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Erste "MOOD-Tour" stoppte in Güstrow und Bützow : Stimmung gegen Depression machen

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Die 1. "MOOD-Tour", eine deutschlandweite Radfahr-Mitmach-Aktion stoppte im Ambulanten Zentrum Güstrow. Depressionen verstehen lernen und Verständnis entwickeln - das ist das Hauptanliegen der "Stimmungs-Tour".

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erstellt am 24.Aug.2012 | 12:06 Uhr

Güstrow/Bützow | Die 1. "MOOD-Tour", eine deutschlandweite Radfahr-Mitmach-Aktion, die auf die Krankheit Depression aufmerksam macht, stoppte gestern und vorgestern im Ambulanten Zentrum Güstrow. Depressionen verstehen lernen und Verständnis entwickeln - das ist das Hauptanliegen der "Stimmungs-Tour". Die Teilnehmer setzten auch in Güstrow und Bützow öffentlich wirksam ein Zeichen gegen das immer noch zu oft und zu sehr stigmatisierte Krankheitsbild "Depression".

Initiator ist Sebastian Burger. Der Bremer Künstler ist ein Betroffener. "2006 und 2007 hatte ich ein Stimmungstief", berichtet er. Burger erfuhr, dass ihm bei der Behandlung der Krankheit besonders der Sport und die Natur halfen. "Das habe ich mit dieser Radtour umgesetzt."

Dass Güstrow Haltepunkt wurde, ist Sabine Dobslaw von der Diakonie Güs trow und Koordinatorin der Selbsthilfe in der Region, zu verdanken. Die hörte von der Aktion und meldete sich bei Burger, der zusagte. Dobslaw: "Wir haben großen Bedarf etwas gegen das Tabuthema Depression zu unternehmen. In Bützow und Güstrow gibt es drei Selbsthilfegruppen ,Leben mit Ängsten und Depression’. Die Bützower Gruppe besteht bereits seit zwei Jahren. Eine weitere ist in Güstrow im Entstehen." Für Sabine Dobslaw ist wichtig, dass sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer mehr ins Gespräch kommen. Ehrlichkeit und Aufklärung seien bei dieser Krankheit besonders wichtig. Dobslaw holte sich mit Siegmar Krüger, Geschäftsführer des ambulanten Zentrums, und Dieter Ahrens von der IKK Nord, weitere Partner für die Veranstaltung in Güstrow ins Boot. Krüger: "Öffentlichkeit ist wichtig. In unserem Zentrum bieten die Physiotherapeuten eine breite Palette für die Psyche und die Seele an. Und wir sind dabei, das Angebot zu erweitern, weil der Kampf gegen diese Krankheit so wichtig ist und wir hier in Güstrow nicht auf einer Insel der Glückseligen leben." Krüger weiß aber auch, dass Kraft und Mut dazu gehören, um sich helfen zu lassen. Wie Dobslaw kann er sich in Güstrow ein Modellprojekt vorstellen, in dem vor allem auch Unternehmer mitarbeiten. Dieter Ahrens, IKK Nord, betont ebenfalls, dass Prävention und Selbsthilfe erklärtes Ziel der Kasse seien. Er kündigt eine noch engere Zusammenarbeit mit dem ambulanten Zentrum an.

Am Mittwochabend verdeutlichte in einer Gesprächsrunde mit rund 50 Teilnehmern Dr. Stefan Schröder, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie im KMG-Klinikum Güstrow, mit dem Vortrag "Bewegung und Depression", wie wichtig es aber auch ist, sich der Krankheit zu stellen. Für Burger war es eine der "gelungensten Veranstaltungen" während der Tour. Er lobte die Güstrower Organisatoren aber auch, dass sie es schafften, Arbeitgeber an den Tisch zu holen. Denn: Einer der Hauptgründe für Depression und Burnout ist der in der Arbeit aufgebaute Druck, mit dem viele nicht klar kommen. Famila-Marktleiter Stefan Eggert stellte sich z.B. der Diskussion. Wie ernst die Situation ist, belegt auch die Statistik, denn die Zahl der depressiv Erkrankten steigt. In der Region Güstrow sind die Erkrankungen im vergangenen Jahr z.B. um über 50 Prozent angewachsen - ohne die Dunkelziffer zu berücksichtigen. Das sei so, wurde von mehreren Seiten bestätigt, weil viele aus Angst, die Arbeit zu verlieren bzw. von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden, die Krankheit regelrecht in sich "hineinfressen". Dafür ist Tanja Salkowski ein Beispiel. Die fährt die Tour von Sebastian Burger mit. Die Stralsunderin verdrängte fast vier Jahre ihre Depression. Sie war im Marketingbereich in führender Position tätig, wurde jedoch von ihrem Chef ständig gemobbt. "Im Februar kam der absolute Knall", erzählte sie gestern. Sie griff zum Alkohol und dachte an Selbstmord. Salkowski: "Ich konnte mir aber nicht mehr helfen, nicht mal zum Telefonhörer greifen. Wenn Freunde mich nicht an die Hand genommen hätten, kann man sich vorstellen, was aus mir geworden wäre." Am 4. September nach sechs Monaten Wartezeit hat die 34-Jährige ihren ersten Klinikaufenthalt. Die Tour ist 4500 Kilometer lang und endet am 15. September in Berlin. Güstrow, und abschnittsweise auch Bützow, war Teil der sechsten von sieben Etappen.

Mehr Infos unter: mood-tour.de/etappe

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