Moisall : Startschuss für Schrauberwerkstatt

Nemat Mohammadi und Anatolij Derksen versuchen gemeinsam, von diesem Fahrrad den verrotteten Sitz zu lösen.  Fotos: Ralf Badenschier
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Nemat Mohammadi und Anatolij Derksen versuchen gemeinsam, von diesem Fahrrad den verrotteten Sitz zu lösen. Fotos: Ralf Badenschier

Neues Projekt der Kirchengemeinde Bernitt für Asylbewerber und Einheimische

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30. Juni 2016, 05:00 Uhr

Was für ein reges Treiben gestern Nachmittag auf dem Wäschetrockenplatz hinter einem der Neubaublöcke in Moisall. Dort startete die Kirchengemeinde Bernitt ein neues Projekt. Ab sofort können sich immer mittwochs ab 13 Uhr Asylbewerber sowie Einheimische treffen und gemeinsam an Fahrrädern schrauben.

Anatolij Derksen von der Kirchengemeinde musste nicht lange warten. Er hatte gerade die Kisten mit Werkzeug ausgepackt, Fahrräder und Roller aus dem Keller geholt, da tauchten schon die ersten Asylbewerber, die dort in Moisall wohnen, auf. Die vierjährige Fatima lief ganz aufgeregt umher, zeigte immer wieder auf ein kleines Kinderfahrrad, das sie unbedingt haben möchte. Sie kommen aus Afghanistan, sind seit neun Monaten in Deutschland, erzählt Vater Nemat Mohammadi. „Ich bin Automechaniker, kenne mich mit Fahrrädern nicht aus“, sagt der 32-Jährige. Dennoch möchte er nicht nur für die Familie alte Fahrräder in Schuss bringen, sondern auch künftig bei der Schrauberwerkstatt mit anpacken, sagt er. Nachdem Anatolij Derksen für ihn und seine Familie Fahrräder ausgesucht hat, machen sich gleich alle dran, die Drahtesel zu reparieren. Auch Mutter Sara Mohammadi greift zum Schleifpapier, um den Lenker vom Rost zu befreien.

Die Idee zum Projekt entstand nach einem ersten Aufruf der Gemeinde. Die hatte gebeten, Gegenstände, die andere nicht mehr benötigen, für die Asylbewerber zur Verfügung zu stellen. „Da waren auch viele Fahrräder dabei. Weitere verrostete Räder sammelte die Feuerwehr Bernitt bei einer Schrottaktion mit ein“, erzählt Anatolij Derksen. Gestern nun gab es das erste Treffen zum gemeinsamen Schrauben. „Wir wollen erst einmal ruhig anfangen, wir sind ja noch im Fastenmonat Ramadan. Da macht sich eine offizielle Feier nicht so gut. Das machen wir später“, erklärt Derksen. Mit der Fahrradwerkstatt „Hand in Hand“ möchte der Gemeindepädagoge ein Angebot schaffen, sich zu beschäftigen und gemeinsam etwas zu unternehmen. „Das gilt nicht nur für Asylbewerber, sondern auch Einheimische, die Spaß am Schrauben haben, können mitmachen“, sagt Derksen. Zum anderen könnte das dazu beitragen, die Mobilität der Flüchtlinge zu verbessern. Er habe beobachtet, dass einige zu Fuß nach Bützow gehen, wenn kein Bus fährt.

Mit dem Auftakt gestern war Anatolij Derksen zufrieden. „Ich finde es cool und bin begeistert, dass das so angenommen wird. Nun ist es spannend, wer das nächste mal wieder dabei ist.“ Weitere alte Fahrräder, die aufgearbeitet werden können, werden gerne entgegengenommen. „Die Leute können sich bei mir in der Kirchengemeinde melden“, sagt Derksen. Und über weitere Mitstreiter, immer mittwochs ab 13 Uhr, freut sich der Gemeindepädagoge ebenfalls.

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