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Hermannshagen : Steht der Rapsanbau vor dem Aus?

vom
Aus der Redaktion der Bützower Zeitung

Erträge weit unter den Erwartungen. Landwirte EU-Richtlinie dafür verantwortlich. Durch Regen Qualitätsverluste beim Weizen befürchtet

von
erstellt am 04.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Der Blick von Ulrich Constien geht in diesen Tagen einmal öfter zum Smartphone, wo die Wetterprognose per App angezeigt wird. Erbaulich ist es nicht gerade, was dort zu sehen ist. Es bleibt wechselhaft, immer wieder soll es regnen. Für Constien und seine Kollegen von der Agrargenossenschaft Klein Sien heißt das, dass sie so flexibel wie möglich sein müssen. Sie stecken mitten in der Rapsernte, fahren an trockenen Tagen bis spät in die Nacht, um die Rückstände der erzwungenen Erntepausen, so gut es geht, wieder aufzuholen.

Das geht zurzeit noch schleppend. Denn auch wenn es nicht regnet, können die Mähdrescher nicht sofort aufs Feld. „Wir müssen darauf warten, dass es trocknet. Das hängt von Sonne und Wind ab“, erklärt Thomas Naumann, der seit elf Jahren im Betrieb von Ulrich Constien arbeitet. Am Mittwoch konnten er und seine Kollegen auf den Feldern bei Hermannshagen dreschen. Gegen 18 Uhr hatte Naumann sieben Hektar abgefahren. „An guten Tagen schafft man zwischen 30 und 40 Hektar. Wir hatten aber einfach keine Sonne, es war zu feucht“, sagt der 27-Jährige.

Noch ist der Raps nicht komplett vom Feld geholt, dennoch zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Erträge ungenügend sind. „Wir sprechen von Verlusten zwischen 30 und 40 Prozent“, sagt Ulrich Constien. Die Schuld daran gibt er dem von der EU ausgesprochenen Verbot des Beizmittels, das sonst zum Schutz vor Insekten eingesetzt wurde. Zum Schutz der Bienen müssen die Bauern seit 2015 darauf verzichten – mit verheerenden Folgen. Die Rapswurzeln seien durch Schädlinge extrem angegriffen und könnten so nicht mehr die nötigen Nährstoffe aufnehmen, erklärt Ulrich Constien.

Auch Manfred Bissa, Vorsitzender des Bauernverbandes bereitet die Rapsernte Kopfschmerzen. Er sagt: „Die Erträge sind überall noch weit unter den schon schlechten Erwartungen geblieben. Es ist katastrophal.“ Durch die fehlende Beize komme das Korn überall ungeschützt in den Acker, unzählige Stengel seien deswegen angefressen, so Bissa.

Gibt es eine Alternative für die Bauern, mit der sie sich vor Verlusten in dieser Größenordnung in Zukunft schützen können? „Wir können öfter mit der Pflanzenschutzspritze über die Felder fahren, aber ich bin der Meinung, dass das noch schlimmer für die Bienen ist“, sagt Ulrich Constien.

Als nächstes kommt auf die Klein Siener Landwirte der Weizen zu, bei dem Ulrich Constien durch den Regen einen Qualitätsverlust erwartet. „Ich habe große Bedenken, dass noch die Backqualität vorhanden ist. Das bedeutet enorme ökonomische Verluste, denn zwischen Qualitätsweizen und Futterweizen liegt ein Preisunterschied von 30 bis 40 Euro pro Tonne.“ Pro Hektar würde das einen Verlust zwischen 300 und 400 Euro bedeuten.

Eckhard Meiners, der die Meiners und Hobel GbR in Horst betreibt, blickt optimistischer auf die Weizenernte. Bei ihm sei der Weizen immer später reif als in anderen Betrieben, was an der Gülle liege, mit der der Boden gedüngt wird. „Es kann also sein, dass wir bei der Qualität Glück haben.“

Das größte Problem bleibt der Raps. Die Verluste der vergangenen zwei Jahre stellen den Anbau der Pflanze generell in Frage. Manfred Bissa prognostiziert ein düsteres Szenario: „Wenn wir keine Lösung finden, ist der Rapsanbau in Mecklenburg in wenigen Jahren tot.“ Genau wie Ulrich Constien appelliert Manfred Bissa an die Wissenschaft, die sich des Themas annehmen müsse. „Es wird zu wenig in die Entwicklung von alternativen Lösungen investiert“, so der Vorsitzende des Bauernverbandes.

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