach Elmshorn in Schleswig-Holstein. Nach der Rückkehr von der ersten längeren Fahrt, auch durch Hamburg, mischten sich Stolz und Erleichterung.

Genau wie Heinz Hoffmann machte auch der Bützower Horst Müller in den 50er-Jahren seinen Führerschein. 1953 habe er als Schlosserlehrling das Angebot der Maschinen-Traktoren-Station in Lübzin in Anspruch genommen und gleich alle Klassen gemacht, die damals möglich waren, erzählt der 79-Jährige. Heute sei er immer noch viel mit dem Auto unterwegs.

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