Lindenbruchstraße : Treue seit einem halben Jahrhundert

Anni Loose, Max und Anita Bühler sowie Herta Weimann (v.l.) wohnen seit Dezember 1963 in der Lindenbruchstraße. Sie pflegen ihre freundschaftliche Nachbarschaft.
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Anni Loose, Max und Anita Bühler sowie Herta Weimann (v.l.) wohnen seit Dezember 1963 in der Lindenbruchstraße. Sie pflegen ihre freundschaftliche Nachbarschaft.

25 Mieter des Blocks in der Lindenbruchstraße 33 bis 37 wohnen seit 50 Jahren dort und feiern morgen dieses Jubiläum in der Bruchschänke

svz.de von
14. Dezember 2013, 00:35 Uhr

Hugo Bühler erinnert sich noch ganz genau an seinen Einzug in die Nummer 35 in die Lindenbruchstraße. Damals, am 15. Dezember 1963, habe es weder Gas noch Licht noch Wasser in dem Wohnblock gegeben, sagt der Schwaaner. Um die ersten 24 Stunden zu überstehen, zapfte er sogar eine Leitung Baustrom an.

Darüber und über weitere markante Erlebnisse spricht der Senior am morgigen Sonntag in der Bruchschänke. Weil etwa die Hälfte aller Bewohner des Blockes 33 bis 37 Mieter der ersten Stunde sind, wird morgen in der Lokalität auf das Jubiläum angestoßen.

„Wir waren aber nur knapp einen Tag ohne Wasser, denn bereits am 16. Dezember gaben sich die verschiedenen Handwerker die Klinke in die Hand und haben die letzten Arbeiten vollzogen“, erzählt der 77-Jährige. Für die 50-jährige Mitgliedschaft in der Bützower Wohnungsgenossenschaft, die auch Wohneinheiten in Schwaan besitzt, haben er und seine Ehefrau Anita sowie weitere Jubilare neben einer Ehrenurkunde auch eine Gutschrift von einer Kaltmiete erhalten.

Im Jahr des Einzugs gab es noch keinen Bürgersteig geschweige denn einen begrünten Hof. Doch das machte den Jungmietern damals nichts aus – was zählte, war, dass sie eine eigene Wohnung hatten. „Viele waren ja noch bei den Eltern untergeschlüpft“, erzählt Herta Weimann. Sie wohnte ab 1963 mit ihrem Mann und drei Kindern in einer der rund 61 Quadratmeter großen Wohnungen. „Wir heizten damals noch mit Kohle, auch die Badewanne wurde damit erwärmt“, sagt Anita Bühler. Und die „Hofarbeiten“ wurden auch zügig nachgeholt. Die Wohngemeinschaft wächst so ganz schnell zusammen. „Wir haben die Platten für den Bürgersteig selbst verlegt, sogar die Frauen hatten dabei mitgeholfen“, sagt Hugo Bühler, der von allen aber nur mit seinem dritten Vornamen „Max“ angeredet wird. Auch die Zuwegung für das Kohlebefüllen sowie den u-förmigen Platz für die Mülltonnen haben die Mieter in Eigenregie fertig gestellt. Zudem hatten sich die Männer zusammen getan, eine Egge besorgt und so den Rasen im Häuserhof angelegt, fügt er hinzu. Bei der Nutzung des Trockenbodens sowie der Waschküche mussten – weil der Platz begrenzt war – ebenfalls Abstimmung getroffen werden. Die Waschküche war nicht nur wegen der guten Bedingungen beliebt. „Es sah darin fast aus wie in einem Wohnzimmer, wir hatten einen Teppich und zu weihnachten stand der Tannenbaum auf dem Kessel“, sagt Herta Weimann. Oft hätten sie die Waschküche geschmückt und dann darin Silvester gefeiert, fügt die rüstige Seniorin hinzu. „Am Morgen des 1.1. haben wir noch Frühstück zusammen gegessen und dann wurde aufgeräumt“, sagt Anita Bühler. Dass die freundschaftliche Nachbarschaft hielt, liege sicherlich auch daran, dass sie sich gleich am Anfang fest vorgenommen hatten, sich immer die Wahrheit und auch die Meinung zu sagen, aber stets ohne Streit auszukommen, erläutert Hugo Bühler.

Nach der Wende wurde in den Wohnblöcken allerhand Erneuerungen vorgenommen – Fenster wurden ausgewechselt, Dämmung reingebracht sowie die Nachtspeicheröfen auf Fernwärmeheizung und Gasherde auf Elektroanschlüsse umgestellt. „Aber als wir wegen der neuen Heizungsumrüstung eine Mieterhöhung bekommen sollten, haben wir Einspruch erhoben bei der Genossenschaft und sie blieb aus“, schildert Hugo Bühler. Generell seien sie aber mit dem Service des Vermieters zufrieden. So werde von einer entsprechenden Firma der Außenbereich um den Wohnblock sauber gehalten und auch die Flurreinigung von einer externen Firma ausgeführt. Auch die Balkone seien mit der Sanierung vergrößert worden. „Wir haben hier auch gleich einen Arzt und einige Einkaufsmärkte in der Nähe und zudem im Lindenbruch einen schönen Rundweg direkt vor der Haustür“, sagt Hugo Bühler. Über weitere Geschichten klönen die Mieter morgen ab 15 Uhr in der Bruchschänke.

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