zur Navigation springen

Natur-und Umweltpark Güstrow : Trauriges Ende für verletzten Schwan

vom

Auf dem Weg nach Hause stieß der Zehlendorfer Lothar Koch im Straßengraben auf einen verletzten Schwan und rettete das Tier vor dem sicheren Tod. Vorerst, denn am Ende konnte dem Vogel doch nicht mehr geholfen werden.

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2012 | 05:50 Uhr

Zehlendorf/Güstrow | Diese Geschichte geht ans Herz: Auf dem Weg nach Hause stieß der Zehlendorfer Lothar Koch im Straßengraben auf einen verletzten Schwan und rettete das Tier ohne zu zögern vor dem sicheren Tod. Vorerst, denn am Ende konnte dem Vogel doch nicht mehr geholfen werden.

"Ich war zu Fuß unterwegs und entdeckte den hilflosen Schwan in einem Wildfangnetz neben der Autobahn", schildert der 45-Jährige die Situation rückblickend. Statt seinen Weg weiter fortzusetzen hatte er jedoch Mitleid mit dem verletzten Tier. "Zuerst dachte ich, der Flügel wäre nicht in Ordnung, bis ich sah, dass der linke Fuß des Schwans gebrochen war und er sich deshalb nicht mehr fortbewegen konnte", so Koch. Selbstlos opferte der Zehlendorfer daraufhin seinen Schal, wickelte das Jungtier darin ein und nahm es schließlich mit nach Hause. Eine vorübergehende Bleibe fand der Vogel dort im Hasenstall. "Wegen der Kälte sind meine beiden Kaninchen derzeit bei mir in der Wohnung. Deshalb war dort gerade ein Platz frei", sagt Lothar Koch, der das verletzte Tier gleich mit Wasser und Getreide versorgte. Und auch eine Decke hatte der 45-Jährige sorgfältig über den Stall gespannt: "Wegen der Zugluft, damit der Schwan nicht friert", sagt er.

Verzweifelt meldete sich Lothar Koch im Anschluss bei der SVZ-Lokalredaktion in Güstrow. "Bitte helfen Sie mir, den Schwan zu retten", war seine eindringliche Bitte. Wir verwiesen ihn an Tierarzt Bernd Linke, der anbot, sich das Tier in seiner Güstrower Praxis anzuschauen. "Wenn Herr Koch die Kosten übernimmt, fahren wir aber natürlich auch raus und schienen das verletzte Bein - keine Frage", so Bernd Linke. Für den Zehlendorfer jedoch keine Lösung: "Ich bin arbeitslos, kann mir die teure Behandlung nicht leisten", beschreibt Lothar Koch sein Dilemma. "Und ein Auto, um nach Güstrow zu kommen habe ich auch nicht", sagt er weiter. Immerhin: Tierarzt Linke und seine Schwestern setzten alle Hebel in Bewegung, um dem verletzten Schwan dennoch zu helfen. Linke: "Wir haben im Veterinäramt angerufen, wurden aber darauf verwiesen, dass es sich um jagdbares Wild handelt, für das das Amt nicht zuständig sei."

Eine ähnliche Antwort erhielt Koch auch bei seinem Versuch, Amtstierärztin Regine Salomon von seiner misslichen Lage zu überzeugen. "Für einen verletzten Schwan ist nur der Jäger vor Ort zuständig", bestätigt Salomon auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung. "Wir bieten uns aber an, Kontakt zum ortsansässigen Jäger herzustellen, der das Tier dann erlöst", sagt sie. "Alternativ muss das Tier eben wieder in die Freiheit entlassen werden, denn auch Füchse müssen sich bei diesem Wetter ernähren. Das ist eben der Kreislauf der Natur", unterstreicht die Amtstierärztin mit Nachdruck. Lothar Koch wollte sich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben. "Ich möchte dem Tier doch unbedingt helfen", sagte er.

Doch auch beim Güstrower Natur-und Umweltpark fand der Zehlendorfer keine Unterstützung. "Da es sich bei Schwänen um Wildtiere handelt, dürfen wir sie nicht einfach der Natur entnehmen. Das kann uns vom Gesetzgeber als Wilderei ausgelegt werden", klärt Marianne Tuscher von Nup auf. "Wir dürfen nur eingreifen, wenn die Untere Naturschutzbehörde dies anweist", sagt sie.

In einer konzertierten Aktion bemühten sich schließlich der Kuhser Jäger Jost Schröder und der Nup doch noch um eine Lösung, brachten den Schwan in den Nup. Gestern dann aber die traurige Nachricht: "Der Tierarzt stellte einen komplizierten Gelenkbruch fest und sah keine Chance. Das Tier wurde eingeschläfert", so Maren Gläsen vom Nup.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen