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Bützow : Tornadoexperte: „Es war ein F3-Tornado“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Andreas Friedrich ist der Tornadobeauftragte des Deutschen Wetterdienstes – einen ähnlich folgenschweren Starksturm habe es zuletzt in Hessen gegeben

von
erstellt am 07.Mai.2015 | 22:00 Uhr

Am vergangenen Dienstagabend zog nicht einfach nur ein Sturm über die Region Bützow. Experten sind sich inzwischen sicher: Das war ein Tornado. Das bestätigt auch Andreas Freidrich unserer Redaktion. Seit 2004 ist der Diplom-Meteorologe bereits für den Deutschen Wetterdienst (DWD) als Tornadobeauftragter tätig – und er ist dort der einzige Experte auf diesem Gebiet.

Friedrich erforscht, wann und wo die Tornados in Deutschland verstärkt auftreten und wie verlässlichere Vorhersagen möglich werden können. Hierzu steht er auch im engen Austausch mit den Experten aus den USA sowie dem European Severe Storms Laboratory, das für Europa eine umfangreiche Unwetterdatenbank pflegt.

„Der Tornado in Bützow hat nach bisherigem Kenntnisstand einen Durchmesser von wenigen hundert Metern gehabt. Doch das Ausmaß des Tornados wird anhand seiner Zerstörungskraft gemessen“, erklärt der Tornadoexperte und fügt hinzu: „Wir nutzen dafür die sogenannte Fujita-Skala.“

Diese Skala dient der Schadensklassifikation für Starkwinderscheinungen wie Tornados. Die gängige Einteilung erfolgt von F0 (leichte Zerstörung ) bis F5 (unglaubliche Zerstörung). Die Fujita-Skala selbst reicht bis F12 – derartige Starkwinde wurden bislang aber nie beobachtet.

„Für Bützow gehen wir inzwischen anhand der verursachten Schäden von einem F3-Tornado aus“, sagt Andreas Friedrich. So ein Tornado könne Windstärken von bis zu 330 Stundenkilometer erreichen, ergänzt der Experte. Zuletzt wurde ein Starkwind dieser Stärke vor fünf Jahren beobachtet. „Im hessischen Reinhardshain tobte am 23. August 2010 ein F3-Tornado. Dieser entwurzelte ganze Waldstücke und beschädigte auch einige Häuser der Stadt – das Ausmaß war aber bei Weitem nicht so gravierend, wie jetzt in Bützow“, resümiert Andreas Friedrich. Das liege aber daran, dass der Tornado am Dienstagabend seinen Weg direkt durch die Bützower Innenstadt nahm.

Die Auswertung dieses Naturereignisses werde den Experten voraussichtlich noch bis zu drei Wochen beschäftigen. Dabei stehe er auch im engen Kontakt mit sogenannten Sturmjägern, die die Spur der Verwüstung nachvollziehen. So sei es möglich, dass der Bützower Tornado bereits über Rampe ein erstes Mal Fahrt aufnahm, wie Videoaufnahmen zeigen.

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