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Bützower Zeitung

24. August 2017 | 01:26 Uhr

Tornado : Tornado: Bützower halten inne

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Kirchenglocken erklingen in vollem Geläut und erinnern an den Sturm vor einem Jahr

Eine seltsame Stille lag heute Abend über Bützow. Die Straßen leerten sich am späten Nachmittag, bis schließlich kaum noch eine Menschenseele anzutreffen war. Spannung lag in der Luft. Als die Minuten nahten, die vor genau einem Jahr die Stadt so nachdrücklich veränderten, tauchten aber keine unheilvollen Wolken am Himmel auf. Stattdessen schien die Sonne hell, während viele Bützower ihren Gedanken nachhingen.

Für Pastorin Johanna Levetzow war es keine leichte Aufgabe, den Menschen gerecht zu werden, die die Katastrophe hautnah miterlebten, während sie damals noch nicht in Bützow war. „Man merkt, was für ein Eingriff das in das Leben der Menschen und die Natur war“, sagt Levetzow. „Das ist etwas, was die Stadt stark bewegt.“

Die Kirchen in Bützow waren deshalb für die Menschen geöffnet, die nach Stille suchten, sich erinnern, eine Kerze anzünden oder einfach mit jemandem sprechen wollten.

Auf die Minute genau erklangen die Glocken der Katholischen Kirche, der Stiftskirche und des Hospitals in Bützow in vollem Geläut. – In Gedenken an den Tornado, erklärte Levetzow in der Stiftskirche, „der in diesen Minuten genau vor einem Jahr über unsere Stadt fegte.“

Seither sei schon ein Jahr vergangen, in dem es so viel zu tun gab, so die Pastorin. Aber gleichzeitig sei auch erst ein Jahr vergangen. Denn immer noch schreckten Menschen auf, wenn der Wind auffrischt und haderten mit ihren Erinnerungen.

„Ich war im Sitzungsraum“, erinnerte sich Stadtvertreter Eckhard Knoll an den 5. Mai vor einem Jahr. Dort kamen alle mit dem Schrecken davon, als Ziegel die Fenster im Rathaus zerbersten ließen. „Man muss den Hut ziehen vor den Menschen“, sagte er. So viele Leute seien gekommen, um zu helfen. Vor allem für die Bauern in der Region fand er lobende Worte, hatten sie doch tagelang den Schutt mit ihren Fahrzeugen aus der Stadt gefahren und damit einen wichtigen Beitrag geleistet.

Auch Eleonore Tack erinnert sich noch genau: „Für mich war es der Tag an dem ich meine Mutti zu Besuch hatte.“ Sie selbst sei von den Zerstörungen nicht betroffen, aber wie sie abends nach dem Sturm durch die Stadt ging, weiß sie noch genau. „Wir haben gemeinsam geweint“, sagt die Bützowerin, die heute die Stiftskirche besuchte. „Ich wollte sehen, wie weit die Arbeiten in der Kirche sind. Das Jahr ist schon vorbei und es wurde so viel geschafft!“ Die Ereignisse zu vergessen, falle schwer. „Dieser Tag geht gar nicht vorüber“, meinte Eleonora Tack schließlich.

Einen Gedanken, den auch Pastorin Johanna Levetzow in ihrer kurzen Rede aufgriff. Denn um das Geschehene hinter sich zu lassen, müsse man die Erinnerung ziehen lassen, sagte sie abschließend. Wer wollte, konnte eine Kerze entzünden, „um Dankbarkeit, Freude oder der Not Ausdruck zu verleihen“, so die Pastorin.

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erstellt am 05.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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