Bützow : Stadtbus für Rollstuhlfahrer tabu?

Es geht doch: Brigitte Dallmann (rechts) testete gestern mit ihrer Mutter Gerda Marten, die im Rollstuhl sitzt, ganz spontan den Einstieg in den Stadtbus.
Es geht doch: Brigitte Dallmann (rechts) testete gestern mit ihrer Mutter Gerda Marten, die im Rollstuhl sitzt, ganz spontan den Einstieg in den Stadtbus.

Bützower Rentnerin sollte Fahrt 24 Stunden vorher anmelden. Busunternehmen Rebus widerspricht: Das ist nicht notwendig

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30. Juni 2016, 21:00 Uhr

Wie behindertengerecht ist Bützow? Gerade Menschen mit Handicap machen da so ihre eigenen Erfahrungen. Die sind nicht immer die besten. Das mussten auch Gerda Marten und ihre Tochter Brigitte Dallmann erfahren.

Die 91-jährige Gerda Marten hatte kürzlich einen Friseurtermin in Bützow. Ihre Tochter Brigitte Dallmann wollte sie begleiten. Denn Gerda Marten sitzt im Rollstuhl, ist auf Hilfe angewiesen. „Da es regnete, wollten wir mit dem Stadtbus fahren. Also habe ich bei Rebus in Güstrow angerufen und gefragt, ob das mit dem Rollstuhl möglich ist“, erzählt Brigitte Dallmann. Sie habe zur Antwort bekommen, dass sie so etwas 24 Stunden vorher anmelden müsse.

„Ich kann das nicht verstehen. Ich kann doch nicht vorher wissen, ob es an dem Tag regnet oder nicht“, sagt Brigitte Dallmann. Den Rollstuhl schieben und gleichzeitig noch einen Schirm halten, das funktioniere einfach nicht. Verwundert zeigt sich auch Brigitte Schmidt vom Seniorenbeirat der Stadt, die von dem Ereignis erfuhr. „Wir als Seniorenbeirat hatten im vergangenen Jahr einen Aktionstag hier in Bützow. Auf dem Schlossplatz hatte das Busunternehmen die Niederflurbusse vorgestellt“, so die Bützowerin. Sie wisse, dass diese Fahrzeuge auch in Bützow unterwegs sind.

Das bestätigt Simone Zabel, Geschäftsführerin der Rebus GmbH. Ein Anruf für eine Rollstuhlmitnahme sei im Güstrower Kundencenter eingegangen. „Unsere Mitarbeiterin informierte darüber, dass im Stadtverkehr Bützow und Güstrow ausschließlich Niederflurfahrzeuge verkehren, die barrierefrei für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste genutzt werden können. Da diese Fahrzeuge stufenlos zugänglich sind, ist hier in der Regel eine vorherige Anmeldung nicht nötig“, schildert Simone Zabel das Gespräch aus Sicht des Unternehmens.

Jedoch hätte die Mitarbeiterin auch darauf hingewiesen, dass aufgrund des Regens möglicherweise mehr Kinderwagen, Rollatoren oder auch Rollstuhlfahrer in den Stadtbussen unterwegs sein könnten, so die Geschäftsführerin und weiter: „Sind alle diesbezüglichen Plätze belegt, kann eine Beförderung des Rollstuhles nicht immer gewährleistet werden.“

Das ist auch Brigitte Dallmann bewusst. Wenn die Plätze belegt sind, dann würden sie auch einen Bus später nehmen, sagt die Bützowerin. Doch an diesem Morgen sei das bei ihrem Anruf im Kundencenter aus ihrer Sicht so nicht rübergekommen. „Dann hätten wir es doch einfach versucht.“

Eine vorherige Anmeldung habe noch einen weiteren Vorteil, sagt Sabine Zabel. „Mit einer Reservierung garantieren wir auch eine Mitnahme.“

Im Stadtverkehr gibt es also aus Sicht der Rebus GmbH keine Probleme, was die Mitnahme von Rollstuhlfahrern betrifft. „Generell bitten wir lediglich im Regionalverkehr um eine rechtzeitige Anmeldung für Rollstuhlfahrer, um so den Einsatz von barrierefreien Niederflurfahrzeugen steuern zu können“, so Zabel. Denn der Fuhrpark bestehe noch nicht vollständig aus diesen modernen Fahrzeugen.

Wie problemlos der Einstieg in den Stadtbus funktionieren kann, konnten Gerda Marten und Brigitte Dallmann gestern erfahren. Als sie sich mit SVZ zum Fototermin an der Haltestelle trafen, sprachen sie den Busfahrer an. Der testete mit den beiden Frauen ganz spontan den Einstieg. Fazit: Es geht also doch ganz unkompliziert.



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