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Bützower Zeitung

19. November 2017 | 19:02 Uhr

Bützow : Szenen einer Ehe wie bei Luther

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

SVZ bei der gestrigen Probe für das Zwei-Personen-Stück „Es ist schwer, dich zu lieben“ / Aufführungen in Sternberg und Neukirchen

von
erstellt am 19.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Fegen, waschen, kochen, zuhören und noch mehr: zurückfragen, Verbesserungen anbringen und kräftig mitmischen. Katharina Luther, die Frau des Reformators Martin Luther, hatte eine praktische Meinung zu allem. Und das beweist das Zwei-Personen-Stück aus der Feder der Bützowerin Kristina Handke, welches den Titel trägt: „Es ist schwer, dich zu lieben“. Seit Monaten touren die Hobbyschauspieler damit durchs Land. Gestern war Probe in der Sternberger Stadtkirche, wo das Sing-Spiel des Miniaturtheaters Kirchen-Spiel aus Bützow am kommenden Sonnabend um 16 Uhr aufgeführt wird. Es bildet den Mittelpunkt einer Andacht „mit zwei, drei Liedern und einer biblischen Lesung. Es ist kein normaler Gottesdienst“, so die Sternberger Pastorin Katrin Teuber.

Es ist Finalzeit im Lutherjahr; der große Reformator ist gegenwärtig allerorten und in aller Form: ob als Luther-Kaffeetasse, als Einkaufsship…

Und warum da nicht auch ein Sing-Spiel. Uraufgeführt wurde das Stück laut Kristina Handke übrigens bereits 2014 im Rühner Kloster. Da war das Luther-Fieber noch nicht ausgebrochen. Aus dem Füllhorn an Stoff entschied sich Handke für vier Bilder, in denen die Figuren Martin und Katharina Luther den Zuhörern im regen Austausch begegnen. Gespielt werden sie von Friedemann Preuß, Pastor im Ruhestand aus Bützow, sowie von der Pastorin aus Baumgarten, Helga Müller. Zur gestrigen Probe hatten sie schon die passenden Kostüme an, mussten sich aber erst auf den Hall der Sternberger Stadtkirche einstellen. „Noch langsamer sprechen, Pausen machen“, sagte die Regisseurin zu ihrem Luther, um so die störenden Echos zu minimieren. Dazu ist ja die Probe da, jede Spielstätte ist anders. Zuletzt in Polchow bei Laage herrschte eine geradezu schnuckelige Atmosphäre. Die zwischen 1309 und 1322 errichtete Sternberger Stadtkirche St. Maria und St. Nikolaus wurde einst fürs Sprechen nicht ausgelegt; die Predigt, vor der lutherschen Reformation nur in Latein, hatte nicht die heutige Bedeutung. Entsprechend ist die Kirche in Sternberg wie gemacht für Musik und weniger fürs gesprochene Wort.

„Es ist schwer, dich zu lieben“ – szenarisch wird umgesetzt, wie sich „zwei ganz unterschiedliche Menschen zusammenraufen. Die einstige Nonne Katharina Luther war eine gebildete Adlige, die ihm schon gut Paroli geboten hat. Und Luther hatte ihr ein eigenes Profil zugestanden. Er redete sie auch gern mit ,Meine liebe Frau Lutherin zu Wittenberg‘ an. In der Gesellschaft freilich war die Frau nix“, weiß Kristina Handke.

Textlich sei das Sing-Spiel eine Komposition von Bibel-Texten, verbunden mit freien Elementen der Autorin. Szenen einer Ehe im Luther-Gewand! „Eines aber ist Not“, sagt der Reformator, worauf die Gattin im Sing-Spiel antwortet: „Eines ist aber auch Not“, anspielend auf die häuslichen Tätigkeiten. Plötzlich entdecken die Protagonisten den Originalspruch „Eines ist Noth“ aus dem Lukas-Evangelium 10,42 als Spruchband in der Seitenfront im Kircheninneren. Die Laienschauspieler können sich eines Schmunzeln nicht erwehren. Der Text passt perfekt zum Ort…

Nach diversen Aufführungen in Bützow sowie in Rühn, Wieck bei Greifswald und zuletzt in Polchow gastiert man am Sonnabend in Sternberg und abschließend am 29. Oktober in Neukirchen bei Jürgenshagen.

Das neue 2018er-Thema hat Kristina Handke auch bereits im Blick: „Es wird Nathan sein“. 

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