Bützow : Straßenbrüder und ein dunkles Kapitel

Seine Texte schreibt Wolfgang Severin-Iben auf einer „Erika“-Schreibmaschine.  Fotos: Christian Menzel
Seine Texte schreibt Wolfgang Severin-Iben auf einer „Erika“-Schreibmaschine. Fotos: Christian Menzel

SVZ-Serie „Ins Atelier geschaut“: der Bützower Maler, Graphiker und Dichter Wolfgang Severin-Iben

svz.de von
30. März 2014, 15:41 Uhr

„Klamm“ und „Heimlich“, die beiden Katzen des Bützower Malers, Graphikers und Dichters Wolfgang Severin-Iben, haben Respekt vor der Kunst. Mit Vorliebe zerkratzen sie die Tapeten in der Wohnung des Künstlers oder treiben allerlei anderen Schabernack. „Aber an meinen Bildern haben sie noch nie Schaden angerichtet“, schmunzelt der 65-Jährige.

Dabei stehen und hängen in der Wohnung überall Arbeiten des Malers. Ein Lebenswerk, gedrängt auf engem Raum. „Ich habe einige Bilder verkauft“, deutet Severin-Iben an, dass der Fundus eigentlich noch größer sein müsste. Ab 1983 habe er sich ernsthaft der Malerei und Schriftstellerei zugewandt. „Da beschloss ich, mich der sozialistischen Produktionswelt zu entziehen“, erinnert er sich. Davor hatte er viele Gelegenheitsjobs: bei der Müllabfuhr, auf dem Bahnhof, auf der Straße, in einer Werbefirma… Auch im Knast und in der Psychiatrie saß er einige Monate. „Ich hatte am Vorabend des 30. Jahrestages die Fahne mit Hammer, Sichel und Ährenkranz geschändet. Das kam nicht gut an, wer lässt sich auch ungestraft auf die Geburtstagstorte spucken“, kommentiert er die damaligen Ereignisse.

Missen möchte er die Knastzeit nicht. Gab sie ihm doch die Zeit, eine Liebesgeschichte zu schreiben und neue Erfahrungen zu sammeln. Publikationsmöglichkeiten blieben ihm bis auf einige Beiträge für die Kirchenzeitung verwehrt, Bilder verkaufte er unter der Hand, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Nach der Wende änderte sich das. Da schrieb er für das „Mecklenburg-Magazin“ der SVZ, beschickte Ausstellungen, ging auf Reisen und schloss Bekanntschaften. Viele Künstler beförderten seinen Weg. Ein Thema, das sich durch sein Lebenswerk zieht, sind seine „Straßenbrüder“. „Das sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, die keine Lobby haben. Aus dieser Richtung komme ich auch“, sagt er und bekennt, dass ihn die Kunst vor dem Abgleiten in den Alkoholismus bewahrt habe: „Kreatives Schreiben und Malen, das sind meine Ventile.“

Landschaften seiner Geburtsstadt Bützow malt er heute vorwiegend zur Entspannung. Es sind historische Themen wie Flucht und Vertreibung, die ihn umtreiben. Er recherchiert, sucht Zeitzeugen, liest und verarbeitet sein Wissen in seinen Bildern und Texten. Seit einem Jahr lässt ihn das Schicksal von in Bützow nach dem Zweiten Weltkrieg mutmaßlich ermordeten Wlassow-Anhängern nicht mehr los. „Als Ende der 1980er-Jahre die Heiztrasse von der Steinhäger Chaussee über den Friedhof gelegt wurde, hat man ihr Massengrab gefunden. Aber es wurde nie darüber geredet“, sagt Severin-Iben. Lange habe er sich damit befasst, auch einige Entwürfe für Arbeiten verworfen. Nun aber liegen mit „Kameraden – Gefangenenlager Ziegelhofweg“ und „Erschossen im Morgengrauen“ zwei Arbeiten des Bützower Künstlers dazu vor.

Wolfgang Severin-Iben möchte immerzu malen, zeichnen und schreiben. „Ich habe Motive und Themen, die für 100 Jahre reichen“, versichert er. Und er hat einen Traum. „Ich würde gern einen Lyrikband und zwei Bände mit Erzählungen und eigenen Illustrationen veröffentlichen“, sagt er.

Den ausführlichen Beitrag lesen Sie in unserer Montag-Ausgabe.



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