Bützow: Bürgerinitiative will weitermachen : Streit um Biogasanlage geht weiter

Peter Dethloff (r.), Geschäftsführer der Wärme GmbH Bützow, stellte sich  nach dem Ende der Diskussion auch dem persönlichen Streitgespräch. Ralf Badenschier
Peter Dethloff (r.), Geschäftsführer der Wärme GmbH Bützow, stellte sich nach dem Ende der Diskussion auch dem persönlichen Streitgespräch. Ralf Badenschier

Der Streit um den möglichen Bau einer Biogasanlage im Bützower Gewerbegebiet geht weiter. Eine Diskussionsrundetrug kaum zur Schlichtung bei. Zu verhärtet scheinen die Fronten. Positiv: Man redet miteinander.

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03. Oktober 2011, 07:17 Uhr

Bützow | Der Streit um den möglichen Bau einer Biogasanlage im Bützower Gewerbegebiet geht weiter. Eine Diskussionsrunde am späten Freitagabend trug kaum zur Schlichtung zwischen Stadt und Betreiber auf der einen Seite und den Gegnern der Anlage auf der anderen Seite bei. Zu verhärtet scheinen die Fronten. Positiv: Man redet miteinander.

Mit einem filmischen Einspieler eröffnete Enrico Grossmann, der im Auftrag der Bürgerinitiative "Bützower Land" den Abend moderierte, die Diskussion. Der zeigte die möglichen negativen Folgen, die durch immer mehr Biogasanlagen, die seit Jahren wie Pilze aus den Boden schießen, auf. Sorgen, die auch die Gegner der Biogasanlage im Bützower Gewerbegebiet befürchten: Geruchsbelästigung, Monokultur durch den verstärkten Anbau von Mais, verstärkter Lkw-Verkehr für die Belieferung der Biogasanlage. Enrico Grossmann verwies auf das Trinkwassereinzugsgebiet, das für die Versorgung der Hansestadt Rostock mit Trinkwasser verantwortlich ist, sowie auf das Renaturierungsprogramm Nebel. Vor allem können er und andere nicht verstehen, dass sie mit dem Verweis auf das Trinkwassereinzugsgebiet bei Baumaßnahmen hohe Auflagen erfüllen müssen, einige Bauten gar nicht möglich seien, auf der anderen Seite ein solches Vorhaben angeschoben wird. Zweiter massiver Vorwurf: Die Bürger werden nicht angehört. Hintergrund: Mit dem Aufstellungsbeschluss zur 2. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 4. für das "Gewerbegebiet Tarnower Chaussee Südost" wurde "von der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung ... abgesehen". So hatte es die Mehrheit der Stadtvertreter beschlossen (SVZ berichtete). Die Anlagengegner befürchten, dass Tatsachen geschaffen würden, bevor sie überhaupt angehört werden.

Bürgermeister Sebastian Constien widersprach dem, verwies immer wieder darauf, dass es sich um einen Aufstellungsbeschluss handelt, noch "gar nichts entschieden" sei. Außerdem sei eine Öffentlichkeitsbeteiligung in einer so frühen Planungsphase gar nicht notwendig. Dennoch habe man die unmittelbar Betroffenen, die Firmen im Gewerbegebiet, bereits vor dem Beschluss informiert. Es hätten nicht alle Hurra geschrien, doch man hätte viele Fragen ausräumen können, so der Bürgermeister. Im Bezug auf den Bau einer solchen Anlage im Trinkwassereinzugsgebiet verwies Constien auf ein intensives Prüfungs- und Genehmigungsverfahren durch die Behörden. Außerdem verwahrte er sich dagegen, dass Ängste geschürt und eine Situation erzeugt werde, in der Mitarbeiter der Stadtverwaltung in den Streit hineingezogen werden.

Peter Dethloff, Chef der Bützower Wärme GmbH, die die Anlage betreiben soll, betonte immer wieder, dass es ein geschlossenes System sei. Wie in der Kühlungsborner Straße treten keine Gerüche aus. "Kommen Sie uns besuchen", sagt Dethloff. Geplant sei eine 500-kW-Anlage, für die rund 8000 Tonnen Mais benötigt werden. Dafür sei eine Anbaufläche von 200 Hektar notwendig. Der Transport erstrecke sich über einen Zeitraum von einem Monat. Dethloff versprach "abgedämpfte Preise" für die Fernwärmekunden in der Carl-Moltmann-Straße. Außerdem sei man bei Neubauten dazu verpflichtet, regenerative Energien einzubeziehen.

Bei den meisten Zuhörern blieb Skepsis. Der mögliche Investor bereitet schon seit einigen Wochen eine Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit vor. Die soll am Donnerstag, 13. Oktober, stattfinden. Ob sich dann Initiatoren und Investoren sowie Gegner näher kommen? Der Freitagabend machte da wenig Hoffnung.

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